Glossar

Arbeitsschutz, Arbeitsmedizin und Arbeitssicherheit

Das kostenlose Glossar zum Thema Arbeitsschutz. Finden Sie über 400 Begriffsklärungen und mehr als 1.200 Schlagwörter zu den Themen Arbeitssicherheit, Arbeitsmedizin, Betriebsanweisung, Betriebsarzt, Brandschutz, Gefährdungsbeurteilung, Gesundheitsförderung und vieles mehr.

Nachhaltigkeit

Der Begriff "Nachhaltigkeit" spielt seit ein paar Jahren nicht nur in der gesellschaftlichen Diskussion, sondern auch auf Unternehmensebene eine große Rolle. Ursprünglich stammt der Begriff aus der Forstwirtschaft. Als sich um 1700 die Holzknappheit im Silberbergbau verschärfte, begann man mit der systematischen Wiederaufforstung. Für dieses Konzept zur dauerhaften Bereitstellung ausreichender Holzmengen prägte man den Begriff "Nachhaltigkeit". Seit den 1980er Jahren steht "Nachhaltigkeit" (Sustainability) für zukunftsträchtige Konzepte eines verantwortungsvollen Wirtschaftens (Corporate Social Responsibility).

 

Die wohl meist genannte Definition stammt von der so genannten "Brundtland-Kommission" (benannt nach der ehemaligen norwegischen Vorsitzenden der UN-Kommission für Umwelt und Entwicklung, Gro Harlem Brundtland); Nachhaltigkeit wird dort beschrieben als dauerhafte Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart (der heutigen Generation) befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen und ihren Lebensstil nicht frei wählen können. Die Weltkonferenz für Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen in Rio 1992 und die dort beschlossene "Agenda 21" sorgten für eine weltweite Verbreitung dieses Leitbildes.

Nacht- und Schichtarbeit

Von den 38,5 Mio. Erwerbstätigen in Deutschland arbeiten nach Angaben der Hans Böckler Stiftung etwa 8 % ständig oder regelmäßig nachts (Stand: 2005). Vergleichbare Zahlen finden sich auch für Österreich, Dänemark, Frankreich und Portugal. Damit liegt Deutschland genau im Mittel der EU-Staaten, innerhalb derer Zypern (1 %) die geringste und die Slowakei (15 %) die höchste Quote aufweist.

Narkosegase

Bei operativen Eingriffen werden häufig Narkosegase (Anästhesiegase) eingesetzt. Für den Umgang mit Narkosegasen sind Betriebsanweisungen zu erstellen, anhand derer die Beschäftigten unterwiesen werden müssen. Werdende und stillende Mütter dürfen mit Narkosegasen nur beschäftigt werden, wenn die Grenzwerte dauerhaft und sicher eingehalten werden.

Nationaler Leitfaden für Arbeitsschutzmanagementsysteme

Der nationale Leitfaden für Arbeitsschutzmanagementsysteme (NLA) stellt derzeit den für die Bundesrepublik Deutschland bedeutendsten AMS-Standard dar. Er wurde in den Jahren 2001 und 2002 von einem Beraterkreis auf Basis des ILO-Leitfadens für Arbeitsschutzmanagementsysteme (AMS) und unter Berücksichtigung des "Gemeinsamen Standpunktes", der "Gemeinsamen Eckpunkte für AMS-Konzepte", der spezifischen nationalen Rahmenbedingungen und vorhandener AMS-Konzepte erarbeitet. Dem Beraterkreis, der auch für die Überprüfung und Weiterentwicklung des nationalen Leitfadens zuständig ist, gehören an: Vertreter des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales BMAS, der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, der obersten Arbeitsschutzbehörden der Bundesländer, der Unfallversicherungsträger und der Sozialpartner.

 

Das heißt, alle für Fragen der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes in Deutschland relevanten Gruppen waren und sind in die Entwicklung und Weiterentwicklung des nationalen Leitfadens für AMS einbezogen. Der von Beginn an auf Konsens ausgerichtete Weg wird damit fortgesetzt.

 

Die Anwendung des nationalen Leitfadens für AMS ist freiwillig. Er orientiert sich am PDCA-Prinzip (Plan, Do, Check, Act) und entspricht der Struktur zeitgemäßer Managementsysteme. Der "Nationale Leitfaden für AMS" kann verwendet werden für:

  • die Entwicklung eines eigenständigen AMS
  • die Entwicklung eines AMS, das in ein anderes Managementsystem integriert ist
  • die Bewertung und Weiterentwicklung eines installierten AMS
  • eine externe (staatliche oder berufsgenossenschaftliche) Systemkontrolle.

Natrium (auch Kalium)

Chemische Formel: Na (Kalium: K). Natrium ist ein an frischen Schnittstellen silberweißes, meist mit einer grau-braunen Kruste überzogenes, weiches Metall, das mit dem Messer leicht zerschnitten werden kann. Es reagiert heftig bis explosionsartig mit vielen organischen und anorganischen Stoffen, bildet mit Wasser Natronlauge und Wasserstoff.

 

Wegen seiner Reaktionsfähigkeit und seiner physikalischen Eigenschaften wird Natrium vielfältig verwendet: zur Herstellung von Natriumverbindungen (z. B. Natriumazid, -hydrid, -amid), bei der Herstellung von Bleialkylen, zur Reduzierung von Olefinen, Carbonylverbindungen, Fetten; als Wärmeübertragungsmittel beispielsweise in Kernreaktoren.

 

Natrium wird auf Grund der Reaktionsfreudigkeit in Form kleiner Brocken unter Paraffinöl aufbewahrt.

Neue Arbeitsformen

Der Begriff "neue Arbeitsformen" wurde erstmalig in den 70er Jahren im Zusammenhang mit Programmen der Humanisierung der Arbeit (HdA) verwendet. Mit Hilfe von Maßnahmen der Arbeitsgestaltung sollten monotone bzw. tayloristisch (sich ständig wiederholende einfache Tätigkeiten) gestaltete Arbeitsstrukturen aufgelöst werden. Mit veränderten Methoden der Arbeitsgestaltung sollten einseitige Belastungen abgebaut und Handlungs- und Entscheidungsspielräume sowie Eigenverantwortung der Beschäftigten erhöht werden (z. B. Einfluss auf Zielsetzung und Reihenfolge der Arbeit, Wahl der Arbeitsmittel sowie Kontrolle der eigenen Arbeit verbunden mit einem größeren zeitlichen Spielraum). Die nachfolgenden Ausführungen beziehen sich auf drei Formen neuer Arbeit: Gruppenarbeit, Projektgruppenarbeit und freiberufliche Telearbeit.

Neue Medien

Als Neue Medien werden technische Kommunikationsmittel bezeichnet, die der elektronischen und computergestützten Übertragung, Speicherung und Verarbeitung von digitalen Informationen dienen. Waren diese Verfahren zunächst weitgehend auf Einzelcomputer beschränkt, so hat sich der Begriff mit der zunehmenden Computervernetzung auf das Internet ausgeweitet, besonders durch die Entwicklung des World Wide Web (WWW) Anfang der 90er Jahre. Die Neuen Medien zeichnen sich somit durch Digitalität, Vernetzung und durch das Zusammenwachsen von Einzelmedien und -diensten zu neuen Angeboten aus.

Neulinge

Neulinge sind sowohl Einsteiger in das Berufsleben als auch Beschäftigte, die den Beruf wechseln, innerhalb des gleichen Unternehmens eine andere Tätigkeit ausüben sollen oder an wechselnden Arbeitsplätzen beschäftigt werden (Springer). Sie sind besonders unfallgefährdet, weil ihnen ausreichende betriebliche Kenntnisse fehlen, die sie erst im Laufe der Zeit durch Ausbildung und Erfahrung erwerben müssen. Es kann bis zu einem halben Jahr dauern, bis ein Neuling seinen neuen Arbeitsbereich gründlich kennen gelernt hat und mit den Gefahren des Arbeitsablaufs vertraut ist.

Nicht begehbare Bauteile

Nicht begehbare Bauteile sind Bauteile, deren Tragfähigkeit nicht ausreicht, um der Belastung durch Personen standzuhalten, oder Bauteile, die beim Betreten und Begehen vom Auflager abrutschen können.

 

Belastungen durch Personen können durch dynamische Faktoren (z. B. beim Gehen oder Springen) sowie durch Faktoren, die sich aus der Tätigkeit ergeben, wesentlich höher werden als das Eigengewicht der Person.

Nickel

Chemische Formel: Ni. Nickel ist ein silberweißes Metall, sehr widerstandsfähig gegen Luft, Wasser, nichtoxidierende Säuren, Alkalien und viele organische Stoffe. Beim Erhitzen besteht Explosionsgefahr. Stark exotherme Reaktion, Hitzeentwicklung bei Kontakt mit Oxidationsmitteln.

 

Der größte Teil der Nickelproduktion wird zur Stahlveredelung und für Nickel-Basislegierungen verwendet; für Supralegierungen, zur Elektroplattierung, für Münzen, Behälter, Küchengeräte usw. Große Nickelmengen verbrauchen die Erdöl- und die chemische Industrie für die heterogene Katalyse (Hydrierkatalysator). Außerdem wird Nickel als Elektrodenmaterial und zur Herstellung von Ni-Cd-Batterien sowie zur Beschichtung von Stahlbändern eingesetzt.

Nitrocellulose

Nitrocellulose ist der als Pulver oder in flockiger Form vorliegende Salpetersäureester der Cellulose. Sie wird durch Nitrierung von Baumwoll-Linters oder Zellstoff mit Nitriersäure hergestellt.

Nitrose Gase

Nitrose Gase bestehen aus einem Gemisch stickstoffhaltiger Gase, hauptsächlich aus Stickstoffmonoxid und Stickstoffdioxid. Sie sind schwerer als Luft und stark oxidierend. Die richtige chemische Bezeichnung ist Stickstoffoxide. Typische Vertreter sind Distickstoffoxid (Lachgas, N~2O), Stickstoffmonoxid (NO) und Stickstoffdioxid (NO~2). Sie sind äußerst giftig.

 

Nitrose Gase entstehen u. a. durch Oxidation des Luftstickstoffs, z. B. als Abgase von Verbrennungsprozessen (Autoabgase, Rauchgase aus Kohle-, Öl- oder Erdgas-Kraftwerken) oder beim Schweißen sowie durch Zersetzung nitrathaltiger Düngemittel. Sie werden auch zur Herstellung von Salpetersäure verwendet. Stickstoffoxid trägt zusammen mit Schwefeldioxid erheblich zur Luftverunreinigung bei. Daneben macht man nitrose Gase mitverantwortlich für die Entstehung des photochemischen Smogs und des Ozonlochs.

Normen

Normung bedeutet Vereinheitlichung von materiellen oder immateriellen Gegenständen, insbesondere zur Förderung der Rationalisierung und Qualitätssicherung. Die Normung dient der sinnvollen Ordnung und Information auf dem jeweiligen Normungsgebiet, aber auch der Sicherheit von Menschen, Tieren und Sachen. Die Ergebnisse dieser Arbeit sind Normen. Sie enthalten die einschlägigen Regeln der Technik.

Normenrecherche Arbeitsschutz - NoRA

Die Kommission Arbeitsschutz und Normung (KAN) hat in einem gemeinsamen Projekt mit der DIN-Software GmbH das Normenrecherchetool Arbeitsschutz (NoRA) entwickelt. Auf der Grundlage einer Datenbank, die ausschließlich Normen mit arbeitsschutzrelevanten Inhalten umfasst, ist es möglich, gezielt nach Arbeitsschutz-Aspekten in Normen zu suchen. Zurzeit sind etwa 5.900 Normen (Januar 2008) in der monatlich aktualisierten Datenbank im Internet enthalten. Das gesamte Angebot NoRA steht in deutscher und englischer Sprache zur Verfügung.

Notbefehlseinrichtungen

Notbefehlseinrichtungen (NOT-Halt-Einrichtung) dienen der Abwendung oder Minderung plötzlich auftretender oder bestehender Gefahren für Personen, Maschinen oder Arbeitsgut. Notsituationen für Menschen können sich an Maschinen hauptsächlich aus mechanischen Gefährdungen durch bewegte Maschinenteile ergeben. Notbefehlseinrichtungen sollen deshalb alle Gefahr bringenden Bewegungen möglichst schnell beenden, den Haltzustand herbeiführen und keine neuen Gefährdungen erzeugen. Die Nachlaufzeit der Maschinen muss möglichst kurz sein. Sie darf nicht größer sein als die kürzest mögliche Hochlaufzeit der Maschine.

Notduschen

Notduschen und Augenspüleinrichtungen werden als Sofortmaßnahme im Unglücksfall dort benötigt, wo Augen oder Körper aggressiven oder giftigen Stoffen ausgesetzt sind. Sie sind in Laboratorien, Galvanikbetrieben, beim Umgang mit ätzenden Stoffen, z. B. Säuren und Laugen, vorgeschrieben oder notwendig. Notduschen können auch zum Ablöschen von brennender Kleidung oder zum Abspülen der Kleidung verwendet werden. Die Rettungszeichen (Abbildung) für Notduschen und Augenspüleinrichtungen weisen auf diese Erste-Hilfe-Einrichtungen hin.

Notfallpsychologie

Die Notfallpsychologie befasst sich mit der psychologischen Vorbereitung auf Ereignisse, die auf Grund der subjektiv erlebten Intensität traumatisierend wirken, sowie mit deren Verarbeitung. Sie umfasst die zeitlich aufeinander folgenden Maßnahmen der Prävention, Intervention und Nachsorge.