Glossar

Arbeitsschutz, Arbeitsmedizin und Arbeitssicherheit

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Sicherheitstraining

Vor der Entwicklung eines Sicherheitstrainings muss festgelegt werden, welche Kompetenzen und Handlungsabläufe für die sichere Aufgabenbewältigung notwendig und hilfreich sind. Mit anderen Worten: Welcher Sollzustand wird bei den Trainingsteilnehmern angestrebt? Außerdem ist zu ermitteln, welche aufgaben- und sicherheitsrelevanten Kenntnisse, Kompetenzen etc. bei den Beschäftigten bereits vorhanden sind (Ist-Zustand). Aus dem Vergleich zwischen Ist- und Sollzustand ergeben sich die Qualifizierungsbereiche und -ziele des Trainings.

 

Bestandteil eines jeden Trainings ist das aktive Üben - die mehrfache Ausführung der zu verbessernden Fertigkeiten und Abläufe. Diese werden vorher vom Trainer erklärt und praktisch vorgeführt. Sicherheitstrainings haben sich vor allem für die Verbesserung von Fahr-, Steuer- und Überwachungstätigkeiten bewährt (z. B. Gabelstaplerfahrer, Elektrofachkräfte, Schaltwarte).

 

Sicherheitstrainings finden im so genannten Schonraum statt. Das Einüben des angestrebten Verhaltens ist hier ohne die Gefahren der echten Arbeitssituation möglich. Beim Trainieren besonders schwieriger Arbeitsaufgaben (z. B. Führen von Flugzeugen, Steuerung chemischer Anlagen, Manövrieren von Schiffen) werden als Schonräume oft Simulatoren verwendet. Durch deren Einsatz kann die Bewältigung kritischer Situationen mit hohem Gefährdungspotenzial (z. B. Triebwerksausfall, Störung im Kernkraftwerk, problematische Verkehrssituation beim Straßenbahnbetrieb) geübt werden. Es lassen sich sogar verschiedene Verhaltensweisen und deren Folgen ‚ausprobieren' - ohne dass es zu tatsächlichen Schadensereignissen mit katastrophalen Auswirkungen kommen kann. In der betrieblichen Praxis wäre das - allein schon wegen der geringen Auftretenshäufigkeit kritischer Situationen - natürlich nicht möglich.

 

Der Erfolg eines Sicherheitstrainings hängt u. a. davon ab, inwieweit die Trainingssituation (z. B. im Simulator) die reale Situation in ihren charakteristischen Merkmalen abbildet. Große Übereinstimmung zwischen Schonraum- und Ernstsituation erhöht die Transferleistung, das heißt die Übertragung des Gelernten auf den Arbeitsalltag.

 

Sicherheitstrainings gibt es seit vielen Jahren auch für Pkw- und Zweiradfahrer sowie für mehrere Zielgruppen aus Verkehrsberufen (Verkehrssicherheitstraining). Bei diesen Trainings geht es aber nicht um eine Verbesserung von Fertigkeiten zur Bewältigung akuter (fahrphysikalischer) Grenzsituationen. Vielmehr soll gezeigt werden, dass kritische Fahrsituationen sehr schnell entstehen können und in der Verkehrswirklichkeit kaum beherrschbar sind.

 

An Bedeutung zugenommen hat das so genannte mentale Training. Bei dieser Methode werden die zu erlernenden Handlungsabläufe vom Trainierenden nur vorgestellt und gedanklich ausgeführt (Trainieren im Geiste). Diese aus der Sportpsychologie stammende Methode wird mittlerweile auch in anderen Bereichen eingesetzt, so z. B. in der Aus- und Fortbildung von Piloten, Musikern und Chirurgen. Sie ist zusätzlich geeignet für die Verbesserung von Fahr- und Steuertätigkeiten.

 

Trainingsmaßnahmen sollten nach Möglichkeit auf ihre Wirksamkeit hin überprüft werden (Evaluation): In welchem Maß wurden die Trainingsziele erreicht und in welchem Zusammenhang stehen sie zur angestrebten Sicherheitserhöhung? Auch möglichen unerwünschten Trainingseffekten ist dabei nachzugehen. Ein solcher läge z. B. vor, wenn höheres Kompetenzbewusstsein und gesteigerte Kontrollüberzeugung auf Seiten des Beschäftigten zu höherer Risikobereitschaft führten.

Quellen

www.arbeit-und-gesundheit.de