40 Jahre B·A·D GmbH

Interview mit der Geschäftsführung

Die Geschäftsführer der B·A·D GmbH, Prof. Dr. Bernd Siegemund, Prof. Dr. Bernd Witte und André Panienka sprechen über die Zukunft des Unternehmens und geben dabei auch ganz persönliche Einblicke.

"Wir sind der größte Ausbildungsbetrieb für Arbeitsmediziner."

  • Hat das Unternehmen Sie persönlich beeinflusst? Und Ihr Verhalten zur Arbeit?

Witte: Die B·A·D und die Arbeit sind ein wichtiger Teil meines Lebens. Es gab viele schöne, interessante Ereignisse, aber auch viele prägende. Freude habe ich im Moment besonders am beschrittenen Weg in der Organisationsentwicklung, die wir gerade umsetzen und in der Arbeit mit den Kunden.


Siegemund: Insgesamt ist die Arbeit bei der B·A·D sehr spannend. Wenn man merkt, dass man seine Ideen und Vorstellungen verwirklichen kann und dass die Mitarbeiter mitgehen, dann ist das ein toller Erfolg.


Panienka: Auch für mich ist die Organisation als solche, bei der wir gerade die Organisationsentwicklung gemeinsam auf den Weg gebracht haben, das Highlight schlechthin, auch für die Zukunft.

  • Seit 2005 führen Sie alle 2 Jahre Mitarbeiterbefragungen durch. Wie fallen die Antworten in den letzten 10 Jahren aus: Gibt es Schwerpunkte bei den Antworten? Wie hoch ist die Zustimmung?

Panienka: Vor 10 Jahren war die Ausgangssituation bei der B·A·D eine andere als heute. Wir haben in den letzten 10 Jahren so vieles auf den Weg gebracht – heute haben wir eine Zustimmungsquote, die deutlich höher ist als noch vor 10 Jahren. Grundsätzlich ist man zufrieden, wenn 70 oder 80 Prozent der Beschäftigten das Umfeld toll finden; trotzdem müssen wir weiterhin an den wichtigen Themen arbeiten. Es gibt drei Themen, die uns in den letzten Jahren begleitet haben und auch weiter begleiten werden: Führung im Unternehmen, Kunden- und Serviceorientierung sowie Zusammenarbeit und Kommunikation.


Siegemund: Wir hatten bei unseren Mitarbeiterbefragungen mit 75 Prozent von Anfang an eine sehr hohe Beteiligungsquote. Für mich ist ein wichtiger Punkt, dass das Vertrauen, das unsere Mitarbeiter in die Geschäftsführung haben, bei knapp 80 Prozent Zustimmung liegt. Als wir 2005 die erste Befragung durchgeführt haben, lag dieser Wert bei der Hälfte. Aus dem Blick der Mitarbeiter haben wir einiges richtig gemacht. Dass wir positiv wahrgenommen werden, merken wir auch auf den Betriebsversammlungen: Da ist eine richtig gute Grundstimmung im Unternehmen!

"Wir möchten die Marktführerschaft behalten und weiter ausbauen."

  • Seit 2006 gehört die B·A·D GmbH zu den 100 besten TOP JOB-Unternehmen im deutschen Mittelstand. Warum sind Sie ein attraktiver Arbeitgeber?

Panienka: Wir sind ständig darum bemüht, das Arbeitsumfeld zu verbessern. Wichtig ist uns, dass die Arbeitsprozesse vernünftig sind. Und: Die Generationen, die jetzt kommen, was interessiert die? Zum Thema Organisationsentwicklung stellen wir uns die Frage: Wo wollen wir uns hinentwickeln? Ein wichtiger Punkt ist die Unternehmenskultur. Die zukünftigen Mitarbeiter werden sich fragen: Wo ist mein Vorteil hier? Wir richten uns darauf aus, die Personalentwicklung weiter zu optimieren.


Siegemund: Das Berufsfeld der Ärzte ist grundsätzlich ein Engpass. Nicht nur wir sind bemüht, das gilt für Krankenhäuser und den niedergelassenen Bereich gleichermaßen. Wir konnten im Saldo in den letzten drei Jahren die ärztliche Kapazität um 30 bis 40 Vollzeitstellen pro Jahr ausbauen. Das wird uns jedoch auch in Zukunft beschäftigen.
Witte: Für unsere Kunden, denen wir unsere Dienstleistung der Arbeitsmedizin zugesagt haben, ist es wichtig, dass wir auch genügend Personal an Bord haben. Das können wir zusagen das haben wir auch in den letzten Jahren geschafft. Das wiederum hängt sehr stark davon ab, dass man attraktive Aufträge übernimmt und dass man attraktive Arbeitsplätze auch gestaltet. Wir sind der größte Ausbildungsbetrieb für Arbeitsmediziner – und wir bilden niemanden aus, der hinterher keine Beschäftigung hat!

  • 2007 haben Sie die Mitarbeiter- und Führungskräfteberatung eingeführt und heute gehören psychische Belastungen am Arbeitsplatz leider zu den Gefährdungen dazu. Wie wird diese Dienstleistung von Ihren Kunden angenommen?

Witte: Viele Menschen empfinden heute eine strukturelle Ohnmacht, einen Verlust von sinnvollen Zusammenhängen. Umfragen ergeben, dass sich Menschen psychisch noch nie so belastet gefühlt haben. In Deutschland hat jeder Zehnte psychische Störungen entwickelt und jeder Zweite fühlt sich gestresst. Letztendlich ist es egal, ob es physikalische oder psychische Gefährdungen im Unternehmen gibt, ich muss sie sachlich gut angehen. Grundsätzlich kann man heute davon ausgehen, dass Unternehmen, Führungskräften und Mitarbeitern das Thema bewusst ist. Von unseren Kunden haben wir eine sehr gute Rückmeldung. Wir müssen unsere Beratung immer wieder den Gegebenheiten anpassen. Wir sollten das Thema aber nicht nur problemhaft aufgreifen, sondern fragen: Welche Ressourcen tragen wir mit uns, welche Kräfte, um dieses Problem anzugehen?

"Ich wünsche mir, dass wir nicht nur das Wachstum vor Augen haben."

  • 2012 wurde die DIN SPEC 91020 „Betriebliches Gesundheitsmanagement“ entwickelt. Ist eine ähnliche Normierung in anderen Bereichen in Planung?

Siegemund: Anlass für die DIN SPEC damals war, die Begriffe Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) und Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) genau zu definieren: BGF ist stärker auf die Verhältnisprävention ausgerichtet, sprich auf das Individuum, BGM ist stärker auf die Organisation, also auf das Unternehmen, die Prozesse ausgerichtet.

Aus meiner Sicht kommt jetzt eine Norm für Arbeitsschutzmanagementsysteme auf uns zu, die DIN EN ISO 45001, eine Nachfolgenorm der OSHAS (Occupational Health and Safety Assessment Series) 18000. Die OSHAS ist international nie anerkannt worden; über ISO (International Organisation for Standardization) wird das nun eine internationale Anerkennung erfahren. Diese Art von Normierung wird im Arbeitsschutz an Bedeutung gewinnen. Die vielen Aspekte im Arbeitsschutz, die komplex sind, werden in einem System zusammengefasst und können ganz anders vorangetrieben und abgestimmt werden. Die Norm steht als Entwurf im Internet und ich schätze, sie wird im September in Kraft gesetzt.

  • Ihre Kundenzufriedenheitsbefragung von 2013 hat gezeigt: Rund 80 Prozent Ihrer Kunden sind mit der B·A·D zufrieden. Sind Sie zufrieden mit den Ergebnissen der Befragung?

Siegemund: 80 Prozent sind keine 100 Prozent - es gibt immer Luft nach oben! Was wir in den letzten Jahren feststellen, ist, dass die Erwartungshaltung unserer Kunden und die Art und Weise, wie sie sich mit unseren Dienstleistungen auseinandersetzen, enorm an Qualität und Intensität gewonnen hat. Das ist für uns eine Herausforderung.


Witte: Wir freuen uns über das positive Feedback unserer Kunden! Wir müssen im Dialog mit unseren Kunden bleiben, denn Zufriedenheit ist immer eine Momentaufnahme.


Panienka: Zufriedenheit darf nicht zu einer Stagnation oder Selbstzufriedenheit führen. Das Entscheidende ist, dass wir weiter daran arbeiten.


Siegemund: Kundenzufriedenheit und Servicequalität sind zentrale Themen bei uns. Wir sind davon überzeugt, unseren Kunden etwas Gutes zu tun mit den Leistungen, die wir erbringen. Eine neue Kundenbefragung läuft übrigens gerade.

  • Welche Rolle spielt das Geschäft im Ausland für die B·A·D heute?

Siegemund: Die Rahmenbedingungen sprechen dafür, dass wir unsere Dienstleistungen grenzübergreifend erbringen. Unsere Kunden stellen sich oft europäisch oder international auf. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen nähern sich zumindest an, auch wenn es immer noch viele Unterschiede gibt. Gerade wenn eine internationale Norm kommt, wie die DIN EN ISO 45001, wird das dem Arbeitsschutz auf internationaler Ebene noch einmal einen Schub geben.

  • Sie arbeiten gerade zusammen mit dem Bereich Wirtschaftspsychologie der Universität Duisburg-Essen an einem Forschungsprojekt „Resilienz“. Was ist daran interessant im Hinblick auf die Zukunft?

Witte: Für die Zukunft geht es ja für uns vor allem um Präventiv-Ansätze. Resilienz ist eine Ressourcenfrage. Wir schauen mit unseren Kunden, was einen stark macht und was stark hält. Die Forschung beschäftigt sich damit, inwieweit es Glücksgene oder eben Resilienzgene gibt. Gibt es für Organisationen und Menschen, Strukturen und Systeme überhaupt die Möglichkeit, seine Stärken einzusetzen, sodass die Arbeit Spaß macht – das ist die Fragestellung dazu.

"Gesellschaft und Unternehmen haben erkannt, dass Gesundheit einen Wert hat."

  • Wo sehen Sie die Zukunft der B·A·D? Was sind die strategischen Unternehmensziele?

Siegemund: Wir wollen als Employer of Choice wahrgenommen werden. Wir brauchen genügend gute, motivierte Mitarbeiter. Bei unseren Kunden möchten wir als Supplier of Choice wahrgenommen werden. Wir sind diejenigen, mit denen unsere Kunden möglichst umfassend und am liebsten zusammenarbeiten. Dann bekommen wir auch einen besseren Einblick in die Unternehmen, können Dienstleistungen noch besser kombinieren und so eine bessere Wirkung erzielen. Wir möchten die Marktführerscha¬ft behalten und weiter ausbauen. Allen Mitarbeitern bei uns soll es Spaß machen, bei uns zu arbeiten.

Panienka: Das Potenzial, das der Markt hergibt, wollen wir auch organisationstechnisch vernünftig umsetzen. Ich wünsche mir, dass wir nicht nur das Wachstum vor Augen haben.


Witte: Wir schauen zuversichtlich in die Zukunft: Gesellschaft, Unternehmen und die Bevölkerung haben mittlerweile erkannt, dass das Thema Gesundheit einen Wert hat; aber nicht alleine für sich, sondern immer im Kontext. Unsere Kernkompetenz liegt darin, dass wir die Zusammenhänge in Unternehmen verstehen. Wir kennen die Verhältnisse und Verhaltensweisen, genau hier wird unsere Beratung implementiert. Betrachten wir die Kosten, besteht unsere Gesundheit zu 96 Prozent aus Krankheit. Wir sind in der Regel heute in der Lage, alles zu therapieren oder zu behandeln. Im Ergebnis ist es aber so, dass wir für Prävention wenig Geld ausgeben.

  • Was möchten Sie ganz persönlich in Zukunft für die B·A·D erreichen?

Witte: Mit der gesunden Führung, der gesunden Organisation ist verbunden, dass ich einen Lernprozess noch stärker ins Unternehmen hineinbringe. Lernen ist dann Teil der Arbeit und damit Teil des Lebens. Das ist eine Herausforderung, die ich für mich sehe.
Panienka: Ich wünsche mir, dass wir die Rahmenbedingungen so gestalten, dass die Mitarbeiter auch beim 50-jährigen Jubiläum sagen, dass sie stolz darauf sind, bei der B·A·D zu arbeiten.


Siegemund: Für mich persönlich wäre es toll, wenn wir die gute Ausgangsposition, die wir als B·A·D haben, für die Zukunft nutzen. Ich finde auch die Zukunft unheimlich spannend, weil sich im Arbeitsschutz aus meiner Sicht viel verändern wird. Es gibt neue Generationen, Y und Z, die ganz andere Einstellungen zur Arbeit haben – das ist eine Herausforderung für uns als Arbeitgeber. Auch das Arbeitsleben wird sich verändern: Es gibt mehr Mobilität, mehr Entgrenzung von Arbeit und Freizeit, Führung auf Distanz, intelligente Roboterkollegen – all das sind spannende Themen, die uns in die Zukunft begleiten.

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