Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz

Mit dem In-Kraft-Treten des Gesundheitsreformgesetzes (1989) wurden in § 20 Sozialgesetzbuch Teil V (SGB V) (Gesetzliche Krankenversicherung) die Krankenkassen dazu aufgefordert, Gesundheitsförderung und Krankheitsverhütung in ihr Programm aufzunehmen. In § 20 heißt es u. a.: "Krankenkassen sollen den Ursachen von Gesundheitsgefährdung und Gesundheitsschäden nachgehen und auf ihre Beseitigung hinwirken." Im Weiteren heißt es, dass die "Krankenkassen bei der Verhütung arbeitsbedingter Gesundheitsgefahren mit den Unfallversicherungsträgern zusammenarbeiten und diese über Erkenntnisse, die sie über Zusammenhänge zwischen Erkrankungen und Arbeitsbedingungen gewonnen haben, unterrichten sollen". Diesen Vorgaben entsprechend wurde auch der Zuständigkeitsbereich der Träger der gesetzlichen Unfallversicherung erweitert. So heißt es im § 1 SGB VII, dass "mit allen geeigneten Mitteln Arbeitsunfälle, Berufskrankheiten sowie arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren zu verhüten" sind, und weiter im § 14 Abs. 2 SGB VII, dass "bei der Verhütung arbeitsbedingter Gesundheitsgefahren die Unfallversicherungsträger mit den Krankenkassen zusammenarbeiten".

Die Ursachen der zu bekämpfenden Gesundheitsstörungen müssen nicht zwingend arbeitsbedingt sein. Betriebliche Gesundheitsförderung (betriebliche Gesundheitsüberwachung) bedeutet nur, dass Maßnahmen gegen Gesundheitsstörungen im Rahmen des Betriebs und für die Belegschaft getroffen werden.

In den USA wurden betriebliche Gesundheitsprogramme schon in den Siebzigerjahren initiiert. Der Schwerpunkt lag anfangs hauptsächlich auf der Bekämpfung der Risikofaktoren der klassischen Volkskrankheiten wie Bluthochdruck, koronare Herzkrankheit, Übergewicht, Zuckerkrankheit. Hierzu wurden Reihenuntersuchungen zur Früherkennung, Programme zur Selbstkontrolle und Kurse zur Risikominderung wie Nikotinentwöhnung, Gewichtsreduktion, Stressbewältigung (Stress) usw. angeboten.

Derartige Gesundheitsförderungsprogramme werden auch in Deutschland in den Betrieben verstärkt angeboten (z. B. Rückenschulen). Prinzipiell wird jedoch angestrebt, die Aktivitäten des Arbeitsschutzes bzw. der Unfallverhütung mit den Maßnahmen der Gesundheitsförderung zu verbinden, da bei einem Teil der Gesundheitsstörungen auch Arbeitsplatzeinflüsse eine Rolle spielen. Deshalb haben neuere Konzepte der betrieblichen Gesundheitsförderung eine umfassendere präventive Ausrichtung. Die wichtigsten Instrumente hierbei sind:

  • betriebliche Gesundheitsberichte
  • Gesundheitszirkel

Literatur

  • Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit (Arbeitsschutzgesetz - ArbSchG) (CHV 2)
  • Sozialgesetzbuch Fünftes Buch (SGB V): Gesetzliche Krankenversicherung
  • Sozialgesetzbuch Siebtes Buch (SGB VII): Gesetzliche Unfallversicherung
  • Arbeit und Gesundheit - Jahrbuch 2001. Innovation und Prävention, hrsg. v. W. Eichendorf u. a., Universum Verlag, Wiesbaden 2001 (Link)
  • Gesundheit und Produktivität im Unternehmen, hrsg. v. BKK Bundesverband/Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften, Universum Verlag, Wiesbaden 1999 (Link)
  • Bellwinkel, M.: Gesundheitsbericht und Gesundheitszirkel - Ein innovatives Instrumentarium zur gezielten betrieblichen Gesundheitsförderung. In: Arbeitsmedizin - Sozialmedizin - Umweltmedizin 29, 1994, S. 182
  • Brandenburg, U./Kollmeier, H./Kuhn, K./Marschall, B./Oehlke, P.: Prävention und Gesundheitsförderung im Betrieb, Schriftenreihe der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Wirtschaftsverlag NW, 2. Aufl., Dortmund 1990
  • Fastenmeier, W./Stadler, P./Strobel, G. (Hrsg.): Neue Wege der präventiven Gesundheitsarbeit im Betrieb, Wirtschaftsverlag NW, Bremerhaven 1993
  • Nickel, U./Kuch, P./Bauer, W.: Gesundes Arbeiten lernen. Das Arbeitsplatzprogramm, Universum Verlag, Wiesbaden 1998 (Link)
  • Otte, R.: Gesundheit im Betrieb. Leistung durch Wohlbefinden, Frankfurt am Main 1994
  • Schröer, A./Sochert, R.: Gesundheitszirkel im Betrieb. Modelle und praktische Durchführung, Universum Verlag, Wiesbaden 1997 (Link)
  • Arbeitsschutzausschussbrief (ASA-Brief) 16 "Nichtraucherschutz" der Berufsgenossenschaft Metall Nord Süd
  • bewegungs.coach - Bewegungstraining online (Link)
  • BGFA - Forschungsinstitut für Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, Institut der Ruhr-Universität Bochum (Link)
  • Initiative Gesundheit und Arbeit (IGA) (Link)
  • Prävention in der Arbeitswelt (Link)
  • Prävention-online. Der unabhängige Marktplatz für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz, Umweltschutz und Qualität (Link)
  • Praxishilfen: Arbeit. Gesundheit. Leben. Informationen und Download-Angebote der Bergbau- und Steinbruchs-Berufsgenossenschaft zu wichtigen Präventions-Themen (Link)
  • Sozialnetz Hessen (Link)

Quellen

www.arbeit-und-gesundheit.de