Glossar

Arbeitsschutz, Arbeitsmedizin und Arbeitssicherheit

Das kostenlose Glossar zum Thema Arbeitsschutz. Finden Sie über 400 Begriffsklärungen und mehr als 1.200 Schlagwörter zu den Themen Arbeitssicherheit, Arbeitsmedizin, Betriebsanweisung, Betriebsarzt, Brandschutz, Gefährdungsbeurteilung, Gesundheitsförderung und vieles mehr.

Telearbeit

Telearbeit wird am häufigsten im normalen Arbeitsverhältnis ausgeführt. Die Aufgaben sind sehr breit gefächert, z. B. Programmierung, Datenerfassung, Textverarbeitung, Auftragsannahme, Telefonmarketing, Finanzberatung, Controlling, journalistische Tätigkeit.

 

Bei der Telearbeit handelt es sich fast ausschließlich um Alleinarbeit. Gefordert sind selbstständiges, eigenverantwortliches Handeln, technisches Verständnis, geistige Flexibilität, Eigenverantwortung, Selbstdisziplin und gute Kommunikationsfähigkeiten.

 

Häufig wird ein ergebnisorientiertes Arbeiten gefordert, das nicht an starre Arbeitszeitregelungen gekoppelt ist.

 

Mit Telearbeit geht eine Reihe von Vorteilen einher. Insbesondere Teleheimarbeit ermöglicht optimale Freiheiten in der Gestaltung des Arbeitstages und eine optimale Ausschöpfung des persönlichen Leistungshochs, was vorteilhaft für die Arbeitseffizienz ist. Teleheimarbeiter können ihre Arbeit im häuslichen Bereich ausführen, wodurch sich ihr Wohlbefinden erhöht. Lange Fahrtstrecken zur Arbeitsstätte entfallen, was zugleich Zeitersparnis bedeutet. Sie können ihren Arbeitsrhythmus selbstbestimmt organisieren und erleben in ihrer Arbeit eine hohe Arbeitszeitautonomie und ggf. auch inhaltliche Autonomie.

 

Die erforderliche Eigenverantwortung kann motivierend wirken. Auf der anderen Seite steht der hohen Zeitsouveränität eine vom Unternehmen geforderte Flexibilität gegenüber, rasch auf unvorhergesehene Anforderungen zu reagieren und ergebnis- und terminorientiert zu arbeiten. Die moderne Telekommunikation ermöglicht eine Kontrolle der geleisteten Arbeit und des Arbeitstempos, was zu Leistungs- und Termindruck führt. Dabei birgt gerade die Arbeitszeitautonomie für Telearbeiter Gefahren. Arbeits- und Leistungsdruck im Zusammenhang mit einem nicht erlernten Zeitmanagement kann zu einer "Entgrenzung" der Arbeitszeiten und der Missachtung der erforderlichen Erholungszeiten bzw. Ruhephasen und letztlich zur Beeinträchtigung der Erholungsfähigkeit führen. Die Verselbstständigung der Arbeit, Perfektionsstreben, berufliche Distanzierungsunfähigkeit und Vernachlässigung von privaten Interessen kann auf Grund von Stress zu psychosomatischen Beschwerden bis hin zu organischen Erkrankungen führen (vgl. Albrod 2000). Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass Arbeitsunfähigkeit nicht ernst genommen und Erkrankungen nicht auskuriert werden. Gerade bei der heimbasierten Telearbeit kann es zu einer unzureichenden Trennung von Berufs- und Privatleben kommen, die zu einer Doppelbelastung und gerade dadurch zu Stress führt. Ebenso wirkt sich die fehlende Trennung von beruflicher und privater Sphäre negativ auf Arbeitsleistung und die Einhaltung von Terminvorgaben aus. Darüber hinaus nehmen die Teleheimarbeiter i. d. R. nicht an der innerbetrieblichen Kommunikation teil und geraten in eine soziale Isolation. Hierdurch wird die Möglichkeit der Bewältigung schwieriger Aufgaben oder sonstiger Probleme stark beeinträchtigt.

 

Hinzu kommen die physischen Belastungen durch erheblichen Bewegungsmangel, Zwangs- bzw. Fehlhaltungen der Wirbelsäule und Arme (starre Sitzpositionen bei langem Sitzen) sowie Belastungen der Augen infolge der ständigen Bildschirmarbeit (vgl. Borghoff/Stein 2004).

 

Bei Telearbeit können körperliche Beschwerden wie Schulter-, Nacken-, Arm- oder Rückenschmerzen auftreten. Ursache hierfür kann auch die falsche Anordnung von Arbeitsgeräten und Mobiliar sein (Ertel/Mainz/Ullsperger 2003).

 

Zur

Prävention

arbeitsbedingter Gesundheitsgefahren ist es wichtig, dass die Telearbeiter durch den Unternehmer über die gesundheitlichen Gefahren bei dieser Form der Erwerbsarbeit sowie über Gesundheitsschutzmaßnahmen aufgeklärt werden. Schulungen über Zeitmanagement und hinreichende Trennung von privater und beruflicher Sphäre (Work-Life-Balance) können eine gute Hilfestellung sein. Dem unkontrollierten Ausufern der Arbeitszeit sollte mit einer realistischen Arbeits- und Terminplanung begegnet werden.

 

Die Wirkung ergonomisch eingerichteter Büro- und Bildschirmarbeitsplätze im Hinblick auf die Prävention von Muskel-Skelett-Erkrankungen und Augenbeschwerden wird in der Forschung durchaus kritisch diskutiert. Dennoch ist zu empfehlen, einen ergonomisch gestalteten Bildschirmarbeitsplatz bei der Telearbeit einzurichten.

 

Hierzu sollte der Arbeitgeber ergonomisch und arbeitsmedizinisch qualifizierte Experten (z. B. Fachkraft für Arbeitssicherheit und Betriebsarzt) heranziehen. Arbeitsstuhl und Bildschirm sollten individuell eingerichtet werden. Am Computerarbeitstisch sollte eine ausreichende Arbeitsfläche vorhanden sein. Störende Blendungen, Reflexe oder Spiegelungen am Arbeitsplatz sollten vermieden werden. Darüber hinaus entlastet ein dynamisches Sitzverhalten die Bandscheibe, belebt den Kreislauf und erhöht das allgemeine Wohlbefinden. Auch sollten regelmäßige Arbeitspausen eingeplant werden (Ertel/Mainz/Ullsperger 2003).

 

Zum Zwecke der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes sollten regelmäßige Arbeitsstättenbegehungen durchgeführt werden. Um der sozialen Isolation vorzubeugen, sollten Vorgesetzte einen regelmäßigen wechselseitigen Informationsaustausch zwischen Betrieb und den Telearbeitern sicherstellen. Auch ist die Benennung betrieblicher Ansprechpartner bei aktuellen oder fachlichen Problemen wünschenswert.

Literatur

  • Albrod, M.: Chancen und Risiken der Teleheimarbeit aus betriebsärztlicher Sicht. In: Arbeitsmedizin, Sozialmedizin, Umweltmedizin 35, 9 (2000)
  • Borghoff, B.-V., Stein, B.: Neue Formen der Büroarbeit bedeuten neue Belastungen und Anforderungen an Prävention. In: Arbeit & Ökologie - Briefe 2004
  • Knebelau, M., Bender, S., Spießbach, B.: Zeitmanagement für Telearbeiter. In: ErgoMed 6 (1999)
  • Oertel, B. u. a.: Auswirkungen von Telearbeit auf Gesundheit und Wohlbefinden. Schriftreihe der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Fb 973. Dortmund/Berlin/Dresden 2002
  • Ueberschär, I., Ueberschär, H.-J.: Telearbeiter/-arbeiterin. In: Arbeitsmedizin, Sozialmedizin, Umweltmedizin 36, 9 (2001)

Quellen

www.arbeit-und-gesundheit.de