Newsletter 10/18

"Wir Berater dealen mit der Wirklichkeit"

Unser Employee Assistance Program bietet eine Anlaufstelle für Führungskräfte, Mitarbeiter und Teams, die Rat suchen.
Unser Employee Assistance Program bietet eine Anlaufstelle für Führungskräfte, Mitarbeiter und Teams, die Rat suchen.

Employee Assistance Program

Den Einzelnen als Mensch und nicht nur als Arbeitskraft betrachten − dies hat sich das Employee Assistance Program (EAP) auf die Fahnen geschrieben. Wie Unternehmen und deren Mitarbeiter die volle Wirkung von EAP erhalten, erklärt Reimar Martin, Berater und Spartenleiter am B·A·D-Standort Hannover. Auf der B·A·D-Expertentagung am 5.und 6. Dezember in Fürth leitet Martin einen Workshop mit dem Thema “Keep it simple & smart“.

Herr Martin, Sie waren vor Ihrer B·A·D-Zeit unter anderem als Forensiker beschäftigt – inwiefern hilft Ihnen nun diese Erfahrung in der EAP-Beratung?
Reimar Martin: Es gibt große Unterschiede zwischen der Tätigkeit eines Beraters im betrieblichen Kontext und der opfergerechten-tätertherapeutischen Begleitung in der Forensik. Doch es gibt auch Parallelen: Für die Wirksamkeit einer Beratung ist es unter anderem entscheidend, ob Klienten bereit sind die Beratung anzunehmen. Aufzwingen können wir Hilfe und Veränderung nicht.

Zudem ist meine Arbeitsweise genauso wie die aller EAP-Berater der B·A·D durch eine systemische, also ganzheitliche, zukunfts- und lösungsorientierte Haltung geprägt. Wir bieten „Hilfe zur Selbsthilfe“ an, unterstützen unsere Klienten, neue Perspektiven und (Verhaltens-)Alternativen für sich zu entwickeln. Die Vergangenheit ziehen wir als wichtigen Ratgeber hinzu. Die Klienten können so Ressourcen und Stärken für sich herausarbeiten, die auch künftig hilfreich sein können.


Wann raten Sie Unternehmen zur Einführung von EAP?
Martin:
Für alle Unternehmen macht es Sinn, EAP zu nutzen. Das Angebot unterstützt vor allem bei besonderen Herausforderungen, ist immer individuell und bedarfsorientiert strukturiert. Mit EAP ist es einerseits möglich die Lebens- und Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter sowie die Arbeitsfähigkeit bis ins hohe Alter zu fördern. Und andererseits sichert EAP − als Teil eines ganzheitlichen und strategischen BGM − den Unternehmenserfolg. EAP hat eine enorme Strahlkraft: Wenn sich Einzelne – besonders deutlich ist es bei Führungskräften – verändern, wirkt sich dies immer auf die jeweilige Gruppe, etwa innerhalb einer Abteilung, und auf das gesamte Betriebsklima aus.

Unternehmen übernehmen mit EAP soziale Verantwortung und bringen ihren Mitarbeitern Wertschätzung entgegen. EAP stärkt die Identifikation mit dem Unternehmen, wenn das Unternehmen den Einzelnen als Mensch in seiner Ganzheitlichkeit und nicht nur als ‚Arbeitskraft‘ betrachtet. Insbesondere mit dieser Haltung wird EAP erfolgreich sein.
Elementar: EAP ist eine wichtige Säule im Betrieblichen Gesundheitsmanagement, deren Wirksamkeit durch die strategische Kombination mit anderen Maßnahmen noch gesteigert werden kann.


In welcher Situation kommen Kunden auf Sie zu und wünschen ein Gespräch?
Martin:
Die Liste an Themen ist natürlich groß. Schwerpunktmäßig sind es in der Individual- und Teamberatung, Telefon- und Onlineberatung Belastungen in der Familie, mit Kollegen oder Führungskräften oder aber auch Krisensituationen, wie beispielsweise Todesfälle im Familienkreis. Führungskräfte unterstützen wir in ihrer Rolle. Aus unserer Erfahrung ist in der Beratung von Führungskräften wichtig, sie auch in ihrer Abgrenzungsfähigkeit zu stärken. So lernen sie ihre Energie situationsadäquat, bedarfsorientiert und zielgerichtet einzusetzen. Trotz allem wird es immer Mitarbeiter in einem Unternehmen geben, die nicht oder nur sehr schwer erreicht werden können.

Wie soll sich denn eine positive Grundhaltung einstellen, wenn ich aktuell vor einem riesigen "Herausforderungsberg" stehe?
Martin:
Nehmen wir an, ich leide unter Ängsten, die sich von einem mulmigen Gefühl bis hin zu Panikattacken äußert. Dies kann etwa die Angst vor einer Präsentation vor einer Gruppe, Angst vor dem Vorgesetzten oder generell die Angst sein, Fehler zu begehen. Die Überlegung sollte dann aber nicht zwingend in die Richtung gehen, wie diese Angst sofort wieder verschwindet. Vielleicht reflektiere ich für mich eher, dass die Angst womöglich eine Funktion oder einen Sinn mit sich bringt.

Mit der Angst kann ich alternative Handlungsweisen entwickeln. In der Beratung können wir gemeinsam die Frage beantworten, wie sich der Wunsch nach einer Veränderung, etwa die Angst loszuwerden, auf den Klienten und sein Umfeld auswirkt. Als EAP-Berater sind wir eine Art ‚Wirklichkeitsdealer ‘ und Impulsgeber, der mit Klienten neue Perspektiven und passende Ansätze entwickelt, aber nie den Klienten unpassende Lösungen überstülpt.


Für die Betroffenen ist es eine sensible Angelegenheit, eine psychosoziale Beratung in Anspruch zu nehmen. Wie sollte sie organisiert sein, damit sie angenommen wird?
Martin:
Je selbstverständlicher EAP in der Kultur eines Unternehmens verankert ist, umso besser wird es als ein präventives, bedarfsorientiertes und flexibles Angebot für den Mitarbeiter als Individuum und durch die Gesamtgruppe angenommen. Wir sind in der Beratung stets neutral, empathisch und bewerten Aussagen und Verhalten nicht. In Beratungssituationen mit mehreren Personen sind wir darüber hinaus allparteilich. Die Beratung ist völlig anonym und wird von uns diskret und vertraulich durchgeführt. Der große Vorteil von unserem EAP: Jeder wählt den Beratungskanal – persönlich, telefonisch oder über die Onlineplattform, der ihm am meisten zusagt.


Ihr Praxis-Workshop auf der Expertentagung heißt „Keep it simple & smart“ – was hat der Titel mit EAP zu tun?
Martin:
Die Teilnehmer möchten wir dazu motivieren, sich an Themen und Herausforderungen in ihrem beruflichen Alltag mit Personalverantwortung heranzutrauen und erste Lösungsoptionen zu entwickeln. Ein besonderer Schwerpunkt wird auf dem Austausch zwischen den Workshopteilnehmern liegen, in dem ihre Erfahrungen sowie mögliche Handlungsoptionen und –alternativen eine große Rolle spielen. Wir wollen einerseits ein Bewusstsein dafür schaffen, dass in den meisten Herausforderungen - womöglich erst auf den zweiten Blick - auch Chancen liegen. Andererseits ist es zentral, sich auch über die Grenzen der eigenen Rolle auszutauschen und ein Gespür dafür zu entwickeln, wann – im Bedarfsfall – professionelle (externe) Unterstützung ein probates Mittel ist.


Melden Sie sich jetzt für die B·A·D-Expertentagung am 5./6.12. in Fürth an!

Fordern Sie jetzt weitergehende Informationen zu unserem Employee Assistance Program an!