Glossar

Arbeitsschutz, Arbeitsmedizin und Arbeitssicherheit

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Hepatitis

Übertragungswege sind:

  • fäkal-oral (Schmierinfektion, Nahrungsmittel): A, E, F
  • parenteral-sexuell-perinatal (auf dem Blutweg): B, C, G (z. T. auch A).

 

Die Inkubationszeit reicht - je nach Erreger - von 14 Tagen (A) bis zu sechs Monaten (B).

 

Das klinische Bild zeigt je nach Erreger große Unterschiede in Symptomatik und Verlauf:

  • akut: Appetitlosigkeit, Übelkeit, Fieber, Abgeschlagenheit, Gelenkbeschwerden, Druckgefühl im rechten Oberbauch, Gelbsucht, dunkler Urin, heller Stuhl
  • chronisch: Übergang in chronische Leberentzündung, Leberzirrhose und gegebenenfalls Leberkarzinom; asymptomatischer Trägerstatus.

 

Während die Hepatitis A meistens gutartig verläuft, ist bei der Hepatitis B und C häufig mit einem akut-fulminanten bzw. chronisch-infektiösen oder chronisch-aggressiven, u. U. tödlichen Verlauf zu rechnen. Vor allem bei Hepatitis C kommt es in 50 bis 90 % der Fälle zu einem chronischen Verlauf.

 

Nach einer groben Schätzung gehen in den Industrienationen etwa 20 % der akuten und 70 % der chronischen Hepatitis-Fälle sowie 40 % der Leberzirrhosen und 60 % der hepatozellulären Karzinome allein auf das Konto des C Virus. Für Deutschland wird angenommen, dass rund 800.00 Personen mit dem Hepatitis C und etwa 500.000 mit dem Hepatitis B Virus infiziert sind.

 

Das Risiko, sich durch Blutprodukte zu infizieren, ist mittlerweile nahezu auf Null zurückgegangen. Hauptinfektionswege sind heutzutage infizierte Nadeln bei i. v. Drogenkonsum, mangelnde Hygiene bei Piercing, Tätowierung usw. sowie beruflicher Kontakt mit Infizierten.

 

Die Diagnose einer Virushepatitis wird anhand der Serologie gestellt. Je nach Erreger lassen sich im Blut das Virus selbst, Virusteile oder entsprechende Antikörper gegen das Virus oder gegen Virusteile nachweisen. Als Ausdruck der Leberentzündung steigen Leberenzyme und Bilirubin an. Die Therapie-Möglichkeiten sind sowohl bei akuter als auch bei chronischer Infektion eher allgemeiner Art wie körperliche Schonung, gesunde Ernährung, strikte Alkoholkarenz. Bei chronisch-aggressiver Hepatitis B und C lassen sich Besserungen bzw. Heilung durch Gabe von Alpha-Interferon (Interferon alfa-2b oder Peginterferon) in Kombination mit Virostatika wie Ribavirin erzielen. Nach neueren Untersuchungen ist bei der Hepatitis C der frühzeitige Beginn der Behandlung für die Heilungsaussichten von ausschlaggebender Bedeutung.

 

Pro Jahr werden etwa 250 bis 300 Hepatitis-Fälle aus dem Gesundheitswesen (einschließlich sozialer Einrichtungen und öffentlicher Dienst) als Berufskrankheit anerkannt. Nach einer Analyse der Zahlen der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege teilt sich die berufsbedingte Hepatitis-Infektionsrate im Verhältnis von 1 : 12 : 22 auf A, B und C auf (Statistik für 2003). Analysiert man die Zahlen der letzten Jahre im Hinblick auf gesundheitliche Folgen der Hepatitis-Infektion (Rentenfälle), so fällt eine krasse Verschiebung auf. Während die Zahl der als entschädigungspflichtig anerkannten Hepatitis-B-Erkrankungen seit etwa fünf Jahren deutlich rückläufig ist, hat die Hepatitis C drastisch zugenommen.

 

Bei einer chronischen Infektion können sich für den Betroffenen erhebliche Probleme sowohl im psychosozialen Bereich (Infektionsgefahr für Familie und Freundeskreis, Risiko bei Kinderwunsch) als auch im beruflichen ergeben (Infektionsgefahr für Patienten). Vor allem bei operativ Tätigen (Chirurg, Zahnarzt) ist dieses Risiko sehr ernst zu nehmen, so dass als Konsequenz die Betroffenen bestimmte Operationen oder Eingriffe nicht mehr ausführen dürfen.

 

Im Gesundheitswesen stellt die Hepatitis die wichtigste berufliche Gefährdung dar, so dass präventive Maßnahmen mit Nachdruck betrieben werden müssen. Im Vordergrund stehen Möglichkeiten der Infektionsvermeidung (Anpassung und Optimierung von Arbeitstechniken und -abläufen, um die Kontaktmöglichkeiten mit infektiösem Material auszuschließen bzw. zu reduzieren; sorgfältiger Umgang mit infizierten Materialien und Instrumenten, Einsatz von speziellen Entsorgungssystemen für gebrauchte Kanülen; Körperschutz durch Handschuhe, Schutzkittel; sofortige Desinfektion bei Kontamination; regelmäßige hygienische Reinigung) sowie eine konsequente aktive Immunisierung aller gefährdeten Personen durch Impfung. Bisher sind Impfstoffe für A und B verfügbar. Falls es ohne bestehenden Impfschutz zu einem Kontakt mit Hepatitis A- oder B-Viren gekommen ist (meistens Nadelstichverletzung), sollte - bei A innerhalb von 14 Tagen, bei B innerhalb von sechs Stunden - eine passive Immunprophylaxe mit Immunglobulinen (bei B mit HBs-Antikörpern angereichert) vorgenommen werden. Parallel dazu sollte eine Impfung erfolgen.

Literatur

  • Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen (Infektionsschutzgesetz - IfSG)
  • Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege (auch als TRBA 250) (BGR 250)
  • Europäischer Konsens zu Hepatitis C - Epidemiologie, Diagnose und Therapie. In: Deutsches Ärzteblatt 96, 1999, S. B-2615-2620 (Link)
  • Czeschinski, P.: Die Virushepatitiden - Infektionsgefährdung in Beruf und Umwelt, Deutscher Universitäts-Verlag, Wiesbaden 1998
  • Finking, G./Schochat, T.: Fortschritte bei der Behandlung der akuten und der chronischen Hepatitis C - Implikationen für die arbeitsmedizinische Praxis. In: Arbeitsmedizin - Sozialmedizin - Umweltmedizin 36, 2001, S. 603-605
  • The Hepatitis Information Network (Link)
  • US Department of Health and Human Services, Centers for Disease Control and Prevention (Link)

Quellen

www.arbeit-und-gesundheit.de