Glossar

Arbeitsschutz, Arbeitsmedizin und Arbeitssicherheit

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Wirtschaftlichkeit im Arbeitsschutz

Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen im Arbeitsschutz richten sich vordergründig auf die Ermittlung der Unfallkosten, die einem Unternehmen bei einem Arbeitsunfall oder Wegeunfall entstehen (z. B. Kosten durch Ausfallzeiten, Maschinenstillstände, Verzögerungen). Unfälle verursachen betriebswirtschaftlich messbare Kosten. Das Gleiche gilt für Berufskrankheiten sowie für arbeitsbedingte Erkrankungen. Diese klassische Betrachtungsweise birgt die Gefahr einer Gegenüberstellung und Optimierung der Kosten für Präventionsmaßnahmen und der dadurch vermiedenen Unfallkosten in sich und vernachlässigt eine umfassende Betrachtung des Nutzens eines wirksamen Arbeits- und Gesundheitsschutzes (siehe Corporate Social Responsibility), z. B.:

  • Steigerung der Motivation und damit z. B. weniger Ausfallzeiten der Beschäftigten
  • optimierte Prozesse (höhere Prozesssicherheit)
  • höhere Anlagensicherheit und -verfügbarkeit
  • weniger Sachschäden
  • höhere Produktivität
  • verbesserte Qualität (weniger Ausschuss)
  • Imagesteigerung
  • umweltverträglichere Produktion, z. B. weniger Emissionen.

 

Ein neuer Ansatz, betriebswirtschaftliche Aspekte in den Arbeitsschutz einzuführen, ist die Verbindung mit dem Qualitätsmanagement. Dieses hat einen engen Bezug zum Arbeitsschutz, bezieht ihn mit ein, gibt ihm neue Anstöße und eine ergänzende betriebswirtschaftliche Legitimation. Die Zusammenhänge zwischen schlechter Qualität und mangelnder Arbeitssicherheit sind offensichtlich. Unnötige Kosten durch Produktionsausfälle, Qualitätsmängel, Produktfehler, Materialverluste usw. können verursacht werden durch Störungen im Betriebsablauf, schlechtes Betriebsklima, demotivierte Mitarbeiter, mangelhafte Ausbildung, aber auch durch Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten.

 

Diese Zusammenhänge führen zu der Erkenntnis, dass Sicherheit und Gesundheitsschutz betriebliche Ziele sein müssen, für die gesetzliche und humanitäre Forderungen genauso sprechen wie betriebswirtschaftliche Überlegungen. Letztlich geht es darum, im Arbeitsschutz eine nachhaltige Entwicklung zu fördern. Dies geht nur, wenn ökonomische, soziale und auch ökologische Aspekte gleichermaßen berücksichtigt werden (Nachhaltigkeit, Balanced Scorecard, Corporate Social Responsibility).

 

Der Arbeitsschutz ist ein Teilsystem des Betriebs und leistet einen Beitrag zur Erreichung der Unternehmensziele. Wie alle anderen betrieblichen Funktionen muss auch der Arbeitsschutz effektiv und effizient organisiert und systematisch praktiziert werden. Dies erfolgt am besten durch ein Arbeitsschutzmanagement. Der Erfolg wird mit den üblichen betriebswirtschaftlichen Instrumenten gesteuert und kontrolliert (Controlling).

 

Wirtschaftlichkeitsberechnungen bewerten das Verhältnis von Output zu Input. Auf den betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutz angewendet, bedeutet Input hier die Summe aller betrieblichen Präventionskosten, z. B. Kosten der Arbeitsschutzorganisation (im Wesentlichen Personalkosten), Kosten der Arbeitsschutzmittel (Schutzausrüstungen usw.), kalkulatorische Kosten (Zinsen, Abschreibungen).

 

Der Output des betrieblichen Arbeitsschutzes besteht zunächst in der Verhinderung direkter und indirekter Verlusten durch Unfällen und Krankheiten. Verhinderte Unfälle und Krankheiten sind teilweise nur schwer monetär bewertbar. Während sich ein Rückgang der unfall-, verletzungs- und krankheitsbedingten Fehlzeiten noch vergleichsweise einfach monetär bewerten lässt, ist dies bei den oben genannten positiven Wirkungen eines guten Arbeits- und Gesundheitsschutzes (z. B. Steigerung der Motivation oder optimierte Prozesse) deutlich schwieriger. Eine praktikable Möglichkeit ist die Orientierung an den Unternehmenszielen, also die Ermittlung des Beitrages zur Erfüllung dieser Ziele. Ein wichtiges Unternehmensziel ist die Produktivität. Sie setzt unter anderem störungsfreie Arbeitsprozesse voraus.

 

Eine Betriebsstörung wird verstanden als ungeplanter und ungewollter Ausfall oder Beeinträchtigung eines betrieblichen Faktors, der bzw. die den geplanten Betriebsablauf vorübergehend unmöglich macht und damit negative Auswirkungen auf das Kostengefüge und Leistungsergebnis hat. Diese Störungen vermeiden zu helfen, ist auch das Ziel der betrieblichen Arbeitsgestaltung und des betrieblichen Arbeitsschutzes.

 

Praktische Erfahrungen zeigen, dass sich Störungen nur durch stabile Prozesse und nicht überforderte (ausreichend qualifizierte) und leistungsfähige Mitarbeiter vermeiden lassen. Sichere Arbeitsbedingungen und Wohlbefinden der Mitarbeiter sind somit Voraussetzungen für die Erreichung des Unternehmensziels "Produktivität".

 

Das Beispiel zeigt, dass sich der Output des Arbeits- und Gesundheitsschutzes (und damit auch der Erfolg von Sicherheit und Gesundheitsschutz) beispielsweise am Beitrag für das Unternehmensziel Produktivität (ungestörter Leistungserstellungsprozess) darstellen lässt. Unter Zuhilfenahme der Balanced Scorecard lässt sich dieser Beitrag auch bewerten.

Literatur

  • Galliker, D.: Betriebe in Bestform. Gesundheit, Qualität und Umweltschutz aus einem Guss, Universum Verlag, Wiesbaden 2000 (Link)
  • Kropp, K.: Betriebsziel Arbeitsschutz. Ein Ratgeber für Unternehmer und Führungskräfte, Universum Verlag, Wiesbaden 2001 (Link)
  • Schubert, K./Littinski, R./Ludborzs, B.: Sicherheits-Audits. Effizienzsteigerung im Arbeits- und Gesundheitsschutz, Universum Verlag, Wiesbaden 1997 (Link)
  • Zangemeister, Ch./Nolting H.-D.: Kosten-Wirksamkeits-Analyse im Arbeits- und Gesundheitsschutz, Wirtschaftsverlag NW, 1997

Quellen

www.arbeit-und-gesundheit.de