Glossar

Arbeitsschutz, Arbeitsmedizin und Arbeitssicherheit

Das kostenlose Glossar zum Thema Arbeitsschutz. Finden Sie über 400 Begriffsklärungen und mehr als 1.200 Schlagwörter zu den Themen Arbeitssicherheit, Arbeitsmedizin, Betriebsanweisung, Betriebsarzt, Brandschutz, Gefährdungsbeurteilung, Gesundheitsförderung und vieles mehr.

Psychische Belastungen

Während die körperlichen Belastungen und die daraus resultierenden Beanspruchungen schon seit langer Zeit weitgehend von zahlreichen Arbeitsschutzvorschriften erfasst und von den Arbeitsschutzorganisationen zurückgedrängt wurden, gerieten psychische Belastungen und Stress erst in jüngerer Vergangenheit in das Blickfeld des Arbeitsschutzes. Es erhöhte sich zunehmend das Bewusstsein und die Erkenntnis, dass nicht nur Arbeitsmittel und -stoffe sowie viele andere physische Belastungen bei der Arbeit die Gesundheit schädigen und zu Unfallgefahren führen können, sondern auch psychische Fehlbelastungen und Stress solche ernsten Probleme zur Folge haben können. Neben verminderter Konzentrations- und Leistungsfähigkeit der Beschäftigten sind in entsprechenden Untersuchungen vermehrt Rückenschmerzen und Verkrampfungen festgestellt worden. Psychische Belastungen können z. B. auch die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Magen-Darm-Geschwüren erhöhen. Auch Hörsturz und Tinnitus werden im Zusammenhang mit psychischen Fehlbelastungen erwähnt. Nach Schätzungen der Europäischen Kommission verursacht arbeitsbedingter Stress in der EU (der 15 Staaten) jährlich Kosten in Höhe von mindestens 20 Milliarden Euro.

 

Unter starken psychischen Beanspruchungen können ganz unterschiedliche Berufsgruppen leiden, so z. B. Beschäftigte an Arbeitsplätzen mit komplizierten Fahr- und Überwachungstätigkeiten (z. B. Fahrpersonal, Schaltwartenpersonal) oder Mitarbeiter in Call-Centern. Auch Beschäftigte im Gesundheits- und Sozialwesen sowie im Bildungswesen können in hohem Maße betroffen sein.

 

Mögliche Ursachen für psychische Belastungen am Arbeitsplatz können z. B. sein:

  • Über- oder Unterforderungen der Leistungsfähigkeit (auch Zeitdruck, Monotonie, Informationsüberfluss oder -mangel)
  • Unklarheiten bei der Arbeitsaufgabe (auch ungerechte Arbeitsverteilung)
  • mangelhafte Einweisung und Schulung; schlechte Aus- und Fortbildung
  • unbefriedigende Berufsentwicklung (zu wenig Aufstiegsmöglichkeiten)
  • Angst um den Arbeitsplatz (Arbeitsplatzverlust, Rückstufung)
  • empfundene Sinnlosigkeit des Arbeitsauftrags
  • Dauerärger infolge schlechter Arbeitsorganisation (mangelhafte Materialzulieferung, organisatorische Reibungsstellen)
  • Konflikte mit Vorgesetzten und Untergebenen (Führungsschwächen, Kommunikationsstörungen, empfundene Ungerechtigkeiten)
  • Probleme mit Kollegen (sexuelle Belästigungen, Ausgrenzung durch Kollegen) bis hin zum Mobbing
  • Probleme im Privatleben.

 

Auffällige Störungen des Betriebsklimas können Hinweise auf psychische Belastungen bei den Beschäftigten sein, z. B. eine kurzfristige Häufung von Krankmeldungen in Arbeitsgruppen und Abteilungen, eine allgemeine Erhöhung des Krankenstandes, verstärkter Alkoholmissbrauch oder vermehrte Kündigungen.

 

Weil psychische Fehlbelastungen und Stress bei der Arbeit nachteilige Auswirkungen auf die Arbeitssicherheit und die Gesundheit der Beschäftigten haben können, ist es wichtig, im Betrieb entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Dabei lässt sich zwischen belastungsorientierten und ressourcenorientierten Ansätzen unterscheiden.

 

Belastungsorientierte Ansätze zielen darauf ab, die Belastung zu reduzieren, z. B. durch eine Verbesserung der Arbeitsorganisation, der Arbeitsumgebung und der Gestaltung des Arbeitsplatzes sowie der Arbeitsmittel. Bei den ressourcenorientierten Ansätzen geht es darum, den Umgang der Beschäftigten mit den Belastungen zu verbessern. Dazu gehören z. B. Kompetenztraining, Schulung und Fortbildung.

 

Vor der Durchführung entsprechender Schritte ist eine sorgfältige Analyse der Belastungssituation erforderlich. Zur Erstellung von Belastungsprofilen und Analysen stehen psychologische Verfahren und Instrumente zur Verfügung. Ihre Anwendung erfordert Sachkenntnis und die Zusammenarbeit mit Arbeits- und Organisationspsychologen sowie weiteren Experten. Es gibt aber auch Hilfsmittel, die ungeschulten Nutzern eine erste grobe Einschätzung der Belastungssituation ermöglichen, z. B. von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). Es versteht sich von selbst, dass die betroffenen Mitarbeiter an dem Prozess der Analyse und Verminderung der Belastung aktiv beteiligt werden müssen.

Literatur

  • TRBS 1151 Gefährdungen an der Schnittstelle Mensch-Arbeitsmittel - Ergonomische und menschliche Faktoren
  • Arbeiten: Entspannt - gemeinsam - besser (BGI 7010)
  • Mensch und Arbeitsplatz (BGI 523)
  • Stress, Heft 13 der Reihe Arbeit und Gesundheit Basics, hrsg. v. der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, Universum Verlag, Wiesbaden 2005 (BGI 597-13)
  • Wohl fühlen am Arbeitsplatz, Heft 23 der Reihe Arbeit und Gesundheit Basics, hrsg. v. der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, Universum Verlag, Wiesbaden 2002 (BGI 597-23)
  • "Es ist, als ob die Seele unwohl wäre ..." Depression - Wege aus der Schwermut, hrsg. v. Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Berlin 2006
  • Einführung in die Gefährdungsbeurteilung für Führungskräfte - Praxisleitfaden für die Erstbeurteilung von Arbeitsbedingungen, hrsg. v. der Unfallkasse Hessen, Frankfurt a. M. 2007
  • Ermittlung psychischer Fehlbelastungen am Arbeitsplatz und Möglichkeiten der Prävention. Länderausschuss für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik (Hrsg.), LV 31, 2003 (Link)
  • Gewalt und Aggressionen in Betreuungsberufen, hrsg. v. der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW), Hamburg 2005
  • Lexikon der Psychologie, Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2002 (Link)
  • Psychische Belastung und Beanspruchung im Berufsleben. Erkennen - Gestalten, hrsg. v. der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Dortmund 2006
  • Elliehaussen, H.-J., u. a.: Stress und Arbeitsunfall. In: Die BG, Dezember 2002
  • Europäische Kommission - Generaldirektion Beschäftigung und Soziales: Stress am Arbeitsplatz. Ein Leitfaden. Würze des Lebens - oder Gifthauch des Todes? (Link)
  • Tönnies, S.: Mentales Training für geistig-seelische Fitness. Asanger-Verlag, Kröning 2006
  • Udris, I./Frese, M.: Belastung und Beanspruchung. In: Graf Hoyos, C./Frey, B. (Hrsg.): Arbeits- und Organisationspsychologie, Beltz Psychologie Verlagsunion, Weinheim 1999
  • Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (Informationsangebot der europäischen Agentur) (Link)
  • International Labour Organization (ILO), Safe Work, Genf (Link)
  • Prävention-online. Der unabhängige Marktplatz für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz, Umweltschutz und Qualität (Link)
  • Psychische Erkrankungen im Arbeitsleben, Online-Dossier der Landesunfallkasse Nordrhein-Westfalen, November 2006
  • Psychische Fehlbelastung / Stress - Online-Informationen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA)
  • Toolbox "Instrumente zur Erfassung psychischer Belastungen" der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Quellen

www.arbeit-und-gesundheit.de