Arbeitsschutz in der Coronakrise

Arbeitsschutz nimmt auch in Coronazeiten eine zentrale Rolle ein. Die Gesundheit von Beschäftigten wird mit neuen, bundesweit verpflichtenden Regeln wirkungsvoll geschützt.

Seit dem 25.11.2021 ist die Neufassung des Infektionsschutzgesetzes in Kraft getreten. Unabhängig vom Infektionsgeschehen haben Betriebe bis zum 19. März 2022 diese neuen Regelungen zu beachten. Für den gleichen Zeitraum gelten die bestehenden Regelungen der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel, SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnungen sowie des SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandards sowie weitere Vorschriften der Länder zum Infektionsschutz.

Änderungen im Infektionsschutzgesetz: Was müssen Unternehmen und ihre Beschäftigte beachten?

Die folgenden neuen Regeln sowie die weiterhin gültigen Regelungen sollen dazu beitragen, das allgemeine Infektionsgeschehen in Deutschland effizient einzudämmen. Dafür müssen auch am Arbeitsplatz mögliche Infektionsketten wirksam unterbrochen werden.

3G-Regel am Arbeitsplatz

Im inhaltlich geänderten § 28b IfSG ist unter anderem eine bundesweit geltende Regelung zur 3G-Regelung am Arbeitsplatz vorgesehen, und dies unabhängig vom Infektionsgeschehen bis zum 19. März 2022.

  • Die Regelung gilt für alle Betriebe, unabhängig von der Beschäftigtenzahl. ­
  • Die Regelung gilt für alle Beschäftigte, bei denen ein Zusammentreffen mit anderen Personen in der Arbeitsstätte nicht ausgeschlossen werden kann, unabhängig von einem direkten Körperkontakt.
  • Wer Zutritt in die Arbeitsstätte haben möchte, muss an jedem Arbeitstag vor bzw. beim Betreten der Arbeitsstätte einen Nachweis über den Impf- bzw. Genesenenstatus oder einen gültigen Negativtest vorlegen. Dies muss der Arbeitgeber entsprechend kontrollieren. Ausnahmen: Wenn direkt vor Ort im Unternehmen ein betrieblicher Test i. S. d. Corona-ArbSchV gemacht oder ein Impfangebot seitens des Arbeitgebers wahrgenommen wird.

Beschäftigte mit gültigem Impfnachweis können nach einer Kontrolle und der entsprechenden Dokumentation ihres Status anschließend grundsätzlich von den täglichen Zugangskontrollen ausgenommen werden. Gleiches gilt grundsätzlich auf für genesene Personen. Hier muss allerdings beachtet werden, dass nach Ablauf des Genesenenstatus vor dem 19.03.2022 von den jeweiligen Personen entweder einmalig ein Impfnachweis oder arbeitstäglich ein Testnachweis vorzulegen ist. Der „Genesenenstatus“ gilt nur für 6 Monate seit der zugrunde liegenden Testung mittels Methoden der Nukleinsäureamplifikation.

  • Für Kontrollen der zuständigen Behörden müssen Beschäftigte ihren gültigem Impf- oder Genesenen- oder Testnachweis bereithalten.
     
  • Ausschließlich Beschäftigte im Homeoffice unterliegen nicht der Nachweispflicht. Ein Anspruch ungeimpfter bzw. nicht genesener Beschäftigter auf Arbeit im Homeoffice lässt sich aus den Nachweispflichten des § 28b IfSG nicht ableiten.
     
  • Bei „Schnelltests“ darf die zugrunde liegende Testung maximal 24 Stunden zurückliegen, bei PCR-Tests maximal 48 Stunden,
     
  • Selbsttests vor Ort unter Aufsicht reichen als Nachweise für Personen ohne Impf- und Genesenennachweis aus. Der Arbeitgeber ist weiterhin grundsätzlich dazu verpflichtet, zwei Coronatests pro Woche anzubieten. Es gibt auch Ausnahmen gem. § 4 Abs. 2 Corona-ArbSchV. Der Arbeitgeber ist aber nur verpflichtet an jedem Arbeitstag zu kontrollieren, ob die Nachweise vorliegen.
  • Erfassung des „G-Status“: Die Daten über den Geimpft-, Genesen- oder Test-Status dürfen von den Arbeitgebern zur Erfüllung der Kontroll- und Dokumentationspflichten verarbeitet, aber nicht langfristig gespeichert werden. Maximal sechs Monate nach der Erhebung sind die Daten zu löschen. Die Erfassung der Daten ist zur besseren Anpassung betrieblicher Hygienekonzepte vorgesehen. Verstöße werden auf Seiten der Arbeitgeber und der Beschäftigten mit einem Bußgeld geahndet und können für Beschäftigte arbeitsrechtliche Konsequenzen haben.
     
  • Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die keinen 3G-Nachweis vorlegen können oder wollen und infolgedessen die Arbeitsleistung nicht erbringen, müssen schlimmstenfalls arbeitsrechtliche Konsequenzen befürchten.
     
  • Das Infektionsschutzgesetz sieht bei Verstößen gegen Kontroll- und Mitführungspflichten von 3G-Nachweisen einen Bußgeldrahmen von bis zu 25.000 Euro vor.

Homeofficepflicht

Arbeitgeber haben den Beschäftigten im Fall von Büroarbeit oder vergleichbaren Tätigkeiten anzubieten, diese Tätigkeiten in deren Wohnung („Homeoffice“) auszuführen. Die Beschäftigten müssen dieses Angebot annehmen, sofern ihrerseits keine Gründe entgegenstehen.

Impfunterstützungsangebot

  • Arbeitgeber müssen Beschäftigten im Rahmen der Unterweisung über die Gesundheitsgefährdung bei der Erkrankung an der Coronavirus-Krankheit-2019 (COVID-19) aufzuklären und über die Möglichkeit einer Schutzimpfung zu informieren.
  • Der Arbeitgeber hat den Beschäftigten zu ermöglichen, sich während der Arbeitszeit gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 impfen zu lassen (Impfunterstützungsgebot).
  • Außerdem muss der Arbeitgeber Betriebsärztinnen, -ärzte und überbetriebliche Dienste, die Schutzimpfungen im Betrieb anbieten, durch organisatorische und personelle Maßnahmen unterstützen.

 

Darüber hinaus gelten weiterhin in Betrieben Kontaktbeschränkungen, Vorschriften zum Abstandhalten sowie die Maskenpflicht.

SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung

Die Arbeitsschutzverordnungen gemäß § 18 Absatz 1 und 2 des Arbeitsschutzgesetzes und abweichende Vorschriften der Länder zum Infektionsschutz, insbesondere im Zusammenhang mit der Betreuung von Kindern, sowie weitergehende Vorschriften der Länder und die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel bleiben unberührt.

Die Regelungen der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung finden Sie auf der Homepage des Bundesministeriums für Arbeit:

Zur Arbeitsschutzverordnung

Folgende grundlegende Regeln der Arbeitsschutzverordnung gelten bis zum 19. März 2022 weiterhin:

  • Der Arbeitgeber hat gemäß den §§ 5 und 6 des Arbeitsschutzgesetzes die Gefährdungsbeurteilung hinsichtlich zusätzlich erforderlicher Maßnahmen des betrieblichen Infektionsschutzes unter Berücksichtigung der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel regelmäßig zu überprüfen und zu aktualisieren. So soll die Sicherheit und der Gesundheitsschutz von Beschäftigten bei tätigkeitsbedingten Infektionsgefahren wirksam gewährleistet werden.
  • Arbeitgeber bleiben verpflichtet, in ihren Betrieben mindestens zweimal pro Woche für alle in Präsenz Arbeitenden die Möglichkeit für Schnell- oder Selbsttests anzubieten (§ 4 Abs. 1 Corona-ArbSchV). Ausnahmen gibt es neuerdings für vollständig geimpfte bzw. von einer CoViD-19 Erkrankung genesene Beschäftigte. Die Beschäftigten sind nicht verpflichtet, die Testangebote wahrzunehmen sowie dem Arbeitgeber Auskunft über ihren Impf- bzw. Genesungsstatus zu geben. Arbeitgeber müssen weiterhin Nachweise über die Testbeschaffung oder die Testvereinbarung mit Dritten bis zum 24.11.2021 aufbewahren (§ 4 Abs. 3 Corona-ArbSchV).
  • Betriebliche Hygienepläne sind wie bisher zu erstellen, umzusetzen sowie in geeigneter Weise zugänglich zu machen (§ 2 Corona-ArbSchV). Zur Umsetzung sind weiterhin die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel und die branchenbezogenen Praxishilfen der Unfallversicherungsträger heranzuziehen.
  • Die verbindliche Vorgabe einer Mindestfläche von 10 Quadratmetern pro Person in mehrfach belegten Räumen entfällt ebenso wie die strikte Vorgabe von Homeoffice. Der Arbeitgeber hat weiterhin alle geeigneten technischen und organisatorischen Maßnahmen zu treffen, um betriebsbedingte Kontakte und die gleichzeitige Nutzung von Räumen durch mehrere Personen auf ein notwendiges Minimum zu reduzieren. (§ 3 Corona-ArbSchV). Dazu kann auch weiterhin das Arbeiten im Homeoffice wichtige Beiträge leisten.
  • Neu ist, dass bei der Festlegung / Umsetzung der betrieblichen Infektionsschutzmaßnahmen der Arbeitgeber einen ihm bekannten Impf- / Genesungsstatus der beschäftigten Personen berücksichtigen kann (§ 2 Abs. 1 Corona-ArbSchV). Jedoch ergibt sich aus dieser Bestimmung kein allgemeines Auskunftsrecht des Arbeitgebers über den Impf- oder Genesungsstatus der beschäftigten Personen.
  • Arbeitgeber müssen mindestens medizinische Gesichtsmasken zur Verfügung stellen, wo andere Maßnahmen keinen ausreichenden Schutz gewähren.
  • Auch während der Pausenzeiten und in Pausenbereichen muss der Infektionsschutz gewährleistet bleiben.
  • Der Arbeitgeber hat den beschäftigten Personen zu ermöglichen, sich während der Arbeitszeit gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Zudem hat er die Betriebsärzte und überbetrieblichen Dienste organisatorisch und personell zu unterstützen sowie seine Mitarbeitenden im Rahmen der Unterweisung über die Gesundheitsgefährdung einer COVID-19-Erkrankung aufzuklären und über die Möglichkeit einer Schutzimpfung zu informieren (§ 5 Corona-ArbSchV).
 

SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard

Neue Anforderungen an den Arbeitsschutz und notwendige Maßnahmen in Zeiten der Coronakrise

Im April 2020 hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) gemeinsam mit Sozialpartnern, Arbeitsschutzbehörden der Länder und der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) bundeseinheitliche, verlässliche und branchenübergreifende Mindeststandards entwickelt, die für alle Beschäftigte und Unternehmen verbindlich gelten.

·A·D-Podcast: "Sicher Arbeiten. Gesund leben": In kurzen Interviews kommen unsere Fachkräfte für Arbeitssicherheit, ArbeitsmedizinerInnen und BeraterInnen Gesundheitsmanagement zu aktuellen Themen zu Wort.

B·A·D Podcast

SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard – Raus aus der Krise?

Weitere Informationen erhalten Sie in unserem Podcast zum Thema „SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard – Raus aus der Krise?“ mit B·A·D-Arbeitsmedizinerin Dr. Christina Nußbeck und Thomas Kieserling, Fachkraft für Arbeitssicherheit.

Zum Podcast

 

SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel

Sicherer und gesunder Arbeitsplatz in der Pandemie

Die Arbeitsschutzregel (SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel, Fassung vom 22.02.2021) konkretisiert seit August 2020 den SARS-VoV-2-Arbeitsschutzstandard und damit die  Anforderungen an den Arbeitsschutz auf Grundlage des Arbeitsschutzgesetzes und der Arbeitsschutzverordnungen während der Pandemie.

SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel: Schutzmaßnahmen für Beschäftigte in Unternehmen

Arbeitgeber haben grundlegende Schutzmaßnahmen zu berücksichtigen, die die Anzahl ungeschützter Kontakte zwischen Personen sowie die Konzentration an luftgetragenen Viren in der Arbeitsumgebung soweit wie möglich verringert (bspw. durch Abtrennungen zwischen den Arbeitsplätzen, Einhaltung der Abstandsregel, verstärktes Lüften und Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung). Auch sollten Betriebe die in der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel vorgeschlagenen technischen, organisatorischen und personenbezogenen Schutzmaßnahmen umsetzen. Dann können sie davon ausgehen, dass sie rechtssicher handeln.

Wählt der Arbeitgeber eine andere Lösung, muss er damit mindestens die gleiche Sicherheit und den gleichen Gesundheitsschutz für die Beschäftigten erreichen. Andere Lösungen können bei abweichenden Rechtsvorschriften der Länder zum Schutz der Beschäftigten vorrangig in Betracht kommen.

Mit der neuen Arbeitsschutzregel erhalten die Aufsichtsbehörden der Länder darüber hinaus eine einheitliche Grundlage, um die Schutzmaßnahmen in den Betrieben zu beurteilen.

Was sind nun die wichtigsten Herausforderungen für viele Branchen?

Die Anforderungen der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel

Anforderungen an die Arbeitsplatzgestaltung

Ein Abstand von mindestens eineinhalb Metern sollte stets eingehalten werden. Dazu kann behelfsmäßig auch das Mobiliar bzw. dessen  Anordnung geändert werden und zudem weitere Flächen und Räume für die Ausübung von Tätigkeiten genutzt werden. Jedoch sollten hierbei weiterhin die Bewegungsflächen gem. Nr. 3.1 des Anhangs der ArbStättV und der ASR A1.2 beachtet werden.

Ist dies nicht einfach möglich, helfen Abtrennungen, die aus transparentem Material (bei erforderlichem Sichtkontakt) bestehen und nicht zusätzlich durch Instabilität, spitze Ecken oder scharfe Kanten gefährden.

Der obere Rand der Abtrennung darf folgende Mindesthöhe über dem Fußboden nicht unterschreiten:

  1. 1,50 Meter zwischen sitzenden Personen, 
  2. 1,80 Meter zwischen sitzenden und gegenüberstehenden Personen (zum Beispiel Kunden), 
  3. 2 Metern zwischen stehenden Personen. 

Bei der Bemessung der Breite der Abtrennung ist gemäß SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel die Breite bzw. Tiefe der Bewegungsfläche der Beschäftigten zu berücksichtigen. Diese soll links und rechts um einen Sicherheitsaufschlag von 30 Zentimetern erweitert werden. 
 

Anforderungen an Sanitärräume, Kantinen und Pausenräume

In Sanitär- und Pausenräumen sowie Kantinen in Betrieben sollten zwecks Handhygiene Waschgelegenheiten und Aushänge zu den Händewaschregeln leicht erreichbar und einsehbar sein. Dies gilt auch für mobile und abgelegene Arbeitsplätze.

In diesen Räumen sollte fließendes Wasser, hautschonende Flüssigseife, ausschließlich Einmalhandtücher aus Papier oder Textil (keine Nutzung von Handtüchern durch mehrere Personen) sowie ggf. Hautschutz-/Hautpflegemittel (auf Grundlage der Gefährdungsbeurteilung) vorhanden sein. Die Verwendung von Warmlufttrocknern soll vermieden werden.

Wichtig ist auch genügend Platz für die Menschen in den Räumen, um die Abstandsregel einhalten zu können. Nutzen Sie Abstandsmarkierungen auf Fußböden, eine Begrenzung der Personenzahl oder Pläne zur zeitlich versetzten Nutzung. In Pausenräumen ist das Ziel, die Belegungsdichte zu verringern. Für das Einrichten / Betreiben von Sanitär- und Pausenräumen gelten die Anforderungen gemäß 4.1 und 4.2 des Anhangs der ArbStättV sowie ASR A4.1 und ASR 4.2.

In Kantinen sollten Sie Tische und Stühle ggf. anders anordnen oder reduzieren und auch hier beispielsweise Bodenmarkierungen, Absperrbänder an der Essensausgabe, Geschirrrückgabe und an der Kasse verwenden. Begrenzen Sie die Personenzahl und erweitern Sie die Essenszeiten. Besteck und Geschirr sollte das Kantinenpersonal übergeben.

Anforderungen an die Lüftung in Räumlichkeiten

Allgemein gilt, dass in Arbeitsstätten gemäß Anhang Nummer 3.6  der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) bzw. Arbeitsstättenregel (ASR) A3.6 ausreichend frische Atemluft vorhanden sein muss, um eine Atemwegserkrankung bzw. eine Infektion durch virenbelastete Aerosole zu vermeiden. Dazu trägt eine verstärkte Lüftung, im Sinne einer Erneuerung der Raumluft durch direkte oder indirekte Zuführung von Außenluft, bei.

Die übliche Lüftung über Fenster und Türen sollte bei Tätigkeitsbeginn und danach regelmäßig erfolgen. Die ASR A3.6 empfiehlt eine Lüftungshäufigkeit von 1 x / Stunde in Büroräumen und 3 x / Stunde in Besprechungsräumen. Am wirkungsvollsten ist hierbei die Stoßlüftung, welche ungefähr drei Minuten im Winter und zehn Minuten im Sommer dauern sollte. 

Auch sollten Besprechungsräume bereits vor der Benutzung gelüftet werden, vor allem wenn sich zuvor andere Personen darin aufgehalten haben. 

Die Qualität der Lüftung kann z.B. durch eine CO2-Messung überprüft werden. Eine CO2-Konzentration von 1000 ppm ist (laut ASR A3.6) noch akzeptabel, sollte jedoch möglichst unterschritten werden. Notwendige Lüftungsintervalle können auch auf der Basis von Berechnungen ermittelt werden, insbesondere unter Beachtung von Raumvolumen, Personenbelegung, körperlicher Aktivität und Luftwechsel.
Berechnungshilfen für notwendige Lüftungsintervalle liefert etwa die CO2-App des Instituts für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV).

Raumlufttechnische Anlagen (RLT) sollten mit einem geeigneten Filter verbaut sein oder einen hohen Außenluftanteil zuführen. Während der Betriebs- oder Arbeitszeiten sollen die Anlagen nicht abgeschaltet werden, da dies zu einer Erhöhung der Konzentration von virenbelasteten Aerosolen in der Raumluft und damit zur Erhöhung des Infektionsrisikos führen kann. Das Betreiben von Geräten im Umluftbetrieb wie z. B. Ventilatoren oder Heizlüftern, ist aufgrund der Verteilung von Aerosolen eigentlich nur in Räumen mit Einzelbelegung zulässig.

Anforderungen ans Homeoffice / Mobiles Arbeiten

Homeoffice ist sinnvoll, um die Zahl der gleichzeitig im Betrieb anwesenden Beschäftigten zu reduzieren und die Einhaltung von Abstandsregeln zu unterstützen. Die Regeln gemäß § 2 Absätze 1 und 7 Arbeitsstättenverordnung gelten nicht für Homeoffice. Dennoch gelten fürs Homeoffice als Form mobiler Arbeit (Tätigkeit an jedem beliebigen Ort) das Arbeitsschutz- und das Arbeitszeitgesetz.

Arbeitgeber sind daher angehalten, Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Dazu gehören u. a. Regelungen zu Arbeitszeiten und Erreichbarkeiten. Beschäftigte sind zudem darin zu unterweisen, die Arbeitszeiten einzuhalten, Arbeitspausen einzulegen und dies zu dokumentieren. Darüber hinaus sind die ergonomische Arbeitsplatzgestaltung und die Nutzung der Arbeitsmittel wichtig für die Unterweisung.
Arbeitgeber müssen durch geeignete Arbeitsorganisation sicherstellen, dass Beschäftigte ihre Arbeitsaufgaben erfüllen können und ausreichend Zugang zu betrieblicher Kommunikation haben.

Anforderungen an Dienstreisen und Besprechungen

Begrenzen Sie Dienstreisen oder persönliche Besprechungen auf das für die Erfüllung der Arbeitsaufgabe notwendige Maß. Wertvolle Alternativen sind Telefon- oder Videokonferenzen. Beschäftigte sollten vor einer Abreise die epidemiologische Lage vor Ort prüfen. Nutzen Sie gemeinsam ein Fahrzeug? Dann beachten Sie Abstandsregeln, tragen Sie medizinischen Mund-Nasen-Schutz (MNS) oder eine FFP2-Maske und installieren Sie ggf. Abtrennungen. Nehmen Sie Wasser und Seife oder Händedesinfektionsmittel für die Handhygiene mit. Besprechungsräume sind entsprechend der Abstandsregeln auszustatten und regelmäßig zu lüften. 

Anforderungen an Arbeitsmittel und Werkzeuge

Um das Risiko einer Schmierinfektion zu verringern, sollten Arbeitsmittel nach Möglichkeit nur von einer Person verwendet und somit ggf. zusätzlich bereitgestellt werden. Wenn dies nicht möglich sein sollte, sind diese vor der Weitergabe handelsüblich zu reinigen.
Gemeinsam genutzte Oberflächen müssen nach Kontakt gereinigt werden, beispielsweise gehören dazu Tischplatten, IT-Geräte, Telefonhörer, Lenkräder, Schalthebel sowie Werkzeuge. Eine vorsorgliche Flächendesinfektion wird nicht als notwendig erachtet.

Anforderungen an die Arbeitszeit- und Pausengestaltung

Vermeiden Sie wechselnde Personenkontakte. Das geht, indem möglichst dieselben Personen zu gemeinsamen Schichten bzw. Arbeitsgruppen erscheinen und die Personenanzahl in einer Schicht bzw. Arbeitsgruppe möglichst reduziert werden.

Wichtig ist und bleibt bei allen Schutzmaßnahmen: Vermeiden Sie eine zusätzliche Gefährdung wie beispielsweise zusätzliche Nachtarbeit, eine Verkürzung der Ruhezeiten oder verlängerte Schichten. Ist eine Arbeitserschwernis unvermeidbar, berücksichtigen Sie das bei der Gefährdungsbeurteilung.

Anforderungen an die arbeitsmedizinische Prävention

Die neue Arbeitsschutzregel erklärt auch die arbeitsmedizinische Prävention näher. Die Anforderungen der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge inkl. der zugehörigen Arbeitsmedizinischen Regeln gelten auch weiterhin. Die Arbeitsschutzregel schafft mehr Handlungssicherheit für den Umgang mit besonders schutzbedürftigen Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen und mit Rückkehrern an den Arbeitsplatz nach einer Corona-Infektion. Die Betriebsärztin bzw. der Betriebsarzt unterstützt Arbeitgeber bei der Umsetzung ihrer Verpflichtungen im Kontext der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes bei der Arbeit. Zudem hilft der Arzt bzw. die Ärztin bei der Aufstellung entsprechender betrieblicher Handlungsanweisungen und verschafft den Mitarbeitenden Zugang zu Tests auf SARS-CoV-2.

Handlungsanweisungen für Verdachtsfälle

Personen mit Symptomen oder dem Verdacht einer Atemwegserkrankung dürfen nicht auf der Arbeit erscheinen. Arbeitgeber müssen sie auffordern, die Arbeitsstätte unverzüglich zu verlassen. Betroffene sollten sich zunächst telefonisch ärztlichen Rat oder den des Gesundheitsamtes holen und sich auch in ärztliche Behandlung begeben. Die häufigsten Symptome von COVID-19 sind Husten, Fieber, Schnupfen sowie Störungen des Geruchs- und Geschmackssinns.

Berücksichtigung psychischer Belastungen

Der Pandemie geschuldet sind tiefgreifende Veränderungen der gesamten Arbeitssituation durch Neu-/Umgestaltungen von Arbeitsplätzen und Arbeitsabläufen. Dadurch nehmen möglicherweise auch psychische Belastungen zu. Die sind ebenfalls in einer Gefährdungsbeurteilung zu berücksichtigen. Beschäftigte verhalten sich womöglich nicht sicherheitsgerecht, sind einer steigenden Unfallgefahr ausgesetzt und weisen damit ein steigendes Gesundheitsrisiko auf.

Führungskräfte sollten die Auswirkungen der Arbeitsprozesse auf Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit beobachten.

Welche Belastungsfaktoren im Einzelnen bei der Gefährdungsbeurteilung zu berücksichtigen sind, ist mit Blick auf die konkreten Tätigkeitsanforderungen und Bedingungen der zu beurteilenden Arbeit zu entscheiden. Orientierung hierzu gibt die GDA-Leitlinie „Beratung und Überwachung bei psychischer Belastung am Arbeitsplatz“, in der die wesentlichen Belastungsfaktoren aufgeführt werden.

Video mit Johanna Ness und Philip Dehm

Johanna Ness und Philip Dehm, B·A·D-Fachkräfte für Arbeitssicherheit, informieren Sie über wesentliche Änderungen und Herausforderungen für Unternehmen durch die neue Arbeitsschutzregel. Sie klären, welche Rolle nun die gesetzlich verpflichtende Gefährdungsbeurteilung noch spielt und geben einige praktische Tipps, wie Beschäftigte auch in diesen herausfordernden Zeiten weiterhin gesund und sicher arbeiten können. 

Gefährdungsbeurteilung während der Corona-Pandemie

Der Arbeitgeber hat in Pandemiezeiten die bestehende Gefährdungsbeurteilung und  umgesetzten Arbeitsschutzmaßnahmen hinsichtlich der neuen Konkretisierungen zu überprüfen, ggf. zu aktualisieren sowie schriftlich zu dokumentieren. Zudem ist zu prüfen, ob und inwieweit für besonders schutzbedürftige Personen zusätzliche individuelle Schutzmaßnahmen zu treffen sind. Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung sind nicht nur Maßnahmen des betrieblichen Infektionsschutzes festzulegen, sondern insbesondere auch folgende Punkte zu berücksichtigen:

  • Gestaltung der Arbeitsaufgaben,
  • Gestaltung der Arbeitszeit,
  • Integration der im Homeoffice befindlichen Beschäftigten in betriebliche Abläufe sowie
  • Psychische Belastungsfaktoren

Gleichwertige oder strengere Regeln, zum Beispiel aus der Biostoffverordnung oder aus dem Bereich des Infektionsschutzes, müssen jedoch weiterhin beachtet werden. Weiterhin gelten die einschlägigen Regelungen zur Gefährdungsbeurteilung gemäß der Biostoffverordnung und den Technischen Regeln für Biologische Arbeitsstoffe, sofern Tätigkeiten mit besonderem Infektionsrisiko (z. B. im Labor oder Gesundheitswesen) durchgeführt werden.

 

Die 10 Regeln des Arbeitsschutzstandard COVID-19

  1. Arbeitsschutz gilt – ergänzt um Infektionsschutz!
  2. Mit Sozialpartnern, Expertinnen/Experten, Vorsorge!
  3. Mindestens Abstand von 1,5 Metern einhalten!
  4. Wenig direkter Kontakt im Betrieb, Abläufe entzerren!
  5. Niemals krank zur Arbeit!
  6. Mehr Schutz bei unvermeidlichem direktem Kontakt!
  7. Hygiene immer und überall ermöglichen!
  8. Risikogruppen besonders schützen!
  9. Betriebliche Routinen für Infektionsfälle erarbeiten!
  10. Maßnahmen aktiv kommunizieren!

Quelle: Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), April 2020

Checkliste

SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard / SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel

Verpflichtende Regeln für Betriebe

  • Arbeitgeber müssen sich fachkundig unterstützen lassen (z. B. von Experten für Arbeitssicherheit, Betriebsärzten oder Sicherheitsbeauftragten). In Betrieben mit einem Arbeitsschutzausschuss koordiniert und kontrolliert dieser die Maßnahmen. 
  • Menschen müssen einen Abstand von mindestens eineinhalb Metern zu anderen auch bei der Arbeit einhalten – sowohl in Gebäuden, im Freien als auch in Fahrzeugen. Dafür müssen Absperrungen, Markierungen oder Zugangsregelungen umgesetzt werden. Ist dies nicht möglich, sind alternativ Trennwände einzurichten. Sollte auch das nicht umsetzbar sein, sind Arbeitgeber angehalten, Nase-Mund-Bedeckungen für Beschäftigte, Kunden und Dienstleister zur Verfügung zu stellen.  Des Weiteren müssen ausreichend Seife, Handtuchspender und Desinfektionsspender zur Verfügung stehen.
  • Arbeitsabläufe sind so zu organisieren, dass Beschäftigte möglichst wenig direkten Kontakt zueinander haben. Das gilt für Pausen, Schichtwechsel oder der Anwesenheit im Büro. Grundsätzlich gilt: Auf keinen Fall krank auf der Arbeit erscheinen. Wer Symptome zeigt wie zum Beispiel leichtes Fieber, sollte in jedem Fall den Arbeitsplatz verlassen oder zuhause bleiben, bis ärztlich die Ursache geklärt wurde.
  • In Kantinen dürfen keine Warteschlangen bei der Essenausgabe entstehen.
  • Um die Gefahr der Virenübertragung durch Raumlufttechnische Anlagen (RLT) zu verringern, können Filter (ab Klasse 9) verwendet werden. Eine relative Luftfeuchtigkeit von 40 bis 60 Prozent muss sichergestellt werden, Wartungspersonal darf nur mit Schutzkleidung (Atemmaske mind. FFP-2) arbeiten. ·
  • Bei Außen- und Lieferdiensten sollen die Personen, die ein Fahrzeug benutzen, begrenzt werden. Außerdem müssen die Fahrzeuge mit Hygiene-Artikeln bestückt werden.
  • Bei Sammelunterkünften (u. a. Saisonarbeiter) sollen Teams gebildet werden, die auch zusammenarbeiten. Grundsätzlich sind Schlafräume aber einzeln zu belegen. Die Räume müssen regelmäßig gereinigt und gelüftet werden, Geschirrspüler (Desinfektion des Geschirrs erfordert Temperaturen über 60 Grad Celsius) und Waschmaschinen sind zu organisieren.
  • Weiterhin sollen Unternehmen ihren Beschäftigten Arbeiten im Homeoffice ermöglichen, insbesondere bei Großraumbüros. Mischformen, die Homeoffice und Präsenzzeiten kombinieren, sollen ebenfalls eingeplant werden.
  • Dienstreisen und Präsenzveranstaltungen wie Meetings sind auf ein absolutes Minimum zu reduzieren.
  • Handwerkzeuge sollen personenbezogen genutzt werden
  • Wo Warteschlangen entstehen können, müssen Klebebänder den Schutzabstand markieren.
  • Besonders strikt muss auf die personenbezogene Benutzung von Schutzausrüstung und Arbeitsbekleidung geachtet werden.
  • Der Zutritt zu Unternehmen soll für betriebsfremde Personen beschränkt sein. Sie müssen über Corona-Maßnahmen informiert sein.
 
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Geschäftsführerin BAD

Ulrike Lüneburg, B·A·D-Geschäftsführerin

Arbeitsschutz ist für Unternehmen und Institutionen aktuell wesentliche Bedingung für die Wiederaufnahme des Geschäftsbetriebs.

Die Umsetzung der gesetzlichen Anforderungen bedeutet für Betriebe, ihre bestehende Gefährdungsbeurteilung um die Aspekte des Arbeits- und Gesundheitsschutzes im Hinblick auf SARS-CoV-2 anzupassen beziehungsweise diese neu zu erstellen, führt Lüneburg aus. Sofern keine Arbeitsschutzausschüsse existieren, die die Koordination und Wirksamkeitskontrolle der Infektionsschutzmaßnahmen übernähmen, könnten hierzu ebenfalls Betriebsärzte oder Fachkräfte für Arbeitssicherheit hinzugezogen werden.

Unsere 3.500 Experten (Arbeitsmedizinerinnen und –mediziner, Fachkräfte für Arbeitssicherheit, Psychologinnen und Psychologen, Beraterinnen und Berater im Gesundheitsmanagement) sind in unseren bundesweiten Standorten persönlich für Sie da. Erhalten Sie Ihre Mitarbeitenden und Ihr Unternehmen, in dieser herausfordernden Zeit, gesund. Wir helfen Ihnen dabei.

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