Glossar

Arbeitsschutz, Arbeitsmedizin und Arbeitssicherheit

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Krebserzeugende Stoffe

EU-weit werden krebserzeugende Stoffe in drei Kategorien eingeteilt:

 

Kategorie 1: Stoffe, die beim Menschen bekanntermaßen krebserzeugend wirken (aus epidemiologischen Studien ist die krebserzeugende Wirkung nachgewiesen).

 

Kategorie 2: Stoffe, die als krebserzeugend für den Menschen angesehen werden sollten (die krebserzeugende Wirkung ist vor allem aus Tierversuchen bekannt).

 

Kategorie 3: Stoffe, die wegen möglicher krebserzeugender Wirkung beim Menschen Anlass zur Besorgnis geben, über die jedoch nicht genügend Informationen für eine befriedigende Beurteilung vorliegen (die Anhaltspunkte reichen nicht für die Einstufung in Kategorie 2 aus).

 

Daneben nennt die DFG-Senatskommission Stoffe mit krebserzeugender Wirkung

  • ohne genotoxische Effekte
  • mit genotoxischer Wirkung, aber geringer Wirkstärke, bei denen bei Einhaltung des Arbeitsplatzgrenzwertes kein nennenswerter Beitrag zum Krebsrisiko zu erwarten ist.

 

Die Gefahrstoffverordnung enthält eine Reihe von speziellen Verpflichtungen, die bei Tätigkeiten mit krebserzeugenden Gefahrstoffen der Kategorie 1 und 2 (K1- und K2-Stoffe) beachtet werden müssen. Bevor solche Tätigkeiten durchgeführt werden, ist zu prüfen, ob nicht die Substitution des Stoffes durch einen ungefährlicheren Stoff möglich ist. Das Ergebnis der Prüfung ist zu dokumentieren und der zuständigen Behörde auf Verlangen vorzulegen.

 

Für Tätigkeiten mit K1- und K2-Stoffen ohne Arbeitsplatzgrenzwert und ohne vom BMAS veröffentlichtes stoff- oder verfahrensspezifisches Kriterium (VSK) hat der Arbeitgeber folgende Maßnahmen durchzuführen (Schutzstufe 4):

  • Messungen dieser Stoffe, insbesondere zur frühzeitigen Ermittlung erhöhter Expositionen infolge eines unvorhergesehenen Ereignisses oder Unfalls
  • Abgrenzung der Gefahrenbereiche und Anbringung von Warn- und Sicherheitszeichen, einschließlich des Zeichens Rauchen verboten (Abbildung) in Bereichen, in denen Beschäftigte diesen Gefahrstoffen ausgesetzt sind oder ausgesetzt sein können.
  • Bei Tätigkeiten, bei denen trotz ausgeschöpfter technischer Maßnahmen mit einer beträchtlichen Erhöhung der Exposition gegenüber K1- und K2-Stoffen zu rechnen ist, ist die Dauer der Exposition so weit wie möglich zu verkürzen und der Schutz der Beschäftigten zu gewährleisten. Solche Tätigkeiten können insbesondere Abbrucharbeiten, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten (ASI-Arbeiten) sein. Den Beschäftigten sind Schutzkleidung und Atemschutzgeräte zur Verfügung zu stellen, die während der gesamten Dauer der erhöhten Exposition zu tragen sind.
  • Abgesaugte Luft aus Arbeitsbereichen mit K1-und K2-Stoffen darf nicht zurückgeführt oder in andere Arbeitsbereiche gelenkt werden. Dies gilt nicht, wenn sie unter Anwendung behördlicher oder berufsgenossenschaftlich anerkannter Verfahren oder Geräte ausreichend von solchen Stoffen gereinigt ist.

 

Wie bei allen Tätigkeiten mit Gefahrstoffen, hat der Arbeitgeber eine schriftliche Betriebsanweisung zu erstellen, in der die gefährlichen Stoffeigenschaften, auftretenden Gefährdungen, erforderlichen Schutzmaßnahmen, Verhaltensregeln und Notfallmaßnahmen genannt sind. Die Betriebsanweisung muss in verständlicher Form und Sprache abgefasst sein. Die Beschäftigten sind über die möglichen Gefahren mindestens jährlich zu unterweisen.

 

Der Arbeitgeber hat bei Tätigkeiten mit K1- und K2-Stoffen zu gewährleisten, dass die Beschäftigten oder ihre Vertreter nachprüfen können, ob die aus der Gefahrstoffverordnung bestehenden Schutzbestimmungen eingehalten sind, z. B. bezüglich der Auswahl der Schutzausrüstungen, der Informationspflicht bei erhöhter Exposition und der zu führenden Verzeichnisse.

 

Für einige namentlich genannte (z. B. Asbest, Benzol) und weitere besonders gefährliche krebserzeugende Stoffe bestehen Herstellungs- und Verwendungsverbote bzw. -beschränkungen in Anhang IV der Gefahrstoffverordnung. In Anhang IV Nr. 23 sind besonders gefährliche krebserzeugende Stoffe aufgeführt; sie dürfen nur in geschlossenen Anlagen hergestellt oder verwendet werden.

 

Bei Tätigkeiten mit krebserzeugenden Stoffen, die in Anhang V Nr. 1 mit aufgelistet sind, z. B. Asbest und Benzol, ist vom Arbeitgeber für die betroffenen Beschäftigten eine arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung zu veranlassen. Diese Untersuchung ist Voraussetzung für die Beschäftigung. Falls ein (gesundheitsbasierter) Arbeitsplatzgrenzwert existiert und dieser am Arbeitsplatz eingehalten ist, muss die Vorsorgeuntersuchung bei Vorliegen einer Exposition lediglich angeboten werden.

 

Bei Tätigkeiten mit nicht in Anhang V Nr. 1 genannten K1- und K2-Stoffen sind Vorsorgeuntersuchungen anzubieten (Anhang V Nr. 2.2). Außerdem sind bei Tätigkeiten mit K1- und K2-Stoffen auch nach Ende der Beschäftigung Nachuntersuchungen anzubieten (siehe auch ODIN).

Literatur

  • Verordnung zum Schutz vor Gefahrstoffen (Gefahrstoffverordnung - GefStoffV) (CHV 5)
  • UVV Grundsätze der Prävention (BGV A 1) / (GUV-V A1) / (VSG 1.1 Allgemeine Vorschriften für Sicherheit und Gesundheitsschutz)
  • Grundsätze der Prävention (BGR A 1) / (GUV-R A1)
  • Richtlinie 1999/45/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 31. Mai 1999 zur Angleichung der Rechts- und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten für die Einstufung, Verpackung und Kennzeichnung gefährlicher Zubereitungen
  • Richtlinie 67/548/EWG des Rates vom 27. Juni 1967 zur Angleichung der Rechts- und Verwaltungsvorschriften für die Einstufung, Verpackung und Kennzeichnung gefährlicher Stoffe (EG-Grundrichtlinie; in der jeweils gültigen Fassung)
  • TRGS 440 Ermitteln und Beurteilen der Gefährdungen durch Gefahrstoffe am Arbeitsplatz: Ermitteln von Gefahrstoffen und Methoden zur Ersatzstoffprüfung
  • TRGS 514 Lagern sehr giftiger und giftiger Stoffe in Verpackungen und ortsbeweglichen Behältern
  • TRGS 519 Asbest: Abbruch-, Sanierungs- oder Instandhaltungsarbeiten
  • TRGS 551 Teer und andere Pyrolyseprodukte aus organischem Material
  • TRGS 552 N-Nitrosamine
  • TRGS 553 Holzstaub
  • TRGS 554 Dieselmotoremissionen (DME)
  • TRGS 560 Luftrückführung beim Umgang mit krebserzeugenden Gefahrstoffen
  • TRGS 600 Reihe "Ersatzstoffe und Verwendungsbeschränkungen"
  • TRGS 900 Arbeitsplatzgrenzwerte
  • TRGS 905 Verzeichnis krebserzeugender, erbgutverändernder oder fortpflanzungsgefährdender Stoffe
  • TRGS 906 Verzeichnis krebserzeugender Tätigkeiten oder Verfahren nach § 3 Abs. 2 Nr. 3 GefStoffV
  • Von den Berufsgenossenschaften anerkannte Analysenverfahren zur Feststellung der Konzentrationen krebserzeugender Arbeitsstoffe in der Luft in Arbeitsbereichen - Gesamtausgabe (BGI 505)
  • Berufsgenossenschaftlicher Grundsatz für arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen G 40 Krebserzeugende Gefahrstoffe - Allgemein (BGG 904 / G 40)
  • Merkblatt M 620 Sichere Handhabung von Zytostatika, BG für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (Link)
  • Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) (Link)
  • CMR-Gesamtliste (BAuA): Verzeichnis krebserzeugender, erbgutverändernder oder fortpflanzungsgefährdender Stoffe, Tätigkeiten und Verfahren nach Anhang I der Richtlinie 67/548/EWG, TRGS 905 und TRGS 906
  • Gesundheitsvorsorge (GVS) bei der Berufsgenossenschaft Elektro Textil Feinmechanik (BGETF) (Link)
  • Technische Regeln für Gefahrstoffe (TRGS) im Internet (BAuA)

Quellen

www.arbeit-und-gesundheit.de