Newsletter 05/18

Es muss nicht immer der Totenkopf auf Chemikalienflasche sein

Gefahrstoffe am Arbeitsplatz

Quarzstaub, Asbest in Baumaterialien, Holzstaub oder auch Wasser bei Feuchtarbeit: Längst nicht alle Gefahrstoffe tragen eine Kennzeichnung oder werden von den Beschäftigten als Gefahrstoffe wahrgenommen. Dabei verursachen laut der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz (EU OSHA) gerade solche Stoffe die meisten Berufskrankheiten.

Vor allem das Baugewerbe, die Land- und Forstwirtschaft und produzierende Betriebe, aber auch Dienstleister wie beispielsweise Friseure, sind von Gefahrstoffen betroffen, die auf den ersten Blick nicht unbedingt zu erkennen sind. So können sich bereits winzige Partikel durch Einatmen in der Lunge anreichern und schwerwiegende Krankheiten verursachen.

Hohe Anteile stoffbedingter Atemwegs- und Hauterkrankungen

Nicht verwunderlich ist daher auch die EU OSHA-Statistik: Von mehr als 80.000 Anzeigen im Jahr 2016 sind 58 Prozent auf chemische und biologische Stoffe zurückzuführen. Allein zwölf Prozent entfallen immer noch auf den Gefahrstoff Asbest. Auffällig sind der EU OSHA zufolge die hohen Anteile von stoffbedingten Atemwegs- (19 Prozent) und Hauterkrankungen (28 Prozent), die sich häufig nicht auf einzelne gekennzeichnete Gefahrstoffe zurückführen ließen.

Verpflichtende Gefährdungsbeurteilung bei nicht gekennzeichneten Gefahrstoffen oftmals nicht durchgeführt

Die EU OSHA macht darauf aufmerksam, dass bei den nicht gekennzeichneten Gefahrstoffen häufig eine Gefährdungsbeurteilung in Unternehmen häufig übersehen oder ignoriert würde. Dabei sind Betriebe mit der seit 2005 geltenden Gefahrstoffverordnung dazu verpflichtet, etwa staubemittierende Anlagen, Maschinen und Geräte mit einer wirksamen Absaugung zu versehen, wenn dies dem Stand der Technik entspreche. Das Kehren ohne Staub bindende Mittel und das Abblasen von Staub mit Druckluft seien zudem verboten.

Eine Befragung des Bundesinstituts für Berufsbildung und der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 2012 von mehr als 20.000 Beschäftigten zeigt jedoch, dass 16 Prozent der in Vollzeit beschäftigten Männer und neun Prozent der Frauen häufig Staub, Rauch, Gasen oder Dämpfen ausgesetzt sind – vor allem in Berufen, die nur geringe Qualifikationen erfordern. Bei Bau- und Ausbaufachkräften, Bedienern stationärer Anlagen und Maschinen liege der Anteil bei über 40 Prozent.

An konkreten Informationen, Regeln und weiteren Hilfestellungen im Umgang mit Gefahrstoffen mangele es nicht, so die EU OSHA. Vielmehr müsse das Bewusstsein für diese Risiken im Arbeitsalltag und die Präventionskultur gestärkt werden.


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