Glossar

Arbeitsschutz, Arbeitsmedizin und Arbeitssicherheit

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Kalander, Walzen

Ein Kalander besteht aus:

  • Ständer (feststehender Teil zur Aufnahme der Walzenlager, Nebenwalzen und Zusatzeinrichtungen)
  • Kalanderwalzen mit glatter, polierter oder gestrahlter Oberfläche, die in Führungslagern im Ständer gehalten und zu anderen Kalanderwalzen ausgerichtet werden
  • Nebenwalzen/-rollen zum Andrücken, Prägen, Spannen, Abstreifen, Breitstrecken, Abziehen usw.
  • Zusatzeinrichtungen wie Schneideinrichtung, Führungsbacken, Beschickungseinrichtung.

 

Gefährdungen bestehen vor allem durch Einzug- und Quetschstellen zwischen Kalanderwalzen, zwischen Kalanderwalze und Werkstoff, an Nebenwalzen-/rollen und an Zusatzeinrichtungen. Der Einzugs- bzw. Gefahrenbereich (Abbildung) erstreckt sich über die gesamte Länge der Walzen, unabhängig vom Walzendurchmesser. Er wird begrenzt durch:

  • eine Höhe von 12 mm vor dem Einzugsbereich
  • die beiden Kreisbögen an den Kalanderwalzen, die dem spezifizierten Bremswinkel (abhängig von der Walzengeschwindigkeit) entsprechen
  • den Kreisbogen, dessen Mittelpunkt auf der Mitte des Einzugsbereichs (bei 12 mm Höhe) liegt.

 

Der Zugriff zum Einzugsbereich muss durch fest stehende trennende Schutzeinrichtungen nach DIN EN 953 verhindert werden. Der Abstand zwischen der trennenden Schutzeinrichtung und der Walzenoberfläche muss £ 6 mm sein. Der Winkel zwischen der trennenden Schutzeinrichtung und der Tangente der Walze muss ³ 90° betragen. Muss die Schutzeinrichtung z. B. für Reinigungs- oder Einstellarbeiten geöffnet werden, so muss sie wie eine verriegelte trennende Schutzeinrichtung mit Zuhaltung ausgeführt sein.

 

Der Zugriff kann auch durch die Anordnung einer Beschickungseinrichtung verhindert werden, wenn diese die Funktion einer fest stehenden trennenden Schutzeinrichtung hat. Sie muss mit einer Verriegelung ausgerüstet sein, die das Drehen der Walzen nur zulässt, wenn sich die Beschickungseinrichtung in sicherer Position befindet.

 

Wenn trennende Schutzeinrichtungen aus verfahrenstechnischen Gründen nicht verwendet werden können, muss der Zugriff zum Einzugsbereich durch eine oder mehrere der folgenden Schutzeinrichtungen verhindert werden:

  • eine verriegelte trennende Schutzeinrichtung mit Zuhaltung
  • eine Schutzeinrichtung mit Annäherungsreaktion, die einen Walzenstopp auslöst (Schaltstange in mind. 1150 mm Höhe, Schaltmatte, fotoelektrische Einrichtung).

 

Ein Kalander muss mit einer Not-Halt-Einrichtung versehen sein. Ein Stellteil ist auf dem Steuerpult anzubringen. Weitere Not-Halt-Stellteile sind in der Nähe und an jeder Seite der Arbeitsbereiche anzubringen. Es dürfen Tastschalter, Seilzugschalter sowie Fuß- oder Knieschalter verwendet werden.

 

Das Betätigen jedes Not-Halt-Stellteils muss

  • das Stoppen der Kalanderwalzen bewirken
  • ein Auseinanderfahren der Walzen zulassen
  • einen Notfall-Rückwärtslauf zulassen
  • ein visuelles und/oder akustisches Signal mit manueller Rückstellung auslösen.

 

Weitere Gefährdungen an Kalandern können durch die verarbeiteten Materialien auftreten. Dazu zählen gesundheitsgefährdende Gase, Dämpfe oder Stäube. Außerdem ist mit thermischen Gefährdungen durch Berühren heißer Teile oder heißen Materials oder durch den Bruch von Schlauchleitungen zu rechnen. Durch Lärm kann die Sprachkommunikation oder die Wahrnehmung akustischer Signale beieinträchtigt werden. Auch kann es zu Gehörschädigungungen kommen.

 

Bei Maschinen, die vor dem 1. Januar 1995 hergestellt wurden, müssen die geltenden nationalen Bestimmungen zum Zeitpunkt ihrer ersten Bereitstellung, mindestens jedoch Anhang I der Betriebssicherheitsverordnung, erfüllt sein. CE-Maschinen sollen dagegen Anhang I der EG-Maschinenrichtlinie in Verbindung mit EN-Normen entsprechen.

Literatur

  • Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Bereitstellung von Arbeitsmitteln und deren Benutzung bei der Arbeit, über Sicherheit beim Betrieb überwachungsbedürftiger Anlagen und über die Organisation des betrieblichen Arbeitsschutzes (Betriebssicherheitsverordnung - BetrSichV) (CHV 16)
  • Betreiben von Arbeitsmitteln (BGR 500)
  • Richtlinie 2006/42/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 17. Mai 2006 über Maschinen und zur Änderung der Richtlinie 95/16/EG (Neufassung)
  • DIN EN 12301 Gummi- und Kunststoffmaschinen; Kalander; Sicherheitsanforderungen
  • DIN EN 953 Sicherheit von Maschinen; Trennende Schutzeinrichtungen; Allgemeine Anforderungen an Gestaltung und Bau von feststehenden und beweglichen trennenden Schutzeinrichtungen
  • DIN EN ISO 13850 Sicherheit von Maschinen - Not-Halt - Gestaltungsleitsätze
  • DIN EN ISO 13857 Sicherheit von Maschinen; Sicherheitsabstände gegen das Erreichen von Gefährdungsbereichen mit den oberen und unteren Gliedmaßen
  • Sicherung von Gefahrstellen an Walzen (BGI 653)

Quellen

www.arbeit-und-gesundheit.de