Glossar

Arbeitsschutz, Arbeitsmedizin und Arbeitssicherheit

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Mobbing

Mobbing kann psychisch sehr stark belasten. Es verursacht Stress, der zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen kann. Dazu zählen körperliche Beschwerden wie Magengeschwüre und Darmkrankheiten, Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems oder Kopfschmerzen. Hinzu kommen psychische Probleme wie Angstzustände, Depressionen, paranoide Zustände (Verfolgungswahn) und Suizidgedanken. Am Ende des Mobbingprozesses stehen nicht selten Versetzung oder Kündigung, längerfristige Krankschreibung oder sogar die Frühverrentung des betroffenen Mitarbeiters.

 

Mobbing beeinträchtigt auch die Produktivität des Gesamtunternehmens. Hohe Fehlzeiten, Versetzungen, Neueinstellungen und die Vergiftung des Betriebsklimas stellen Störungen dar. Mobbingtäter verwenden einen Großteil ihrer Arbeitszeit auf Planung und Durchführung ihrer Schikanen und "Psychokriege".

 

Es gibt unterschiedliche Angaben zur Häufigkeit, mit der Mobbing in der Arbeitswelt auftritt. Je nach zu Grunde gelegter Definition fallen diese Zahlen sehr unterschiedlich aus. Das Auftreten von Mobbing hängt von einer Vielzahl sich gegenseitig hemmender und/oder fördernder Ursachen und Einflussgrößen ab. Von entscheidender Bedeutung ist das allgemeine geistige und soziale Betriebsklima. Vorgesetzte, die eine Ellenbogenmentalität ihrer Mitarbeiter fördern, die Beförderungen nach Gutdünken vornehmen und die es wegen ihrer eigenen Unsicherheit gerne sehen, wenn sich nachgeordnete Mitarbeiter bekriegen, schaffen eine Atmosphäre, in der sich Intrigen und Gegenintrigen leicht entwickeln können.

 

Mobbing fördernd ist es auch, wenn Verantwortungsbereiche und Kompetenzen nicht klar gekennzeichnet sind und sich bei Mitarbeitern durch die Art der Personalführung Verantwortungsgefühl und Identifikation mit dem Unternehmen nicht entwickeln können. Ein Führungsstil, der die Bedürfnisse der Mitarbeiter nach Kreativität, Selbstentfaltung und Einsatz von Ressourcen nicht ernst nimmt, gehört ebenso zu den Ursachen. Auch produktionsbedingte Engpässe und Störungen im Produktionsablauf können Ärger und Stress erhöhen und die Suche nach einem "Sündenbock" fördern.

 

Es gibt viele Motive für Mitarbeiter, einem anderen schaden zu wollen. Es kann sich um Angst vor Image- und Autoritätsverlust handeln oder um den Versuch, die Position des anderen einzunehmen. Auch das Opfer selbst kann durch sein Auftreten Anlass für Mobbingangriffe bieten. Zu nennen sind mangelnde Kooperationsbereitschaft, Aggressionen oder das Zurückhalten von Informationen.

 

Die Entwicklung und Pflege einer mobbingfeindlichen Unternehmensphilosophie stellt ein wesentliches Mittel zur Abhilfe dar. Das schließt Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitszufriedenheit und des Betriebsklimas ein. Die Führungskräfte sollten einen kooperativen Führungsstil praktizieren, Personalentwicklung betreiben, Mitarbeiter informieren und - im Rahmen betrieblicher Möglichkeiten und Erfordernisse - in Entscheidungen einbeziehen. Konfliktträchtige Organisationsstrukturen sollten abgebaut werden, etwa durch Schaffung klarer Verantwortlichkeiten. Wichtig ist auch zu ermitteln, ob Mobbing ein Problem im Betrieb ist. Hier kann eine anonyme schriftliche Befragung helfen.

 

Eine Sensibilisierung der Belegschaft für das Thema bei Besprechungen oder Personalversammlungen kann helfen, Mobbingphänomene zu entdecken und anzugehen. Es lassen sich auch Anlaufstellen oder Antimobbing-Arbeitskreise schaffen, an die sich Betroffene wenden können. Betriebsvereinbarungen und die Durchführung von Antimobbing-Programmen, bestehend aus Führungskräftetraining, Maßnahmen zur Weiterentwicklung von Mitarbeitern und zur Verbesserung der Arbeitssituation, sind ebenso zu nennen. Betriebs- und Personalräte können ihre rechtlichen Instrumentarien ausschöpfen, etwa das Betriebsverfassungs- und Personalvertretungsgesetz.

 

Es gibt eine Vielzahl von Organisationen und Institutionen mit Beratungs- und Hilfsangeboten gegen Mobbing im Betrieb. Dazu zählen Krankenkassen, Gewerkschaften und Kirchen sowie Selbsthilfegruppen von Mobbingopfern.

Literatur

  • Arbeiten: Entspannt - gemeinsam - besser (BGI 7010)
  • "Es ist, als ob die Seele unwohl wäre ..." Depression - Wege aus der Schwermut, hrsg. v. Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Berlin 2006
  • Gegen Mobbing. Länderausschuss für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik (Hrsg.), LV 34, 2003 (Link)
  • Mobbing am Arbeitsplatz, hrsg. v. der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Dortmund 1998
  • Leymann, H. (Hrsg.): Der neue Mobbing-Bericht. Erfahrungen und Initiativen, Auswege und Hilfsangebote, Rowohlt Verlag, Hamburg 1996
  • Meschkutat, B., u. a.: Der Mobbing-Report. Eine Repräsentativstudie für die Bundesrepublik Deutschland, Dortmund, Berlin 2002
  • Schauer, R.: Mobbing. Kostspielige Kränkungen am Arbeitsplatz, Universum Verlag, Wiesbaden 1998 (Link)
  • Windemuth, D., u. a.: Grundlagen der Definition von Mobbing. In: Die BG, Februar 2003
  • Zapf, D.: Mobbing - eine extreme Form sozialer Belastungen in Organisationen. In: Musahl, H.-P./Eisenhauer, T. (Hrsg.): Psychologie der Arbeitssicherheit, S.142-149. Asanger-Verlag, Kröning 2000
  • Zuschlag, B.: Mobbing, Schikane am Arbeitsplatz, Göttingen 1997
  • Praxishilfen: Arbeit. Gesundheit. Leben. Informationen und Download-Angebote der Bergbau- und Steinbruchs-Berufsgenossenschaft zu wichtigen Präventions-Themen (Link)
  • Sozialnetz Hessen (Link)

Quellen

www.arbeit-und-gesundheit.de