Glossar

Arbeitsschutz, Arbeitsmedizin und Arbeitssicherheit

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Hebebühnen

Hebebühnen dürfen nur Personen bedienen, die das 18. Lebensjahr vollendet haben, unterwiesen sind und dem Unternehmer ihre Befähigung nachgewiesen haben. Sie müssen vom Unternehmer ausdrücklich mit der Bedienung der Hebebühne beauftragt sein. Für Hubarbeitsbühnen muss ein schriftlicher Auftrag vorliegen.

 

Zu den Anforderungen, die an alle Hebebühnen gestellt werden, gehört die Kennzeichnung. An jeder Hebebühne muss ein Typenschild angebracht sein mit Angaben über Hersteller oder Lieferer, Baujahr, Fabriknummer, Typ (falls Typbezeichnung vorhanden); bei Geräten mit pneumatischem Triebwerk muss ferner der zulässige Betriebsdruck vermerkt sein, ebenso bei Geräten mit hydraulischem Triebwerk, wenn der Druckerzeuger nicht zur Hebebühne gehört.

 

Weitere Angaben, die dauerhaft und gut sichtbar an der Hebebühne angebracht sein müssen, sind die Tragfähigkeit und die zulässige Lastverteilung (sofern die Tragfähigkeit hiervon abhängt); an ortsveränderlichen Bühnen auch das Eigengewicht (außer Hubladebühnen). Der Aufenthalt unter dem Lastaufnahmemittel und der Last sowie das Betreten des Lastaufnahmemittels und das Mitfahren müssen verboten werden, wenn die Hebebühne nicht dafür eingerichtet ist.

 

Am Einsatzort der Hebebühne muss eine

Betriebsanleitung

vorhanden sein. Sie informiert u. a. über Verwendungsbereich, Inbetriebnahme, Handhabung, Verhalten während des Betriebs und im Störungsfall, Überwachung der Sicherheitseinrichtungen, Wartung und Prüfung. An Hebebühnen, die für das Mitfahren von Personen oder für den Aufenthalt von Personen auf oder unter dem Lastaufnahmemittel oder unter der Last bestimmt sind, muss eine Kurzfassung der Betriebsanleitung angebracht sein.

 

Die Bauvorschrift verlangt für kraftbetriebene und kraftbewegte Hebebühnen fest eingebaute Einrichtungen, die die Bühne nach Außerbetriebnahme gegen unbefugte Benutzung sichern. Unter Außerbetriebnahme wird dabei jedes Stillsetzen - für eine Arbeitspause oder zum Arbeitsende - verstanden. Die Sicherung erfolgt vor allem durch ein Schaltschloss mit Sicherheitsschlüssel, der nur im ausgeschalteten Zustand abgezogen werden kann. Das Schaltschloss ist z. B. der nach DIN VDE 0113 Abschnitt 5.3.3.1 geforderte abschließbare Hauptschalter. Bei ortsfesten Hebebühnen kann ein abschließbarer Netzanschlussschalter gleichzeitig mehrere Hebebühnen sichern.

 

Die Steuerplätze sollen so gestaltet sein, dass die Bedienungsperson nicht durch die Last oder durch Bewegung der Hebebühne gefährdet wird; außerdem müssen Absturzsicherungen vorhanden sein. Bei kraftbetriebenen Hubarbeitsbühnen muss sich der Steuerstand für die Bewegungen der Arbeitsbühne auf der Bühne selbst befinden. Die Steuerorgane sind gegen unbeabsichtigtes Betätigen zu sichern (z. B. Tippschaltung).

 

Kraftbewegte Hebebühnen mit Fahrerplatz müssen mit Signaleinrichtungen ausgerüstet sein, so dass die Bedienungsperson ständig über den Betriebszustand der Hebebühne informiert ist. Der Fahrer muss von seinem Platz aus laut tönende Warneinrichtungen betätigen können. Bei Hebebühnen, die zum Verfahren mit besetztem Lastaufnahmemittel bestimmt sind, gehören zu den Signaleinrichtungen auch Sprechanlagen oder fernbetätigte Anzeigegeräte; sie stellen eine Verständigungsmöglichkeit zwischen Personen auf dem Lastaufnahmemittel und dem Fahrer auf dem Fahrerplatz sicher. Handzeichen allein genügen nicht.

 

Ortsveränderliche Hebebühnen mit mehr als 2 m Hubhöhe über Flur, die elektrisch betrieben oder gesteuert und für die Mitfahrt von Personen auf dem Lastaufnahmemittel bestimmt sind, müssen Notabschaltungen haben. Versagt die Steuerung, muss die eingeleitete Bewegung unterbrochen werden können.

 

Hubarbeitsbühnen sind mit einem Notablass auszurüsten. Der Notablass ist eine Einrichtung, mit deren Hilfe die Arbeitsbühne bei Ausfall der Antriebskraft noch in eine Stellung gebracht werden kann, in der eine Person die Bühne sicher verlassen kann. Ist die Arbeitsbühne in jeder Stellung über fest angebrachte Leitern zu erreichen und zu verlassen, ist ein Notablass nicht notwendig.

 

Die Standsicherheit ist bei großen Hubhöhen und besonders bei Hubarbeitsbühnen wichtig. Die konstruktiven Anforderungen sind in DIN 15 120 geregelt. Vorausgesetzt wird eine max. Windgeschwindigkeit von 10 m/s; bei höheren Windgeschwindigkeiten ist die Standsicherheit nicht mehr gewährleistet. Daher muss an Hubarbeitsbühnen angegeben werden, bei welcher Windgeschwindigkeit der Betrieb einzuschränken bzw. einzustellen ist.

 

Lastaufnahmemittel für Personen müssen bei über 1 m Absturzhöhe mit einem mindestens 1 m hohen Geländer mit Knieleiste und 0,15 m hoher Fußleiste umwehrt sein. Zum Betreten des Lastaufnahmemittels ist meistens eine Geländerseite beweglich gestaltet. Dieser Geländerteil muss in Schutzstellung gegen unbeabsichtigte Lageänderung gesichert werden können und er darf nicht nach außen klappbar sein. An Fahrzeug-Hebebühnen kann die Umwehrung von Arbeitsöffnungen im Lastaufnahmemittel entfallen.

 

Nach Änderung der Konstruktion und nach wesentlichen Instandsetzungen an tragenden Teilen von Hebebühnen muss eine

Prüfung

durch eine Befähigte Person (einen Sachverständigen) erfolgen. Außerdem muss jede Hebebühne mindestens einmal jährlich von einem Sachkundigen geprüft werden. Die Ergebnisse sind in einem Prüfbuch festzuhalten.

Literatur

  • 9. Verordnung zum Geräte- und Produktsicherheitsgesetz (Maschinenverordnung - 9. GPSGV)
  • Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Bereitstellung von Arbeitsmitteln und deren Benutzung bei der Arbeit, über Sicherheit beim Betrieb überwachungsbedürftiger Anlagen und über die Organisation des betrieblichen Arbeitsschutzes (Betriebssicherheitsverordnung - BetrSichV) (CHV 16)
  • Betreiben von Arbeitsmitteln (BGR 500)
  • TRBS 2181 Schutz vor Gefährdungen beim Eingeschlossensein in Personenaufnahmemitteln
  • DIN EN 1398 Ladebrücken
  • DIN EN 1493 Fahrzeughebebühnen
  • DIN EN 1495 Hebebühnen, Mastgeführte Arbeitsbühnen
  • DIN EN 1570 Sicherheitsanforderungen an Hubtische
  • DIN EN 1808 Sicherheitsanforderungen an hängende Personenaufnahmemittel - Berechnung, Standsicherheit, Bau-Prüfungen
  • DIN EN 280 Fahrbare Hubarbeitsbühnen - Berechnung - Standsicherheit; Bau; Sicherheitsanforderungen und Prüfung
  • E DIN EN 1494 Fahrbare oder ortsveränderliche Hubgeräte und verwandte Einrichtungen
  • E DIN EN 1756-1 Plattformlifte für die Anbringung an Radfahrzeugen - Teil 1: Hubladebühnen für Güter
  • Fahrzeughebebühnen (BGI 689)
  • Sicherer Umgang mit fahrbaren Hubarbeitsbühnen (BGI 720)
  • Prüfbuch für Hebebühnen (BGG 945-1)
  • Prüfung von Hebebühnen (BGG 945)
  • Prüfungsbefund über eine regelmäßige/außerordentliche Prüfung/Nachprüfung an Hebebühnen (BGG 945-1a)

Quellen

www.arbeit-und-gesundheit.de