Glossar

Arbeitsschutz, Arbeitsmedizin und Arbeitssicherheit

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Unterweisungen

Idealerweise sollte die Unterweisung aus drei Phasen bestehen: Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung.

 

Vorbereitung: Zuerst müssen die Unterweisungsinhalte und Lernziele festgelegt werden. Was soll der Mitarbeiter nach der Unterweisung wissen, können und tun? Diese Festlegung erfolgt auf Basis der mit der Arbeitsaufgabe einhergehenden Gefährdungen bzw. Belastungen und den angemessenen Verhaltensweisen. Es ist also ein sicherheitsgerechtes Verhalten (Soll-Verhalten) festzulegen, das durch die Unterweisung erreicht werden soll. Konkrete Lernziele zu definieren ist wichtig, da sonst eine Überprüfung der Ergebnisse von Unterweisungsmaßnahmen nicht möglich ist.

 

Zur Vorbereitung zählt auch die Überlegung, nach welchen Gesichtspunkten die zu unterweisende Mitarbeitergruppe zusammengestellt werden soll. Die Unterweisung sollte zielgruppengerecht und arbeitsplatzbezogen sein. Dies kann z. B. bedeuten, alle Mitarbeiter mit gleichen oder sehr ähnlichen Tätigkeiten zusammenzufassen (z. B. alle Betriebsschlosser) oder aber Mitarbeiter mit gleichen Defiziten zu einer Unterweisungsgruppe zusammenzustellen (z. B. alle Neulinge im Betrieb).

 

Wichtig ist auch die Wahl eines geeigneten Unterweisungsortes. Er sollte möglichst frei von äußeren Störungen und Ablenkungen sein. Eine Unterweisung sollte arbeitsplatznah erfolgen, je nach Inhalt sogar direkt am Arbeitsplatz stattfinden. Auch die Festlegung eines günstigen Zeitpunkts zählt zur Vorbereitung. Unterweisungsmaßnahmen an das Ende eines Arbeitstags zu legen, ist ungünstig; besser geeignet ist die Zeit nach einer Pause bzw. zu Arbeitsbeginn.

 

Durchführung: Teilnehmerorientierte Vorgehensweisen, bei denen die Mitarbeiter aktiv einbezogen werden, indem sie im Dialog ihre Fragen, Erfahrungen, Kenntnisse, Gedanken und Kreativität einbringen können, sind lehrerzentriertem Frontalunterricht, bei dem die Mitarbeiter nur passive Zuhörer sind, vorzuziehen. Eine teilnehmeraktivierende Unterweisung bietet günstigere Chancen zu motivieren und die gedankliche Auseinandersetzung mit den Lerninhalten zu fördern. Sie führt auch eher zur Identifikation mit den Inhalten und zur Akzeptanz der erarbeiteten Verhaltensregeln. Wenn es um die Vermittlung von Handlungs- und Bewegungsabläufen geht, sollte jeder Mitarbeiter ausreichend Gelegenheit haben, sie praktisch einzuüben (Training). Zusätzliches mentales Training kann den Lerngewinn steigern und neue Bewegungsabläufe festigen.

 

In Abhängigkeit von sprachlicher Kompetenz (z. B. ausländische Arbeitnehmer) sollte der Unterweisende immer mit der Möglichkeit von Missverständnissen rechnen.

 

Eine klare Gliederung und eine verständliche Darstellung und Benennung von Gefährdungen und sicherheitsgerechten Verhaltensweisen (und deren Begründung) sind wichtige Voraussetzungen für den Lernerfolg. Sich in allzu vielen Details zu verlieren, ist nicht zielführend, ebenso hilft es nicht weiter, Unverständliches mit immer denselben Worten zu wiederholen. Es wird dadurch nicht verständlicher. Visuelle Informationen (bildliche Darstellungen, Videos, Filme, PC-Medien) können unterstützend wirken, wenn sie maßvoll eingesetzt werden und die Beteiligung der Mitarbeiter nicht verhindern.

 

Nachbereitung: In dieser Phase wird überprüft, ob die Lernziele erreicht wurden. Verfügen die Mitarbeiter jetzt über die erforderlichen Kenntnisse und zeigen sie sicherheitsgerechte Verhaltensweisen?

 

Je nach Inhalt der Unterweisung kann die Überprüfung durch Gespräche, in schriftlicher Form oder durch Verhaltensbeobachtung erfolgen. Sowohl Unterweiser als auch Lernende erhalten eine Rückmeldung über Lernfortschritte und noch verbliebene Defizite. Werden die erwünschten, sicherheitsgerechten Verhaltensweisen gezeigt, sollte nicht mit Anerkennung gespart werden. Sicherheitswidrige Handlungsweisen sind dagegen konsequent zu kritisieren, indem sicherheitsgerechtes Verhalten gefordert wird. Gegebenenfalls sind weitere Unterweisungen erforderlich. Zum Beispiel dann, wenn die bisherigen Maßnahmen nicht ausgereicht haben, neue Bewegungsabläufe aufzubauen.

 

Unterweisen ist Aufgabe des Vorgesetzten. Er kennt die Situation vor Ort und hat die günstigsten Möglichkeiten zur Erfolgskontrolle. Die Fachkraft für Arbeitssicherheit sollte ihn unterstützen und sich gegebenenfalls an der Unterweisung beteiligen.

 

Über die Unterweisungen muss ein Nachweis geführt werden. Dabei sind Inhalte, Zeitpunkt und Dauer sowie Teilnehmer schriftlich festzuhalten.

 

Die Unfallversicherungsträger bieten Seminare zum Thema Unterweisung an sowie weitere Materialien und Fachinformationen, die die Betriebe unterstützen.

Literatur

  • Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit (Arbeitsschutzgesetz - ArbSchG) (CHV 2)
  • Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Bereitstellung von Arbeitsmitteln und deren Benutzung bei der Arbeit, über Sicherheit beim Betrieb überwachungsbedürftiger Anlagen und über die Organisation des betrieblichen Arbeitsschutzes (Betriebssicherheitsverordnung - BetrSichV) (CHV 16)
  • UVV Grundsätze der Prävention (BGV A 1) / (GUV-V A1) / (VSG 1.1 Allgemeine Vorschriften für Sicherheit und Gesundheitsschutz)
  • Grundsätze der Prävention (BGR A 1) / (GUV-R A1)
  • Hefte 1-6 der Reihe Arbeit und Gesundheit Basics, hrsg. v. der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, Universum Verlag, Wiesbaden (Link)
  • Unterweisungsthemen Arbeitsschutz für Mitarbeiter und Führungskräfte, hrsg. v. Verband Deutscher Sicherheitsingenieure e. V., 3., erw. Aufl., Schubert Verlag, Leipzig 1999 (Link)
  • Bußmann, J./Möhring, H.: Unterweisungen zur Arbeitssicherheit und zum Umweltschutz effizient moderieren, 2. Aufl., Wirtschaftsverlag NW, Bremerhaven 1996
  • Cernavin, O., Georg, A.: Praxishandbuch Arbeitsschutz. Instrumente für Unternehmer und Fachkräfte, Universum Verlag, Wiesbaden 2004 (Link)
  • Ganz, B.: Unterweisung. Erfolgreich unterweisen im Dienstleistungsbereich, 2., überarbeitete. Aufl., Universum Verlag, Wiesbaden 2005 (Link)
  • Schneider, H./Hoppe, B.: Unterweisung in Handwerk und Industrie. Beispiele - Methoden - Tipps. Mit CD-ROM, 6. Aufl., Universum Verlag, Wiesbaden 2003 (Link)
  • CD-ROM: "Die Dachdecker-CD-ROM - Sicher und qualitätsbewusst arbeiten", Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft - Medien und Praxishilfen (Link)
  • CD-ROM: "Die interaktive UVV 'Flurförderzeuge' (VBG 36). Vorschriften sehen, hören, erleben, Großhandels- und Lagerei-Berufsgenossenschaft (Link)
  • CD-ROM: "Interaktive Arbeitssicherheitsunterweisung", hrsg. v. der Berufsgenossenschaft Elektro Textil Feinmechanik (BGETF) (Link)
  • CD-ROM: Unterweisung "Bildschirmarbeit". Interaktives Lernprogramm für Erst- und Wiederholungsunterweisungen. Universum Verlag, Wiesbaden 2005 (Link)
  • CD-ROM: Unterweisung "Grundregeln für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit". Interaktives Lernprogramm für Erst- und Wiederholungsunterweisungen. Universum Verlag, Wiesbaden 2005 (Link)

Quellen

www.arbeit-und-gesundheit.de