Psychische Störungen unter jungen Erwachsenen nehmen zu
Im Herbst beginnt das neue Wintersemester an den deutschen Hochschulen. Dann sitzen wieder tausende alte und neue Studenten in den Hörsälen. Für die einen gehören die Studentenjahre zur schönsten Zeit im Leben. Für andere wird das Studium hingegen zur psychischen Belastungsprobe: Lernstress, Prüfungsangst und Leistungsdruck zehren an den Nerven.
Alarmierende Zahlen dazu liefert die Techniker Krankenkasse (TK) in ihrem aktuellen Gesundheitsreport: Danach entfällt der größte Anteil der an Hochschüler verschriebenen Medikamente auf Präparate zur Behandlung des Nervensystems. Allein in den letzten vier Jahren verzeichnete die TK in dieser Arzneimittelgruppe einen Anstieg des Volumens von 54 Prozent.
Bei den Hochschülern machen Psychopharmaka & Co. über ein Fünftel aller verschriebenen Medikamente aus. Bei den gleichaltrigen Beschäftigten entfallen "nur" knapp 14 Prozent der Arzneien auf diese Gruppe, die aber auch hier inzwischen den größten Anteil ausmacht.
Bei knapp 30 Prozent der jungen Frauen zwischen 20 und 34 Jahren wurde mindestens einmal eine psychische Diagnose gestellt, junge Männer waren mit einem Anteil von 13,4 Prozent bei den Studenten und 12,5 Prozent bei den Beschäftigten deutlich weniger betroffen. Mittlerweile erhalten gut fünf Prozent der Studentinnen und knapp drei Prozent der Studenten bereits Antidepressiva.
Dabei gilt: Je älter der Student oder die Studentin, desto größer das Risiko einer psychischen Störung: Während die Diagnoseraten bei angehenden Akademikern zwischen 20 und 25 sogar leicht unter denen gleichaltriger Beschäftigter liegen, kehrt sich das Verhältnis ab dem 27. Lebensjahr um. Von den 30-jährigen Hochschülern wurde für 17 Prozent der Männer und 36 Prozent der Frauen mindestens einmal eine psychische Diagnose gestellt. „Dies könnte damit zusammenhängen, dass mit steigendem Alter der Druck steigt, das Studium zu beenden. Zudem ist in dieser Altersgruppe der Anteil Studierender, die durch Jobs und Familie mehrfach belastet sind, größer", vermutet Heiko Schulz, Diplom-Psychologe bei der TK.
Grundlage der Auswertungen zum TK Gesundheitsreport bilden routinemäßig erfasste und anonymisierte Daten zu aktuell 3,51 Millionen sozialversicherungspflichtig beschäftigten oder arbeitslos gemeldeten Mitgliedern der Techniker Krankenkasse.
Quelle: TK Gesundheitsreport 2011