Glossar

Arbeitsschutz, Arbeitsmedizin und Arbeitssicherheit

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Mentales Training

In Unternehmen ist der Begriff Training als Methode in vielen Bereichen der Aus- und Weiterbildung anzutreffen. Auch im Arbeitsschutz formulieren Unternehmen Sicherheitsgrundsätze, in denen Training als wesentliches Element der Zielerreichung definiert wird.

 

Es ist Aufgabe jedes Unternehmens, den Beschäftigten ein gefahrenspezifisches und situationsangemessenes sicheres Handeln zu vermitteln. Kompetenz zum sicheren Handeln in Gefahrensituationen kann nicht von jedem Beschäftigten, nicht an jedem Ort und nicht zu jedem Zeitpunkt unmittelbar erwartet werden. Der Mensch hat nur begrenzte Möglichkeiten und Kapazitäten in seiner Informationsverarbeitung, vor allem bei schnell ablaufenden und komplexen Vorgängen. Im Arbeitsprozess auftretende Gefährdungen sind oft komplex und die potenziell gefährlichen Wirkmechanismen und Situationsabläufe sind für den mit individuell unterschiedlicher Vorerfahrung ausgestatteten Beschäftigten nicht immer vorhersehbar.

 

Ein Sicherheitstraining für gefährliche Tätigkeiten ist geeignet, zuverlässiges, sicheres Gewohnheitsverhalten zu fördern. In der Praxis wenden Unternehmen im Arbeitsschutz - über Notfall-, Erste-Hilfe-, Atemschutz- oder Brandschutzübungen hinaus - allerdings selten ausgewiesene Trainingsmethoden an. Stattdessen wird belehrt und unterwiesen, häufig im "Frontalunterricht", dessen Wirksamkeit umstritten ist.

 

Die Vier-Stufen-Methode der Arbeitsunterweisung (REFA) gilt in Deutschland als Standardmethode der Unterweisung. Sie besteht aus den didaktischen Elementen:

  • Vorbereiten
  • Vormachen
  • Nachmachen lassen und korrigieren
  • Selbstständig üben lassen und beobachten.

 

Die Unterweisungsschritte "nachmachen lassen" und "selbstständig üben lassen" sind die aktiven Trainingselemente dieser Methode, "vorbereiten" und "vormachen" für den Lernenden die mentalen.

 

Die Zielsetzung des Unterweisens ist handlungsorientiert: Der Mitarbeiter soll nicht nur Kenntnisse erwerben, sondern auch zuverlässig und sicher handeln. Letzteres bedarf des Handelns in der Unterweisungssituation. Sollen sicherheitswidrige Gewohnheiten erkannt und korrigiert, Zuverlässigkeit in der Tätigkeitsausführung erreicht werden, ist Trainieren als wesentlicher Teil der Unterweisung unverzichtbar.

 

In der Industrie bestehen gegen Trainingskonzepte im Arbeits- und Gesundheitsschutz grundsätzlich keine Einwände. Bei hochkomplizierten technischen Systemen (Flugzeug, Kernkraftwerk, Prozessleitungssystem) wird heute zunehmend an Simulatoren (Trainingsprogramme in Übungszentren, z. B. an einem Großkraftwerksmesswarten-Simulator) trainiert. Da dies sehr kostenintensiv ist, findet Simulationstraining meistens nur dort Anwendung, wo die potenziellen Folgen von Handlungsfehlern zuverlässig ausgeschlossen werden müssen. Ein für Fahrtraining entwickelter Gabelstaplerfahrsimulator wird ebenfalls gelegentlich eingesetzt.

 

Auch im Bereich des Straßenverkehrs und des innerbetrieblichen Verkehrs haben sich Trainingsmaßnahmen (fahrpraktische Übungen, aber auch Simulatoren) bewährt.

 

In großen Betrieben und bei Beratungsinstitutionen setzen sich zunehmend Unterweisungskonzepte durch, die neben der Kenntnisvermittlung immer differenziertere Trainingsmethoden (komplexe Fallbeispiele, Übungen, Rollenspiele) einsetzen.

Literatur

  • Burkardt, F./Colin, I.: Zur Sicherheit führen. Motivation im Arbeitsschutz, Universum Verlag, Wiesbaden 1997 (Link)
  • Graf Hoyos, C.: Psychologische Unfall- und Sicherheitsforschung, Kohlhammer Verlag, Stuttgart 1980
  • Ludborzs, B.: Lernzielplanung als Basis für den Einsatz von Methoden der Simulation und des mentalen Trainings. In: Gärtner, K.-P. (Hrsg.): Ausbildung mit Simulatoren. DGLR-Bericht 94-03, Bremen 1994
  • Schneider, H./Hoppe, B.: Unterweisung in Handwerk und Industrie. Beispiele - Methoden - Tipps. Mit CD-ROM, 6. Aufl., Universum Verlag, Wiesbaden 2003 (Link)
  • Schröder, O. E.: Mehr Sicherheit im Betrieb durch Objektgestaltung und Verhaltenssteuerung - zur Psychologie der Arbeitssicherheit im betrieblichen Alltag, Eigendruck, Bochum 1992

Quellen

www.arbeit-und-gesundheit.de