Glossar

Arbeitsschutz, Arbeitsmedizin und Arbeitssicherheit

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Medikamente

Im Bereich der Betriebe ist zu beachten, dass bei betriebsspezifischen Gefahren, z.B. im Hinblick auf das Einwirken gefährlicher chemischer Stoffe, geeignete Medikamente zum Erste-Hilfe-Material gehören können. Sie sind allerdings zur ausschließlichen Verfügung durch speziell eingewiesenes Personal oder einen Arzt bereitzuhalten.

 

Beim betrieblichen Umgang mit Medikamenten können in Abhängigkeit von den enthaltenen Wirkstoffen, der jeweiligen Darreichungsform und der verwendeten Menge Gesundheitsgefahren für die Beschäftigten auftreten. Deshalb hat der Unternehmer in Betrieben des Gesundheitswesens, in denen aus betrieblichen Gründen mit Medikamenten immer umgegangen wird, dafür zu sorgen, dass gesundheitsschädigende Einwirkungen von Medikamenten, Hilfsstoffen der Medizin und Desinfektionsmitteln auf die Beschäftigten verhindert werden.

 

Aber auch in allen anderen Betrieben müssen gegebenenfalls Nebenwirkungen (Abbildung) von Medikamenten beachtet werden, die von den Beschäftigten aus privaten Gründen eingenommen werden. Zahlreiche Medikamente vermindern die Leistungsfähigkeit des Menschen. Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung und Warnhinweise finden sich auf den Beipackzetteln unter der Überschrift: "Was müssen Sie im Straßenverkehr sowie bei der Arbeit mit Maschinen und bei Arbeiten ohne sicheren Halt beachten?". Beispielsweise kann nach der Einnahme die Wahrnehmungs- und Reaktionsfähigkeit beeinträchtigt sein, wodurch besondere Gefahren bei der Bedienung von Maschinen, bei Arbeiten ohne sicheren Halt und beim Fahren von Autos und anderen Fahrzeugen entstehen können.

 

Beruhigungsmittel können die Leistungs- und Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen. Schlafmittel können auch am nächsten Tag noch nachwirken. Erkältungsmittel enthalten oft Codein, dessen beruhigende Wirkung bei der Arbeit und im Straßenverkehr beachtet werden muss. Aufputschmittel und andere psychoaktive Medikamente führen zu einer Überschätzung der eigenen Kräfte. Auch Medikamente gegen Allergien, zur Blutdrucksenkung, zur Blutzuckersenkung, zur örtlichen Betäubung, zur Narkose und zur Schmerzbekämpfung haben unterschiedliche Nebenwirkungen, die sich am Arbeitsplatz und im Straßenverkehr auswirken können.

 

In Verbindung mit Alkoholkonsum wirken viele Medikamente außerdem als "Rauschverstärker". Alkoholbedingte Ausfallerscheinungen können bei gleichzeitiger Medikamenteneinnahme verstärkt auftreten. Das gilt insbesondere für Schlaf- und Aufputschmittel sowie für Beruhigungsmittel. Manche Medikamente enthalten selbst Alkohol. Hier ist der zusätzliche Konsum von Alkohol besonders problematisch.

 

Auch wenn viele Medikamente nicht direkt am Arbeitsplatz eingenommen werden, können sie während der Arbeitszeit und auf dem Arbeitsweg negative Auswirkungen haben. Verkehrsunfälle, die auf die Einnahme von Medikamenten zurückzuführen sind, werden rechtlich genauso wie Alkoholunfälle bewertet.

 

Die möglichen Nebenwirkungen von Medikamenten müssen berücksichtigt werden, wenn sie vor oder bei der Arbeit eingenommen werden. Jeder Beschäftigte ist zunächst selbst verantwortlich für sich und muss abschätzen, ob er seine Arbeit ohne Gefährdung ausführen kann, wenn er Medikamente einnehmen muss, für die Warnhinweise gelten. Das gilt insbesondere für Fahr-, Steuer- und Überwachungstätigkeiten, bei denen volle Wahrnehmungs- und Reaktionsfähigkeit erforderlich ist. Gefährdungen können sich für den Beschäftigten selbst, aber auch für andere Personen ergeben. Da nur der Beschäftigte weiß, welche Medikamente er einnimmt, muss er im Zweifelsfall seinen Vorgesetzten ansprechen und auf seine mögliche Beeinträchtigung hinweisen.

 

Die Vorgesetzten sollten beim Einweisungsgespräch und bei den regelmäßigen Unterweisungen an gefährlichen Arbeitsplätzen darauf aufmerksam machen, dass die Einnahme von Medikamenten, die einen Warnhinweis enthalten, problematisch sein kann und dass der Beschäftigte in diesem Fall den zuständigen Vorgesetzten informieren sollte. Eventuell kann für die Zeit der Medikamenteneinnahme ein weniger gefährlicher Arbeitsplatz gefunden oder der Arbeitsplatz zusätzlich gesichert werden.

 

Jeder Vorgesetzte muss in seinem Bereich auf Ausfallerscheinungen bei seinen Mitarbeitern achten und verhindern, dass Beschäftigte weiterarbeiten, die nicht mehr in der Lage sind, ihre Arbeit ohne Gefahr für sich oder andere auszuführen.

 

Der Medikamentenmissbrauch stellt wegen der Dauereinnahme ein besonderes Problem dar. Wie der übermäßige Alkoholkonsum ist auch diese Form des Missbrauchs weit verbreitet. Es wird geschätzt, dass etwa 5 % der erwachsenen Bevölkerung Beruhigungsmittel, weitere 5 % Schmerzmittel und rund 2 % Schlafmittel regelmäßig einnehmen. Hinzu kommen viele Aufputschmittel. Auch Appetitzügler sind hier zu nennen. Alle diese Mittel können die Leistungs- und Reaktionsfähigkeit, insbesondere bei regelmäßiger Einnahme, beeinträchtigen und deshalb die Unfallgefährdung vergrößern. Den Vorgesetzten muss die mögliche Gefährdung durch Medikamente bekannt sein; sie müssen sie bei ihren Entscheidungen berücksichtigen.

 

Die Übergänge von der medizinisch notwendigen Einnahme von Medikamenten zum Missbrauch sind fließend. Die Gründe für den Missbrauch können in vielfältigen privaten und beruflichen Belastungen, aber auch in der persönlichen Disposition liegen. Folge eines Medikamentenmissbrauchs kann sogar eine Medikamentensucht mit körperlicher und seelischer Abhängigkeit von steigenden Medikamentendosen sein. Es wird geschätzt, dass es in Deutschland etwa 1 Million Medikamentenabhängige gibt.

 

Abhilfemaßnahmen des Betriebes sind neben den erwähnten regelmäßigen Unterweisungen in einer aktiven betrieblichen Gesundheitsförderungspolitik zu sehen. Gesundheitszirkel sollten sich dieser Frage annehmen. Auch die Suchtkrankenhilfe ist angesprochen. Vorgesetzte, Fachkräfte für Arbeitssicherheit, Betriebsärzte, Betriebsräte und, soweit vorhanden, Betriebspsychologen müssen zusammenwirken.

Literatur

  • UVV Grundsätze der Prävention (BGV A 1) / (GUV-V A1) / (VSG 1.1 Allgemeine Vorschriften für Sicherheit und Gesundheitsschutz)
  • UVV Zubereitungen aus Salpetersäureestern für Arzneimittel (BGV D 35)
  • Grundsätze der Prävention (BGR A 1) / (GUV-R A1)
  • Suchtmittelkonsum im Betrieb (BGI 799)
  • Qualitätsstandards in der betrieblichen Suchtprävention und Suchthilfe, hrsg. v. der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS), Hamm 2006
  • Suchtprobleme im Betrieb. Alkohol, Medikamente, illegale Drogen, hrsg. v. Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR), 2005 (Link)

Quellen

www.arbeit-und-gesundheit.de