"Arbeitsschutzregel ist gesetzlich verpflichtend"

Maskenpflicht: Ja oder nein? Ständige Waschen oder Desinfizieren der Hände? Manuelles oder mechanisches Lüften? Präsenzarbeitszeit oder Homeoffice? Beschäftigte aller Branchen begegnen in der Coronakrise einigen Herausforderungen. Johanna Ness, B·A·D-Fachkraft für Arbeitssicherheit, erklärt, was aktuell für den Gesundheitsschutz unerlässlich ist.

Ist die FFP2-Maskenpflicht in Deutschland für alle Beschäftigten empfehlenswert?

Johanna Ness: Anders als Mund-Nasen-Bedeckungen oder Mund-Nasenschutz, die in erster Linie die Mitmenschen schützen, bieten geprüfte Atemschutzmasken der Klasse FFP2 oder FFP3 der nutzenden Person selbst Schutz vor dem Einatmen von Krankheitserregern. Deshalb greifen immer mehr Menschen zu diesen Masken.

Allerdings sehe ich auch Nachteile bei der FFP2-Maske: Beschäftigte im betrieblichen Kontext müssten zur richtigen Handhabung der FFP2-Masken unterwiesen werden. Ihnen müssen auch regelmäßige Tragezeitpausen eingeräumt werden. Bei FFP2-Masken ist ein Wechsel und eine Pause nach 75 Minuten nötig, je nach Tätigkeit oder Durchfeuchtung auch schon früher. Dies ist die nämlich lediglich die maximale Tragedauer.

Die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung zeigt wirksame Maßnahmen auf, welche der Arbeitgeber zu treffen hat. Ob dies FFP2-Masken sind, entscheidet sich durch die Gefährdungsbeurteilung. Da FFP2-Masken als persönliche Schutzausrüstung gelten und nach dem TOP-Prinzip erst als letzte Maßnahme eingesetzt werden sollten, ist dies individuell je nach Arbeitsplatz und Arbeitssituation zu bewerten.

Auf was sollten Beschäftigte bei Masken achten?

Ness: Generell wirkt eine Maske wie eine mechanische Barriere, da das Virus sich nachweislich über Tröpfchen und Aerosole verbreitet. Die Maske reduziert so die Geschwindigkeit des Atemstroms, aber auch die Verbreitung. Ich empfinde eine Maske als gute Ergänzung zu weiteren Schutzmaßnahmen. Sie hat einen positiven Einfluss auf den Infektionsschutz.

Der Mund-Nasen-Schutz, oder auch medizinische Gesichtsmaske, ist oft ausreichend, wenn er von allen Mitarbeitenden in einem Büro richtig getragen und aufbewahrt wird, ihn alle verwenden und die Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten werden. Richtig verwenden heißt: Vor dem Tragen sollte man sich gut die Hände waschen oder desinfizieren, dann die Maske gut an die Nase andrücken, und nicht ständig die Maske mit den Händen berühren.

Der Arbeitgeber sollte bei der Beschaffung von medizinischen Gesichtsmasken, als auch FFP2-Masken auf die Einhaltung der Anforderungen, auf welche die Arbeitsschutzverordnung verweist, achten.

Wie weit sollten Büroarbeitsplätze in einem Raum auseinander stehen?

Ness: Generell empfehle ich als oberstes Gebot für den Aufenthalt im Büro stets einen Mindestabstand von 1,5, besser 2 Metern zu gewährleisten und je nach Raumgröße die Personenanzahl im Büro zu reduzieren.

Eine Mindestfläche von 10 m² für pro im Raum befindliche Person sollte eingehalten werden. Wenn dies aufgrund der Tätigkeit nicht möglich ist, muss im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung eine geeignete Schutzmaßnahme getroffen werden. Dies könnten zum Beispiel Abtrennungen oder Lüftungsmaßnahmen sein.

Erste Maßnahme sollte jedoch sein, dass Mitarbeitende, die normalerweise im Büro arbeiten, dies nun von zuhause aus tun. Natürlich nur, wenn aus betrieblichen Gründen nichts dagegenspricht. Gerade mit der neuen Verordnung empfiehlt sich eine Aktualisierung und Überprüfung der Gefährdungsbeurteilung. Gerade im Bürobereich ist die Kontaktreduktion ein wichtiger Aspekt.

 

In welchen Situationen ist es für Büroarbeiter empfehlenswert, die Hände zu waschen und zu desinfizieren?

Ness: Nach dem Niesen, Schnäuzen oder Husten, vor dem Start in den Tag, vor dem Essen, nach der Pause, nach dem Toilettenbesuch und nach Kontakt mit Kontaktflächen, wie z.B. einem Treppengeländer, die Hände zu waschen. Wenn die Hände über alle Flächen hinweg richtig und ausreichend gewaschen sind (3 Mal ‚Happy Birthday‘ singen!), ist das Desinfizieren der Hände nicht mehr nötig. Händedesinfektion ist nur dann sinnvoll, wenn keine Waschgelegenheit vorhanden ist. Hier ist wichtig die Menge von 3 Millilitern, die richtige Anwendung über alle Handflächen hinweg und die Einwirkzeit von mindestens 30 Sekunden zu beachten.

Gerade jetzt im Winter sollte jeder auch auf Hautpflege achten. Die Handflächen sollten nicht rissig werden, da dann die Schutzbarriere zerstört ist.

Neben dem Maskentragen und Abstände einhalten, ist auch das Lüften in den Büros elementar geworden. Wie oft sollte jetzt in den Räumen gelüftet werden?

Ness: Die Anzahl der Aerosole kann je nach Raumgröße und Personenanzahl variieren. Gerade im Winter, kommen durch Heizungsluft enorme Volumenströme hinzu. Es ist immer auch eine Außenlufttemperatur zu beachten. Im Winter reicht eine Lüftung von drei bis fünf Minuten aus. Je kälter es wird, desto kürzer kann gelüftet werden. Alleine zwei Minuten Stoßlüften kann laut Studien der Technischen Hochschule Mittelhessen eine Reduzierung der Aerosole von 98 Prozent erreichen.

Wichtig zu wissen: Stoßlüften heißt nicht, die Fenster nur zu kippen. Dies trägt nicht zur Luftverbesserung bei. Bei einer Lüftung von zwei bis drei Minuten sinkt die Temperatur nur kurz ab. Die Ausgangstemperatur ist meistens nach wenigen Minuten wieder erreicht. Gerade Beton hat eine enorme Wärmekapazität im Vergleich zu Luft. Am besten ist meiner Meinung nach aber die Querlüftung, wenn die räumlichen Gegebenheiten dafür geschaffen sind, also Fenster und Tür öffnen!

Sind Luftreiniger empfehlenswert?

Ness: Es kommt darauf an! Luftreiniger sind recht teuer in der Anschaffung, ineffizienter gegenüber dem manuellen Lüften und auch noch relativ laut. Ein Luftreiniger liegt teilweise schon bei 47 dB (A), was Gespräche im Büro erschwert. Er sollte also nur als Ergänzung hinzugezogen werden und dann müssen natürlich auch Filterwechsel und Wartung mit beachtet werden. Manuelle Lüftung ist in vielen Fällen ausreichend.


Was passiert, wenn sich ein Mitarbeitender infiziert hat?

Ness: Dies hängt von der individuellen Umsetzung der Maßnahmen und der Situation vor Ort ab. Es gibt keinen sinnvollen Grund, das komplette Unternehmen zu schließen, wenn die Rahmenbedingungen wie folgt waren: Es bestand kein direkter Kontakt mit dem Infizierten, jeder hat sich an die AHA+L-Regeln gehalten, es liegt ein Hygienekonzept und eine Gefährdungsbeurteilung vor, welche jeweils auch umgesetzt wurden. Wenn es dann auch noch kleine, feste Gruppen ohne Vermischung von Personen gab, liegt kein Kontakt der Kategorie I oder II vor. Im Vorfeld sollte ein Betrieb ein Konzept und Vorgehen erarbeitet haben und die Situation im Einzelfall betrachten.

 

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