Personal

DGUV befürwortet systematische Arbeitszeiterfassung

EUGH-Urteil

Der Europäische Gerichtshof verpflichtet deutsche Arbeitgeber künftig, die gesamte Arbeitszeit ihrer Beschäftigten systematisch zu erfassen. Die Deutsche Unfallversicherung DGUV befürwortet das Urteil aus Arbeitsschutzperspektive grundsätzlich, sieht aber auch Herausforderungen auf die Unternehmen zukommen.

Bislang gab es in Deutschland eine Aufzeichnungspflicht nur für Geringverdiener nach dem Mindestlohngesetz und für die im Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz genannten Branchen. Um die Sicherheit und den Gesundheitsschutz der Arbeitnehmer zu gewährleisten, dürfen deutsche Beschäftigte nach §3 Arbeitszeitgesetz maximal acht Stunden am Tag arbeiten. Und innerhalb eines 24-Stunden-Zeitraums müssen mindestens elf zusammenhängende Stunden als Ruhezeit gewährt werden. (§4 Arbeitszeitgesetz)

In einem Statement der DGUV heißt es: "Nicht die Erfassung der Arbeitszeit ist das eigentliche Problem, sondern der Umgang mit der Arbeitszeit. Überlange Arbeitszeiten erhöhen das Unfallrisiko und schaden der Erholungsfähigkeit. Es ist daher zu begrüßen, wenn das Urteil des EuGH dazu führt, dass Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit stärker in den Fokus rücken. Insbesondere betrifft dies jene Beschäftigte, die im Home Office arbeiten, Vertrauensarbeitszeit haben oder von denen man weiß, dass sie zu Überstunden neigen.“

Und weiter: „Die große Herausforderung besteht darin, Sicherheit und Gesundheit in der Führung zu leben, ohne dabei die Flexibilität zu opfern, die zahllosen Menschen in diesem Land erlaubt, Familie und Beruf besser zu vereinbaren."

Unterschiedliche Arbeitszeitregelungen in deutschen Betrieben

Die Arbeitszeit wird bei deutschen Unternehmen ganz unterschiedlich geregelt. Während in traditionellen Unternehmen und im öffentlichen Dienst oft feste Arbeitszeiten gelten, setzen moderne Unternehmen wie Microsoft und Google auf völlige Selbstführung. Ihre Argumente: Flexible Arbeitszeiten sorgen für eine höhere Zufriedenheit und Produktivität. Zudem fördere es die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund befürwortet die Neuregelung indes: „Flexible Arbeit ist heutzutage eher die Regel statt die Ausnahme. Gerade da, wo Arbeitgeber aber eine Regelung zur Arbeitszeiterfassung nicht für notwendig halten, die Interessenvertretung fehlt oder eine entsprechende Vereinbarung nicht durchsetzen kann, bleiben die Rechte der Beschäftigten viel zu oft auf der Strecke. Die Anzahl unbezahlter Überstunden bewegt sich in Deutschland deshalb seit Jahren auf einem inakzeptabel hohen Niveau. Das kommt nicht nur einem Lohn- und Zeitdiebstahl gleich – innerhalb eines Jahres wirtschaften sich die Arbeitgeber so rund 18 Milliarden Euro in die eigene Tasche – sondern kann auch ernste gesundheitliche Folgen für die Arbeitnehmerinnen und –nehmer haben.“

Der Arbeitgeberverband BDA kritisiert das Urteil scharf: „Wir Arbeitgeber sind gegen die generelle Wiedereinführung der Stechuhr im 21. Jahrhundert. Auf die Anforderungen der Arbeitswelt 4.0 kann man nicht mit einer Arbeitszeiterfassung 1.0 reagieren. Die Entscheidung darf keine Nachteile für solche Arbeitnehmer mit sich bringen, die schon heute flexibel arbeiten.“

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