Glossar

Arbeitsschutz, Arbeitsmedizin und Arbeitssicherheit

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Manipulation an Schutzeinrichtungen

Bei den untersuchten Metall verarbeitenden Maschinen wurden Bearbeitungszentren sowie CNC-Drehmaschinen und CNC-Fräsmaschinen besonders häufig manipuliert. Außerdem zeigte sich, dass Manipulationen kein veraltetes Problem sind. Es sind eher Maschinen neueren Baujahrs, die manipuliert werden. In der Hälfte der Fälle sind die Maschinen auch mit einem CE-Zeichen versehen. Es gibt sogar Maschinen, bei denen eine Manipulation für bestimmte Betriebsarten wie Störungsbeseitigung oder Wartung notwendig ist. Bei diesen Maschinen werden häufig bewegliche, trennende Schutzeinrichtungen eingesetzt. Die Positionsschalter sind oft leicht zugänglich montiert und auch schnell ausbaubar. Besonders Positionsschalter mit getrenntem Betätiger werden manipuliert, indem der Betätiger demontiert und in das Schaltergehäuse gesteckt wird.

 

Insgesamt zeigt sich, dass die

Ergonomie

der Maschinen häufig schlecht ist. Bediener klagen vor allem über Sichteinschränkungen und verlangsamtes Arbeitstempo. Schutzkonzepte, die den Arbeitsprozess nicht verlangsamen und damit die Produktivität einschränken, scheinen noch nicht weit verbreitet zu sein. Dabei kann gerade hier die Prävention im technischen Bereich ansetzen: Gelingt es, bereits bei der Konstruktion der Maschine ein durchgängiges Bedien- und Sicherheitskonzept zu verwirklichen, wird der Maschinenbediener nicht den Wunsch haben, zu manipulieren.

 

Neben ergonomischen Problemen, wie Sichteinschränkung und Verlangsamung des Arbeitsprozesses, spielen auch psychologische Faktoren bei der Manipulation von Schutzeinrichtungen eine wichtige Rolle. Manipulierte Maschinen werden in vielen Betrieben geduldet. Das heißt, negative Konsequenzen fehlen. Im Gegenteil haben Manipulationen oft positive Konsequenzen, wenn z. B. schneller gearbeitet werden kann. Außerdem sind Schutzeinrichtungen in der Regel leicht und ohne großen Aufwand außer Kraft zu setzen.

 

Verhaltenstheoretische Modelle gehen davon aus, dass positive Konsequenzen auf ein Verhalten zu einer Steigerung, negative Konsequenzen dagegen zu einer Reduzierung des Verhaltens führen. Positive Konsequenzen führen also eher zu einer Steigerung der Manipulationen. Umgekehrt führt die Arbeit mit ordnungsgemäßen Schutzeinrichtungen eher zu negativen Verhaltenskonsequenzen. Somit sinkt die Wahrscheinlichkeit für die Arbeit mit Schutzeinrichtungen.

 

Verhaltenskonsequenzen haben auch einen wesentlichen Einfluss auf die Gefahrenkognition. Die Gefahrenkognition bezieht sich darauf, für wie gefährlich eine Person eine Tätigkeit hält, und wie gefährlich diese Tätigkeit tatsächlich ist. Problematisch ist es, wenn eine Situation unterschätzt, also für ungefährlich gehalten wird, obwohl sie gefährlich ist. Die Einschätzung "ungefährlich" wirkt sich auf das Verhalten aus. Der Mitarbeiter schützt sich nicht mehr ausreichend. Befragt man Maschinenbediener, für wie gefährlich sie das Arbeiten mit manipulierter Schutzeinrichtung halten, zeigt sich, dass der überwiegende Teil dies für unproblematisch hält.

 

Sozialer Druck von Vorgesetzten und Kollegen kann ebenfalls eine Rolle bei Manipulationen spielen. In vielen Betrieben werden Manipulationen geduldet. Von einigen Bedienern wird sogar erwartet, dass sie Schutzeinrichtungen manipulieren. Vielen Mitarbeitern sind die rechtlichen und betrieblichen Konsequenzen nicht klar und sie wurden nicht hinreichend unterwiesen.

 

Um Manipulationen an Schutzeinrichtungen von Maschinen langfristig zu verringern, sind Maßnahmen sinnvoll, die sich in ihrer Wirkung unterstützen und ergänzen. Vor allem technische und ergonomische Maßnahmen sollten ergriffen werden. Das heißt, Maschinen müssen so konstruiert werden, dass ein ergonomischer Betrieb in allen Betriebsarten gewährleistet ist. Hierfür notwendige steuerungstechnische Produkte sind am Markt verfügbar. Vor allem das Blick- und Gesichtsfeld des Bedieners muss beim Anbringen von Schutzeinrichtungen beachtet werden. Wichtig sind hierbei die Werkstückkontrolle und der Einrichtbetrieb. Ist direkte Blickkontrolle nicht möglich, muss geprüft werden, welche visuellen Übertragungsmöglichkeiten eingesetzt werden können. Manipulationen können aber nur wirksam verhindert werden, wenn die Notwendigkeit zur Manipulation beseitigt ist.

 

Darüber hinaus sollten die Vorteile, die sich durch Manipulationen ergeben, verringert und das Thema in der Unternehmensführung beachtet werden. Es muss klar sein, dass Manipulationen nicht geduldet werden. Auch Schulungen können helfen, Manipulationen zu verringern. Hierbei sollte die Gefahrenkognition ein Thema sein. Es sollte deutlich werden, dass Mitarbeiter Routinetätigkeiten in ihrer Gefährlichkeit oft unterschätzen.

 

Es kann auch sinnvoll sein, Maschinenbediener bei der Konstruktion einzubeziehen. Wichtig ist, dass der Konstrukteur ein durchgängiges Sicherheits- und Bedienkonzept erstellt. Hierzu gehört auch, dass Schutzeinrichtungen frühzeitig geplant und absehbare Fehlanwendungen berücksichtigt werden. Die Berufsgenossenschaften beraten, wie ein Sicherheits- und Bedienkonzept sinnvoll realisiert werden kann. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) hat ein Bewertungsschema entwickelt, mit dem der Anreiz für das Umgehen von Schutzeinrichtungen an Maschinen beurteilt werden kann.

Literatur

  • Report: Manipulation von Schutzeinrichtungen an Maschinen, hrsg. v. Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften, Sankt Augustin 2006

Quellen

www.arbeit-und-gesundheit.de