Newsletter 02/18

Mutterschutzgesetz im Fokus

Mehr Rechtssicherheit für Schwangere

Am 1. Januar ist das überarbeitete Mutterschutzgesetz in Kraft getreten. Es ermöglicht schwangeren Berufstätigen, ihre Arbeitszeiten selbstständiger einzuteilen und nimmt den Arbeitgeber mehr in die Pflicht. Mehr als 80 Teilnehmer informierten sich beim zehnten Kolloquium im B·A·D-Cluster Düsseldorf über die Auswirkungen des reformierten Mutterschutzgesetzes.

Mit der Reform berücksichtigt das Mutterschutzgesetz nun einen deutlich größeren Kreis an schwangeren Frauen, so beispielsweise Frauen, die sich in Studium oder Ausbildung befinden oder noch zur Schule gehen. Auch sollen Arbeitgeber ihre Mitarbeiter besser über die Risiken am Arbeitsplatz aufklären.

Unternehmen müssen Mutterschutzgesetz bis Ende 2018 umsetzen

„Das reformierte Mutterschutzgesetz ist ein brandheißes Thema, über das jedes Unternehmen informiert sein muss. Aus meiner Sicht müssen dabei Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und Mutterschutz zwingend zusammen betrachtet werden“, eröffnete Clusterleiter Dr. Eckhard Müller-Sacks das Kolloquium.

Auch wenn erst im Laufe des Jahres mit einer umfänglichen staatlichen Kontrolle der Umsetzung des neuen Gesetzes in den Unternehmen zu rechnen sei, so müsse sich jeder Betrieb doch nun schnellstens das notwendige Wissen aneignen. B·A·D unterstützt und berät hier gerne alle Unternehmen bei der Umsetzung in die Praxis.

Expertin für Arbeitsgestaltung: „Mutterschutz benötigt guten Arbeitsschutz“

Dr. (YU) Marija Tot vom Landesinstitut für Arbeitsgestaltung bewertete zu Beginn ihres Vortrags das neue Mutterschutzgesetz als „sehr viel besser“, da es unter anderem Unternehmen genauso wie werdenden und stillenden Müttern mehr Rechtssicherheit böte. Zudem wird im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ein Ausschuss für Mutterschutz gebildet, der in allen Fragen des Mutterschutzes beraten und bei individuellen Fragen für Klarheit  sorgen soll. Festzustellen sei, dass die Gefährdungsbeurteilung der zentrale Drehpunkt im Arbeitsschutz sei, ein guter Mutterschutz als Fundament einen guten Arbeitsschutz benötige und das neue Mutterschutzgesetz individuelle Lösungen fordere, betonte Marija Tot.

Alle Unternehmen müssen Arbeitsplätze geschlechtsneutral vergeben

B·A·D-Experte Patrick Aligbe vom Standort München machte in seinem Referat deutlich, dass auf Arbeitgeber künftig höherer Aufwand bei der Gefährdungsbeurteilung von Arbeitsplätzen zukommt: „Viele wissen nicht, dass sie ab sofort für jeden einzelnen Arbeitsplatz eine anlassunabhängige, mutterschutzspezifische Gefährdungsbeurteilung zu erstellen haben. Unabhängig davon, ob an diesem Arbeitsplatz schwangere oder stillende Frauen beschäftigt werden. Das müssen sie auch tun, wenn dort aktuell ein Mann arbeitet“, sagte Aligbe. Einer der Gründe sei, dass Arbeitsplätze grundsätzlich geschlechtsneutral zu vergeben sind und es somit immer möglich sei, dass eine Frau die konkreten Tätigkeiten durchführt.

Generelles Verbot von Nacht-, Sonn- und Feiertags- sowie Wochenenddiensten – Ausnahmen möglich

Auch hinsichtlich der Arbeitszeiten gibt es Änderungen: Arbeitgeber dürfen generell eine schwangere oder stillende Frau nicht zwischen 20 und 6 Uhr beschäftigen. „Es sei denn, die Frau erklärt sich freiwillig bereit, bis 22 Uhr zu arbeiten, und es liegt ein ärztliches Zeugnis vor. Auch eine unverantwortbare Gefährdung insbesondere durch Alleinarbeit muss ausgeschlossen sein“, erklärte Aligbe. Für diesen Fall könne ein Unternehmen bei der Aufsichtsbehörde einen Antrag auf eine Ausnahmegenehmigung stellen.

Interview mit B·A·D-Experte Patrick Aligbe zum neuen Mutterschutzgesetz

B·A·D unterstützt Sie zur Reform des Mutterschutzgesetzes mit folgenden Angeboten: