Glossar

Arbeitsschutz, Arbeitsmedizin und Arbeitssicherheit

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Sicherheitsgeschirre

Auffanggurte (Abbildung)

bestehen aus Gurtbändern, die den Körper umfassen. Sie fangen bei bestimmungsgemäßer Benutzung abstürzende Personen auf, übertragen die auftretenden Kräfte auf geeignete Körperteile und halten den Körper in einer aufrechten Lage.

 

Haltegurte (Abbildung)

sind Teile der Persönlichen Schutzausrüstungen zum Halten, die aus Gurtbändern bestehen, die den Körper umschließen. Sie bewahren mit Verbindungsmitteln vor dem Abstürzen oder Abrutschen.

 

Haltegurte sind zum Auffangen abstürzender Versicherter ungeeignet. Haltegurte dürfen nur benutzt werden, wenn Versicherte damit so gehalten werden können, dass ein Absturz ausgeschlossen ist.

 

Rückhaltegurte (Abbildung)

werden in einer dem Haltegurt vergleichbaren Bauart oder mit zusätzlichen Schultergurtbändern angeboten. Für das Zurückhalten von einer Absturzkante ist ein Brustgurt ausreichend; für eine bessere Kraftverteilung auf dem Körper ist ein Gurt mit zusätzlichen Schultergurtbändern zu bevorzugen.

 

Rückhaltegurte dürfen benutzt werden, wenn Versicherte die Absturzkante nicht erreichen können oder bei Arbeiten auf Flächen mit nicht mehr als 45° Neigung gehalten oder beim Abrutschen gesichert werden, z. B. bei Arbeiten auf Böschungen, Dachflächen.

 

Mit dem Verbindungsmittel wird der Auffanggurt mit der Anschlageinrichtung verbunden. Es besteht aus Seilen, Gurtbändern oder Ketten.

 

Seilkürzer (mitlaufende Auffanggeräte) ermöglichen es, Verbindungsmittel bei jeder beliebigen Position der zu sichernden Person zur Anschlageinrichtung straff zu halten.

 

Falldämpfer verringern die bei einem Absturz auf die Person, den Gurt und die Anschlageinrichtung einwirkenden Kräfte.

 

Höhensicherungsgeräte (Abbildung)

fangen eine Person mit angelegtem Auffanggurt selbsttätig bremsend ab. Hierbei ist die Fallstrecke begrenzt und die auf den Körper einwirkenden Stoßkräfte werden gemindert. Solche Geräte gestatten ein freies Bewegen innerhalb des Auszugsbereiches des Seiles oder des Bandes.

 

Steigschutzeinrichtungen werden vorwiegend an Steigleitern oder Steigeisengängen angebracht. Sie bestehen aus frei beweglichen Fangeinrichtungen an Führungen, z. B. Schienen oder Seilen, und sichern Personen, die mit einem Auffanggurt und einer Zwischenverbindung an der Fangeinrichtung angeschlagen sind.

 

Als Anschlageinrichtungen stehen Anschlagpunkte und Anschlagkonstruktionen zur Verfügung. Bei der Benutzung von Falldämpfern muss die Tragfähigkeit der Anschlageinrichtung nach den technischen Baubestimmungen für eine statische Einzellast von 5 kN oder durch Prüfung (zwei Belastungsversuche mit 7,5 kN) nachgewiesen sein, soweit nicht vom Hersteller des Sicherheitsgeschirrs größere Kräfte vorgegeben werden.

 

Als Anschlagpunkte stehen u. a. zur Verfügung:

  • Ösenschrauben mit Dübelbefestigungen in Betonbauteilen
  • Ösenschrauben an Metallbauteilen
  • Sicherheitsdachhaken
  • Einzelanschlagpunkte über Schachtöffnungen, z. B. Dreibock.

 

Als Anschlagkonstruktionen werden z. B. Schienen oder gespannte Seile verwendet, an denen entweder direkt oder über eine Rolleinrichtung der Karabinerhaken des Verbindungsmittels zum Sicherheitsgeschirr befestigt wird.

 

Für die Benutzung eines Sicherheitsgeschirres ist vom Unternehmer eine Betriebsanweisung zu erstellen.

 

Beschädigte oder durch Absturz beanspruchte Sicherheitsgeschirre sind der Benutzung zu entziehen, bis ein Sachkundiger bzw. eine Befähigte Person der weiteren Benutzung zugestimmt hat.

 

Persönliche Schutzausrüstungen gegen Absturz sind entsprechend den Einsatzbedingungen und den betrieblichen Verhältnissen nach Bedarf, jedoch mindestens einmal jährlich, durch einen Sachkundigen bzw. durch eine Befähigte Person

auf ihren einwandfreien Zustand zu prüfen.</p> <p>&nbsp;</p> <p>Auffang- und Haltegurte dürfen, wenn sie nicht in Verbindung mit Steigschutzeinrichtungen oder Höhensicherungsgeräten benutzt werden, nur noch mit Falldämpfer verwendet werden.</p> <p>&nbsp;</p> <p>Persönliche Schutzausrüstungen gegen Absturz zählen zur Kategorie III der EG-Richtlinie 89/686/EWG. Sie unterliegen daher nicht nur einer Baumusterprüfung, sondern auch einer Produktionsüberwachung. Die Kennzeichnung erfolgt mit dem EG-Konformitätszeichen (Zeichen "CE" und die beiden Endziffern des Jahres, in dem das Zeichen angebracht wurde, und Kennnummer der Prüfstelle).</p>

Literatur

  • 9. Verordnung zum Geräte- und Produktsicherheitsgesetz (Maschinenverordnung - 9. GPSGV)
  • Verordnung über Arbeitsstätten (Arbeitsstättenverordnung - ArbStättV) (CHV 4)
  • Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Bereitstellung von Arbeitsmitteln und deren Benutzung bei der Arbeit, über Sicherheit beim Betrieb überwachungsbedürftiger Anlagen und über die Organisation des betrieblichen Arbeitsschutzes (Betriebssicherheitsverordnung - BetrSichV) (CHV 16)
  • UVV Bauarbeiten (BGV C 22) / (GUV-V C22)
  • UVV Leitern und Tritte (BGV D 36) / (GUV-V D36) / (VSG 2.3)
  • UVV Eigenbauarbeiten (LBG 2.7)
  • UVV Forsten (GUV-V C51) / (VSG 4.3)
  • UVV Gartenbau, Obstbau und Parkanlagen (VSG 4.2)
  • Bauarbeiten unter Tage (BGR 160)
  • Benutzung von persönlichen Schutzausrüstungen zum Retten aus Höhen und Tiefen (BGR 199) / (GUV-R 199)
  • Einsatz von persönlichen Schutzausrüstungen gegen Absturz (BGR 198) / (GUV-R 198)
  • Feuerfestbau (BGR 188)
  • Richtlinie 89/686/EWG des Rates vom 21. Dezember 1989 zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten für persönliche Schutzausrüstungen
  • TRBS 2121 Gefährdung von Personen durch Absturz - Allgemeine Anforderungen
  • DIN EN 353-1 Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz; Steigschutzeinrichtungen mit fester Führung
  • DIN EN 353-2 Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz, Mitlaufende Auffanggeräte an beweglicher Führung
  • DIN EN 354 Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz; Verbindungsmittel
  • DIN EN 355 Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz; Falldämpfer
  • DIN EN 358 Persönliche Schutzausrüstung für Haltefunktionen und zur Verminderung von Abstürzen; Arbeitsgurte
  • DIN EN 360 Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz; Höhensicherungsgeräte
  • DIN EN 361 Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz; Auffanggurte
  • DIN EN 362 Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz; Verbindungselemente
  • DIN EN 363 Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz; Auffangsysteme
  • DIN EN 364 Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz; Prüfverfahren
  • DIN EN 365 Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz; Allgemeine Anforderungen an Gebrauchsanleitungen
  • DIN EN 517 Sicherheitsdachhaken
  • DIN EN 795 Schutz gegen Absturz; Anschlageinrichtungen und Prüfverfahren
  • Haltegurte und Verbindungsmittel für Haltegurte (BGI 870)
  • Hochbauarbeiten (BGI 530)
  • Persönliche Schutzausrüstungen (BGI 515)
  • Persönliche Schutzausrüstungen gegen Absturz (BGI 748)
  • Auswahl, Ausbildung und Befähigungsnachweis von Sachkundigen für persönliche Schutzausrüstungen gegen Absturz (BGG 906)
  • CD-ROM: "BG-INFO - Die CD-ROM der BG BAU", Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft - Medien und Praxishilfen (Link)

Quellen

www.arbeit-und-gesundheit.de