Glossar

Arbeitsschutz, Arbeitsmedizin und Arbeitssicherheit

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Hydrazinhydrat

Hauptsächlich wird Hydrazin für den Korrosionsschutz von Wasser- und Dampfkreisläufen eingesetzt. Üblicherweise werden hierbei 15%ige wässrige Lösungen in starker Verdünnung als Zusatz verwendet. Solche Lösungen werden unter verschiedenen Handelsnamen vertrieben. Hydrazin findet ebenfalls Verwendung als Flussmittel in Verzinnungsanlagen und als Reduktionsmittel bei der Herstellung von Kupfer- und Nickelniederschlägen auf Metallen und Kunststoffen. Weiterhin ist Hydrazin ein wesentliches Vorprodukt für zahlreiche pharmazeutische Präparate und ein wichtiger Ausgangsstoff für Treibmittel in der Gummi- und Kunststoffindustrie sowie für die Herstellung von Herbiziden, Bakteriziden usw.

 

Gesundheitsgefahren:

Bei Hautkontakt kann es zu Verätzungen, zu Hautentzündungen oder zu allergischen Hautreaktionen (Hautekzem) kommen. Hydrazin wird zudem durch die Haut in den Körper aufgenommen. Es wirkt schleimhautreizend. Eine besondere Gefahr besteht deshalb für die Augen. Krebserzeugend.

 

Wichtige Schutzmaßnahmen:

Beim Umgang mit Hydrazin sind geeigneter Augenschutz (z. B. Gestellbrillen mit Seitenschutz, Korbbrillen) und ggf. Gummihandschuhe und Gummistiefel zu tragen. Ferner müssen Atemschutzgeräte verwendet werden, wenn die Gefahr besteht, dass Hydrazin eingeatmet wird.

 

Die Verarbeitung von Hydrazin sollte möglichst im geschlossenen System erfolgen. Bei der Ab- und Umfüllung von Hydrazinlösungen sollten technische Hilfsmittel eingesetzt werden, z. B. Dosiervorrichtungen wie spezielle Hähne und Pumpen. Erforderlichenfalls sind Absaugvorrichtungen zu verwenden.

 

Heizungsanlagen mit hydrazinhaltigem Wasser müssen so entleert werden, dass eine Gefährdung der Beschäftigten ausgeschlossen ist. Das ist z. B. möglich durch Abkühlung auf etwa Raumtemperatur, Entleerung der Anlage mit geeigneten Maßnahmen in Behälter und ordnungsgemäße Entsorgung.

 

Werden Ab- und Umfüllgeräte neu in Betrieb genommen, sollten bevorzugt behördlich oder berufsgenossenschaftlich anerkannte Geräte ausgewählt werden. Herstellernachweise über anerkannte Geräte stellen die Berufsgenossenschaften zur Verfügung.

 

Kennzeichnung :

Gefahrensymbole: T (Giftig), N (Umweltgefährlich).

 

Hinweise auf besondere Gefahren (R-Sätze):

  • R 45 Kann Krebs erzeugen
  • R 10 Entzündlich
  • R 23/24/25 Giftig beim Einatmen, Verschlucken und Berührung mit der Haut
  • R 34 Verursacht Verätzungen
  • R 43 Sensibilisierung durch Hautkontakt möglich
  • R 50/53 Sehr giftig für Wasserorganismen, kann in Gewässern längerfristig schädliche Wirkungen haben.

 

Sicherheitsratschläge (S-Sätze):

  • S 53 Exposition vermeiden - vor Gebrauch besondere Anweisungen einholen
  • S 45 Bei Unfall oder Unwohlsein sofort Arzt hinzuziehen (wenn möglich, dieses Etikett vorzeigen)
  • S 60 Dieser Stoff und sein Behälter sind als gefährlicher Abfall zu entsorgen
  • S 61 Freisetzung in die Umwelt vermeiden. Besondere Anweisungen einholen/Sicherheitsdatenblatt zu Rate ziehen.

 

Weitere Angaben:

 

WGK 3: stark wassergefährdend.

 

Krebserzeugend der Kategorie K2 (Hydrazin): Stoffe, die als krebserzeugend für den Menschen angesehen werden sollten.

 

S: Gefahr der Sensibilisierung.

 

H: Gefahr der Hautresorption.

Literatur

  • TRGS 401 Gefährdung durch Hautkontakt - Ermittlung, Beurteilung, Maßnahmen
  • Hydrazin (BGI 567)
  • Anerkennung von geschlossenen Umfüll- und Dosieranlagen für wässrige Lösungen von Hydrazin (BGG 907)
  • CMR-Gesamtliste (BAuA): Verzeichnis krebserzeugender, erbgutverändernder oder fortpflanzungsgefährdender Stoffe, Tätigkeiten und Verfahren nach Anhang I der Richtlinie 67/548/EWG, TRGS 905 und TRGS 906
  • GESTIS-Stoffdatenbank (Link)

Quellen

www.arbeit-und-gesundheit.de