Glossar

Arbeitsschutz, Arbeitsmedizin und Arbeitssicherheit

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Zweihandschaltungen

Grundsätzlich werden drei Typen (I, II und III A bis C) von Zweihandschaltungen unterschieden. Die Auswahl hängt ab von

  • Art der Gefährdung
  • Ergebnis der Risikobeurteilung
  • Stand der Technik
  • Betriebsbedingungen.

 

Die Steuerungskategorie (DIN EN ISO 13849-1) der Zweihandschaltung muss der Maschinensteuerung angepasst sein. Die Typen I und III A entsprechen der Kategorie 1, die Typen II und III B der Kategorie 3 und der Typ III C der Kategorie 4.

 

Wenn die Risikobeurteilung die Einfehlersicherheit vorgibt (Kategorie 3), darf ein einzelner Fehler in der Zweihandschaltung nicht zum Verlust der Sicherheitsfunktionen führen; die Zweihandschaltung darf z. B. nicht zur Einhandschaltung werden oder eine Bewegung der Maschine einleiten. Dies bedeutet nicht, dass alle auftretenden Fehler entdeckt werden.

 

Fordert die Risikobeurteilung die Selbstüberwachung (Kategorie 4), muss die Zweihandschaltung neben den Eigenschaften der Kategorie 3 auch in der Lage sein, Fehler zu erkennen und nach dem Auftreten eines Fehlers weitere Maschinenbewegungen zu verhindern (kein Ausgangssignal). Kann sie einzelne Fehler nicht erkennen, dürfen weitere Fehler nicht zum Verlust der Sicherheitsfunktionen führen.

 

Das Anbringen der Zweihandschaltung orientiert sich an der Gefährdung und berücksichtigt bewährte ergonomische Prinzipien. Die ortsveränderliche Zweihandschaltung muss am gewählten Standort fixiert werden können bzw. sie ist so gestaltet, dass der Sicherheitsabstand eingehalten wird. Der Mindestabstand vom Stellteil zum Gefahrbereich wird mittels folgender Gleichung ermittelt: S = (K × T) + C. Dabei ist

  • S der Mindestabstand in Millimetern, gemessen vom Gefahrbereich zum Stellteil
  • K ein Parameter in Millimetern je Sekunde, abgeleitet von Daten über Annäherungsgeschwindigkeiten des Körpers oder von Körperteilen (die Greifgeschwindigkeit der Hand K = 1600 mm/s wurde 1935 experimentell ermittelt)
  • T der Nachlauf des gesamten Systems in Sekunden
  • C ein zusätzlicher Abstand in Millimetern, der das Eindringen in den Gefahrbereich vor Auslösen der Schutzeinrichtung zu Grunde legt.

 

Beispiel: Mit K = 1600 mm/s und C = 250 mm ergibt sich: S = (1600 × T) + 250 mm.

 

Wenn das Risiko ausgeschlossen ist, dass die Händen in den Gerfahrbereich greifen können während das Stellteil betätigt wird (z. B. durch Überdeckung), darf C = 0 sein. Der Mindestabstand für S = 100 mm darf allerdings nicht unterschritten werden.

 

Zweihandschaltungen sind Sicherheitsbauteile im Sinne des Anhangs IV der EG-Maschinenrichtlinie 98/37/EG (aufgehoben ab 29.12 2009) bzw. des Anhangs V der EG-Maschinenrichtlinie 2006/42/EG.

 

An Pressen und Spritzgießmaschinen sind Zweihandschaltungen nur unter besonderen Bedingungen zulässig.

 

Vor der erstmaligen Inbetriebnahme einer Zweihandschaltung und nach einer Änderung der Zweihandschaltung oder der Steuerung der Presse hat der Betreiber eine Prüfung von einem Sachkundigen bzw. einer Befähigten Person durchführen zu lassen. Zweihandschaltungen sind durch einen Sachkundigen bzw. durch eine Befähigte Person

regelmäßig, mindestens jedoch einmal im Jahr, zu prüfen.</p>

Literatur

  • 9. Verordnung zum Geräte- und Produktsicherheitsgesetz (Maschinenverordnung - 9. GPSGV)
  • Richtlinie 2006/42/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 17. Mai 2006 über Maschinen und zur Änderung der Richtlinie 95/16/EG (Neufassung)
  • Richtlinie 98/37/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 22. Juni 1998 zur Angleichung der Rechts- und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten für Maschinen (aufgehoben ab 29. 12. 2009)
  • Sicherheitsregeln für Biegearbeiten auf kraftbetriebenen Gesenkbiegepressen (Abkantpressen) der Metallbearbeitung (ZH 1/387)
  • Sicherheitsregeln für Stempelpressen, isostatische Pressen und Rollermaschinen der keramischen Industrie (ZH 1/607)
  • Sicherheitsregeln für Zweihandschaltungen an kraftbetriebenen Pressen der Metallbearbeitung (ZH 1/456)
  • DIN EN 574 Sicherheit von Maschinen; Zweihandschaltungen; Funktionelle Aspekte; Gestaltungsleitsätze
  • DIN EN 60204-1 Sicherheit von Maschinen; Elektrische Ausrüstung von Maschinen; Allgemeine Anforderungen
  • DIN EN 999 Sicherheit von Maschinen; Anordnung von Schutzeinrichtungen im Hinblick auf Annäherungsgeschwindigkeiten von Körperteilen
  • DIN EN ISO 12100-1 Sicherheit von Maschinen; Grundbegriffe, allgemeine Gestaltungsleitsätze; Grundsätzliche Terminologie, Methodologie
  • DIN EN ISO 12100-2 Sicherheit von Maschinen; Grundbegriffe, allgemeine Gestaltungsleitsätze; Technische Leitsätze
  • DIN EN ISO 13849-1 Sicherheit von Maschinen; Sicherheitsbezogene Teile von Steuerungen; Allgemeine Gestaltungsleitsätze
  • DIN EN ISO 14121-1 Sicherheit von Maschinen; Risikobeurteilung: Leitsätze
  • DIN VDE 0848-1 Sicherheit in elektrischen, magnetischen und elektromagnetischen Feldern; Definitionen, Mess- und Berechnungsverfahren
  • Presseneinrichter (BGI 551)
  • Hartung, P.: Prüfpflichtige Arbeitsmittel, 4. Aufl., Universum Verlag, Wiesbaden 2005

Quellen

www.arbeit-und-gesundheit.de