Mentales Training

Mit dem Begriff Training (Übung) wird eine große Anzahl sehr unterschiedlicher Lernvorgänge bezeichnet, denen eine betont handlungsorientierte Zielsetzung gemein ist.

Aktives und Mentales Training

"Aktives Training ist motorisches Training im engeren Sinne, das heißt planmäßig wiederholte gezielte Übungen zur bewegungsmäßigen Fertigkeit." (REFA, 1989)

"Mentales Training ist die planmäßig wiederholte gezielte Einbeziehung der Denk- und Vorstellungstätigkeit in das Lernen berufspraktischer Fertigkeiten." (REFA, 1989)

Bei einem Simulationstraining z. B. dominieren eher mentale Trainingselemente, in einer Brandschutzübung dagegen aktive Trainingselemente.

Methodisches Element des Trainings

Als wesentliches methodisches Element des Trainings gilt das, was in der Alltagssprache als "learning by doing" bezeichnet wird. In der Technik hat sich der Begriff Training für den Lernprozess von Arbeitsgewohnheitsverhalten und noch mehr von Automatismen herausgebildet. Durch Training werden die Funktionen von Werkzeugen, Arbeitsmitteln, Anlagen und Hilfssystemen mit den Möglichkeiten der Motorik des menschlichen Bewegungsapparats verknüpft.

Charakteristisch hierbei ist, dass in der Anfangsphase der Trainierende mit höchster Konzentration bewusst handeln muss und sich erst nach und nach die Routinen oder automatischen Reaktionen, d. h. die unmittelbare Wirkung zwischen Anforderungssignal und Handlung, einstellen. So ist z. B. der Konzentrationsaufwand zu Anfang des Lernprozesses "Maschinenschreiben" ungleich größer und für den Anfänger schwieriger als das Schreiben von Hand. Erst mit zunehmendem Training kehrt sich diese Erscheinung um.

Ein Beispiel hierfür ist der Trainingsprozess zur Erlernung des Zusammenspiels der menschlichen Funktionsorgane beim Autofahren. Am Anfang ist jeder Fahrschüler bis zur Grenze seiner Konzentrationsfähigkeit damit ausgelastet, das Zusammenwirken der Bedienungsorgane in sich aufzunehmen. Der routinierte Autofahrer bedient dagegen die Funktionsteile des Autos praktisch unbewusst und damit automatisch.

Der Begriff Training im Unternehmen

In Unternehmen ist der Begriff Training als Methode in vielen Bereichen der Aus- und Weiterbildung anzutreffen. Auch im Arbeitsschutz formulieren Unternehmen Sicherheitsgrundsätze, in denen Training als wesentliches Element der Zielerreichung definiert wird.

Es ist Aufgabe jedes Unternehmens, den Beschäftigten ein gefahrenspezifisches und situationsangemessenes sicheres Handeln zu vermitteln. Kompetenz zum sicheren Handeln in Gefahrensituationen kann nicht von jedem Beschäftigten, nicht an jedem Ort und nicht zu jedem Zeitpunkt unmittelbar erwartet werden. Der Mensch hat nur begrenzte Möglichkeiten und Kapazitäten in seiner Informationsverarbeitung, vor allem bei schnell ablaufenden und komplexen Vorgängen. Im Arbeitsprozess auftretende Gefährdungen sind oft komplex und die potenziell gefährlichen Wirkmechanismen und Situationsabläufe sind für den mit individuell unterschiedlicher Vorerfahrung ausgestatteten Beschäftigten nicht immer vorhersehbar.

Sicherheitstrainings in Unternehmen

Ein Sicherheitstraining für gefährliche Tätigkeiten ist geeignet, zuverlässiges, sicheres Gewohnheitsverhalten zu fördern. In der Praxis wenden Unternehmen im Arbeitsschutz - über Notfall-, Erste-Hilfe-, Atemschutz- oder Brandschutzübungen hinaus - allerdings selten ausgewiesene Trainingsmethoden an. Stattdessen wird belehrt und unterwiesen, häufig im "Frontalunterricht", dessen Wirksamkeit umstritten ist.

Vier-Stufen-Methode der Arbeitsunterweisung

Die Vier-Stufen-Methode der Arbeitsunterweisung (REFA) gilt in Deutschland als Standardmethode der Unterweisung. Sie besteht aus den didaktischen Elementen:

  • Vorbereiten
  • Vormachen
  • Nachmachen lassen und korrigieren
  • Selbstständig üben lassen und beobachten.

Die Unterweisungsschritte "nachmachen lassen" und "selbstständig üben lassen" sind die aktiven Trainingselemente dieser Methode, "vorbereiten" und "vormachen" für den Lernenden die mentalen.

Zielsetzung des Unterweisens

Die Zielsetzung des Unterweisens ist handlungsorientiert: Der Mitarbeiter soll nicht nur Kenntnisse erwerben, sondern auch zuverlässig und sicher handeln. Letzteres bedarf des Handelns in der Unterweisungssituation. Sollen sicherheitswidrige Gewohnheiten erkannt und korrigiert, Zuverlässigkeit in der Tätigkeitsausführung erreicht werden, ist Trainieren als wesentlicher Teil der Unterweisung unverzichtbar.

In der Industrie bestehen gegen Trainingskonzepte im Arbeits- und Gesundheitsschutz grundsätzlich keine Einwände. Bei hochkomplizierten technischen Systemen (Flugzeug, Kernkraftwerk, Prozessleitungssystem) wird heute zunehmend an Simulatoren (Trainingsprogramme in Übungszentren, z. B. an einem Großkraftwerksmesswarten-Simulator) trainiert. Da dies sehr kostenintensiv ist, findet Simulationstraining meistens nur dort Anwendung, wo die potenziellen Folgen von Handlungsfehlern zuverlässig ausgeschlossen werden müssen. Ein für Fahrtraining entwickelter Gabelstaplerfahrsimulator wird ebenfalls gelegentlich eingesetzt.

Auch im Bereich des Straßenverkehrs und des innerbetrieblichen Verkehrs haben sich Trainingsmaßnahmen (fahrpraktische Übungen, aber auch Simulatoren) bewährt.

In großen Betrieben und bei Beratungsinstitutionen setzen sich zunehmend Unterweisungskonzepte durch, die neben der Kenntnisvermittlung immer differenziertere Trainingsmethoden (komplexe Fallbeispiele, Übungen, Rollenspiele) einsetzen.

Literatur

  • Burkardt, F./Colin, I.: Zur Sicherheit führen. Motivation im Arbeitsschutz, Universum Verlag, Wiesbaden 1997 (Link)
  • Graf Hoyos, C.: Psychologische Unfall- und Sicherheitsforschung, Kohlhammer Verlag, Stuttgart 1980
  • Ludborzs, B.: Lernzielplanung als Basis für den Einsatz von Methoden der Simulation und des mentalen Trainings. In: Gärtner, K.-P. (Hrsg.): Ausbildung mit Simulatoren. DGLR-Bericht 94-03, Bremen 1994
  • Schneider, H./Hoppe, B.: Unterweisung in Handwerk und Industrie. Beispiele - Methoden - Tipps. Mit CD-ROM, 6. Aufl., Universum Verlag, Wiesbaden 2003 (Link)
  • Schröder, O. E.: Mehr Sicherheit im Betrieb durch Objektgestaltung und Verhaltenssteuerung - zur Psychologie der Arbeitssicherheit im betrieblichen Alltag, Eigendruck, Bochum 1992

Quellen

www.arbeit-und-gesundheit.de

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