Mehr als eine Frage der Ästhetik

Venengesundheit wird oft als kosmetisches Problem abgetan. Doch unbehandelte Krampfadern erhöhen das Risiko, an einer Thrombose zu erkranken, klären BAD-Arbeitsmedizinerin Dr. Christina Nußbeck und Jessica Harms, Beraterin Gesundheitsmanagement bei BAD, auf.

  Welche Aufgaben haben Venen im Körper?

 Dr. Christina Nußbeck: Ein dichtes Netz aus Blutgefäßen durchzieht unseren Körper. Die Arterien haben die Aufgabe, Blut vom Herzen in den Körper zu transportieren, Venen hingegen pumpen es wieder zurück zum Herzen. Für die Beinvenen ist das eine große Aufgabe, denn jeden Tag müssen 7.000 Liter Blut entgegen der Schwerkraft von den Füßen zum Herzen gepumpt werden. Die Aktivität der Beinmuskulatur drückt die Venen immer wieder zusammen und sorgt dafür, dass sie ihre Transportfunktion erfüllen können. Dieses Prinzip wird Muskelpumpe genannt.


  Kann man Venengesundheit aktiv fördern?

 Jessica Harms: Es gibt viele Möglichkeiten, die Venen zu stärken und einer Erkrankung vorzubeugen. Als Faustregel gilt die 3L-3S-Regel: Lieber laufen und liegen als sitzen und stehen. Bewegung ist grundsätzlich gut für den Körper. Überflüssiges Körpergewicht belastet Beine und Venen. Gleiches gilt auch für Rauchen.


  Welchen Einfluss hat unsere Ernährung?

 Dr. Christina Nußbeck: Mit richtiger Ernährung kann man Venenleiden vorbeugen, aber nicht heilen. Man sollte versuchen, ein normales Körpergewicht zu halten und überflüssige Pfunde möglichst abzubauen. Übergewicht drückt auf die Gefäße und belastet die Venenfunktion. Ernährung sollte daher fettarm und ballaststoffreich sein, das heißt frisches Obst und Gemüse, möglichst Fisch und wenig Fleisch. Empfehlenswert sind unter anderem Zitrusfrüchte, Beeren, Brokkoli, Paprika und Lauch. Sie liefern eine gute Zufuhr von Vitamin C und Bioflavonoiden, die Venenwände und Venenklappen stärken. Unerlässlich ist auch eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, möglichst Wasser oder ungesüßter Tee. Sie sorgt dafür, dass die Venenwände elastisch und durchblutet werden, und verhindert so die Verdickung des Blutes und beugt der Thrombosegefahr vor.


  Lauert im Homeoffice Thrombosegefahr (durch weniger Bewegung)?

 Jessica Harms: Mangelnde Bewegung ist ein grundsätzliches Problem. Bei Menschen, die sich bewegen, wird das Blut einfacher in Richtung Herz gepumpt. Die Venenklappen verhindern hier, dass das Blut in den Beinen versackt und den Druck auf die dünnen Venenwände erhöht. Wer viel und lange sitzt oder steht, sorgt dafür, dass mehr Blut in den Beinen verbleibt. Grundsätzlich können die Ursachen aber sehr vielfältig sein. Das Spektrum reicht von vererbter oder altersbedingter Bindegewebsschwäche über Veränderungen im Hormonhaushalt (Pille, Schwangerschaft, Wechseljahre) und Übergewicht bis hin zu beengender Kleidung, Alkohol oder Rauchen.


  Wie machen sich Venenprobleme bemerkbar?

 Dr. Christina Nußbeck: Venenprobleme zeigen sich durch Schwellungen aufgrund von Ödemen (Wasseransammlungen im Gewebe), vor allem im unteren Bereich der Beine, oder auch durch schwere Beine mit Spannungsgefühl, Krampfadern, meist am Unterschenkel, - geschwollene oberflächennahe Venen (ebenfalls am Unterschenkel, und in der Kniekehle) und Wadenkrämpfe.