Newsletter 11/20

Psychische Erkrankungen rasant gestiegen

Tipps für die Pandemie

Von 2000 bis 2019 sind die Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen laut der DAK-Krankenkasse um fast 140 Prozent gestiegen. Die Coronakrise begünstigt die Situation weiter.

Durchschnittlich 260 Fehltage pro 100 Versicherte durch psychisch bedingte Krankschreibungen im vergangenen Jahr hat die DAK festgestellt. So viele wie nie. Die meisten Fehltage wurden durch Depressionen verursacht. Besonders zugenommen haben Anpassungsstörungen. Sie sind zwischen 2011 bis 2019 um 60 Prozent gestiegen.

Die Ursachen von Anpassungsstörungen können belastende Lebensereignisse, einschneidende Lebensveränderungen (etwa der Tod einer nahestehenden Person oder die Diagnose einer schweren körperlichen Krankheit, Familienprobleme, Schwierigkeiten im Beruf oder finanzielle Engpässe) sein. Neurotische Störungen und Angststörungen folgen auf den weiteren Plätzen.

Zwischen Frauen und Männern gibt es Unterschiede in den psychisch bedingten Fehltagen: Männer waren mehr als 200 Mal aus diesem Grund krankgeschrieben, Frauen sogar rund 330 Tage. Besonders stark ist zudem der DAK zufolge der Anstieg der psychischen Erkrankungen bei den Beschäftigten, die älter als 60 Jahre sind.

Auffällig: der Arbeitsausfall durch psychische Erkrankungen in der öffentlichen Verwaltung. Hier lag der Wert bei 382 Fehltagen je 100 Versicherten und somit 47 Prozent über dem DAK-Durchschnitt. Das Gesundheitswesen brachte es auf 338 Fehltage. In der Baubranche sind mit über 154 Fehltagen die wenigsten Fehltage verzeichnet.


Psychische Beschwerden: Corona verschärft Situation

Die Coronapandemie begünstigt die Situation weiter: Laut der Techniker Krankenkasse lag der Anteil psychischer Erkrankungen am Gesamtkrankenstand in der ersten Hälfte des Jahres bei fast 20 Prozent. Krankmeldungen aufgrund psychischer Probleme hätten demnach deutlich zugenommen. Dies bestätigt auch der Versicherungskonzern Axa in einer weiteren Studie: Von 1.000 Befragten gaben 32 Prozent an, dass sich während der Coronakrise die eigene psychische Verfassung verschlechtert habe, 25 Prozent hätten sogar das Gefühl, nun die Kontrolle über ihr Leben verloren zu haben.

Mögliche Gründe für die Situation liegen auf der Hand: Kontakt- und Ausgehbeschränkungen und damit verbundene Einsamkeit, Wegfall von Tagesstruktur durch Homeoffice vielerorts sowie wirtschaftliche Engpässe. Und immer die belastende Frage: Wann stecke ich mich an und wie schwer trifft mich die Krankheit? Diese und weitere Faktoren verursachen Stress und Unsicherheit und können Ängste oder depressive Beschwerden hervorrufen. Davon betroffen sein können sowohl Menschen mit einer bereits bestehenden psychischen Erkrankung als auch bisher psychisch gesunde Menschen.

Martin Schmid, Psychologe (Dipl.), Berater für Gesundheitsmanagement bei B·A·D und Achtsamkeitstrainer (MBSR), sagt dazu: „Die Pandemie hat uns alle plötzlich und unvorbereitet getroffen. Häusliche Isolation und Quarantäne haben die meisten Menschen noch nie erlebt. Menschliche Grundbedürfnisse wie Sicherheit, Kontrolle, Freiheit und Selbstbestimmung, Nähe und soziale Beziehungen sowie Alltagsrituale werden nur eingeschränkt erfüllt bzw. stehen miteinander im Konflikt und müssen dem Grundbedürfnis der Sicherheit und Gesundheit untergeordnet werden. Wir können uns in diesen Situationen demzufolge deprimiert, ängstlich und desorientiert oder ohnmächtig fühlen. Die Frage ist jedoch, wie ein gesunder Umgang damit möglich ist.“

Pandemie: „Angst darf keine Macht über uns gewinnen“

Angst sei eine mögliche Antwort auf die Pandemie, eine „normale“ menschliche Reaktion auf Stress, weil wir uns überfordert und bedroht fühlen. Neben psychischer Beanspruchung können auch körperliche Symptome hinzukommen: Herzklopfen/-rasen, erhöhter Blutdruck, Magen-/Darmbeschwerden, Anspannung und Rückenschmerzen,  Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Erschöpfung etc.

„Es ist ganz wichtig, sich selbst zu vergewissern, dass selbst wenn man das Coronavirus bekommt, man hierzulande gut medizinisch betreut wird. Es ist nicht so, dass wenn man erkrankt ist, das schon das Todesurteil bedeutet. Wichtig ist es, dass wir unsere Sorgen und Ängste ernst nehmen. Sie haben in dem Moment eine Bedeutung für uns. Sie sollten allerdings nicht die Macht über uns gewinnen, sondern wir sollten in dem Gefühl bleiben, dass wir sie steuern können und dabei allgemein das Erleben von persönlichem Einfluss fördern“, betont Schmid. Grundsätzlich gilt: Jeder Mensch ist anders und daher sollte man Strategien suchen, ausprobieren und umsetzen, die individuell zur Person und zur Lage passen.

 

Das tut Ihrer Psyche gut! Neun Tipps für den Corona-Alltag

  1. Versuchen Sie zunächst, die Situation und Ihr Erleben als momentanen Ausgangspunkt anzunehmen. Es ist normal, wenn Sie in dieser Situation verunsichert sind. Konzentrieren Sie sich dann auf Dinge, die Sie beeinflussen können.
  2. Dazu ist es zunächst hilfreich, dass Sie Ihre Gedanken und Emotionen wahrnehmen und akzeptieren. Reduzieren Sie jedoch das Grübeln. Zu viel grübeln ist kontraproduktiv und verstärkt den Stress. Unsere Gedanken beeinflussen unser Erleben. Geben Sie Ihren Gefühlen Raum und finden Sie Ihr persönliches Ventil, beispielsweise über kreative Aktivitäten wie Zeichnen, Musizieren oder auch Meditieren. Malen Sie sich positive Bilder in der Zukunft aus, z. B. über aufgefrischte Kontakte und Erlebnisse, wenn wir diese Krise überstanden haben werden.
  3. Machen Sie sich bewusst, wie viel privat über Corona gesprochen wird. Wann sind schwierige Emotionen besonders dabei involviert und bemerkbar: Angst, Ärger, Traurigkeit, Freude (bspw. Erleichterung) etc. Wie wirken sich die Gespräche auf Gedanken und das Körperempfinden aus? Z. B. in Form von Vorstellungen, Sorgen, Bilder oder auch Anspannung etc.?
  4. Führen Sie passend hierzu einfache Entspannungs- und Achtsamkeitsübungen durch. Eine klassische Übung: Schließen Sie Ihre Augen und nehmen Sie Ihren Atemfluss, Ihr Ein- und Ausatmen ganz bewusst wahr. Stellen Sie sich vor, wie Sie bei jedem Einatmen Kraft und Energie aufnehmen und bei jedem Ausatmen alles Sorgenvolle, Vergangene und Verbrauchte entspannt ausatmen.
  5. Konsumieren Sie Medien bewusst und gezielt. Informieren Sie sich zeitlich begrenzt (1-2 Mal täglich reicht aus!) nur aus offiziellen Quellen (z. B. WHO, Robert Koch-Institut). Ein zu häufiger Medienkonsum übersensibilisiert uns ansonsten für stressauslösende bzw. bedrohliche Reize.
  6. Definieren und halten Sie eine Tagesstruktur ein: Starten Sie zu einer bestimmten Zeit mit der Arbeit oder zunächst mit einer kleinen Sporteinheit. Bauen Sie kleine Pausen ein, in denen Sie frische Luft schnappen, sich etwas lockern, etwas trinken. Nehmen Sie sich Zeit für die Mahlzeiten. Legen Sie das Arbeitsende fest.
  7. Lassen Sie Ihren Tag mit einem kleinen Ritual ausklingen. Fragen Sie sich Folgendes: Was war heute schön und hat mir Freude bereitet (z. B. ein gutes Gespräch, ein Moment, in dem ich gelacht habe, ein besonderer Moment mit der Familie). Es sind die kleinen Dinge, die Aufmerksamkeit verdienen! Wir fokussieren und erinnern uns aus Gewohnheit und zusätzlich im Stress zumeist auf bzw. an unangenehme Erfahrungen. Achtsamkeit für das Angenehme kann helfen, die schädliche Wirkung von Stressoren abzumildern.
  8. Besinnen Sie sich auf Ihre Stärken! Ressourcen helfen, Krisensituationen durchzustehen. Innere Ressourcen sind alles, was Sie an positiven Erfahrungen in Ihrem Leben gemacht haben. Alle Probleme, die Sie schon überwunden und gelöst haben, Ihre Stärken und Talente, Ziele und Werte sind Kraftquellen.
  9. Pflegen Sie Ihre sozialen Kontakte über die Distanz! Kontaktieren Sie täglich mindestens eine Person, die Ihnen am Herzen liegt und tauschen Sie sich aus. Verabreden Sie sich zu geselligen digitalen Abenden mit Freunden und Familie.

NEU! B·A·D unterstützt Unternehmen und deren Mitarbeitende mit Webinaren, in virtuellen Trainings und Kursen, bei der Erstellung einer Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen Corona nach Arbeitsschutzstandard SARS-CoV-2 und mit dem Employee Assistance Program (EAP).

Die „Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen – Corona“ hilft dabei durch ausgewählte Fragen, die aktuellen Arbeitsbedingungen und Arbeitsprozesse sowie soziale Faktoren zu beurteilen, um effektiv aktuell vorgesehene Arbeitsschutzmaßnahmen abzuleiten. Das Erhebungsinstrument ist explizit auf die Krisensituation ausgerichtet. Der Fokus liegt auf den Belastungsfaktoren, in denen sich die Arbeitsbedingungen nachhaltig durch die Situation verändert haben.

Vereinbaren Sie mit Ihren zuständigen B∙A∙D-Experten einen Termin für ein digitales Angebot, oder um aktuell die psychischen Belastungen einzelner Tätigkeiten in der Corona-Pandemie zu ermitteln.

Weitere Informationen zum Employee Assistance Program (EAP) erhalten Sie jetzt in unserem Gratis-Factsheet:

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