Gesundheitsbericht

Unter Gesundheitsbericht (Gesundheitsberichterstattung, betriebliche Epidemiologie) versteht man allgemein die statistische Analyse von Gesundheitsdaten einer bestimmten Population (Bevölkerung, Bevölkerungsgruppe, Branche, Belegschaft). Dazu werden Daten aus verschiedenen Quellen herangezogen und zusammengeführt. Ziel dabei ist, Hinweise auf gesundheitliche Problembereiche und mögliche Ursachen zu erhalten, Schlussfolgerungen zu ziehen und Handlungsbedarf aufzuzeigen. Für die erwerbstätige Bevölkerung werden die Daten meist region- oder branchenbezogen erfasst.

Bei der betrieblichen Gesundheitsberichterstattung findet die Analyse der Gesundheitsdaten auf betrieblicher Ebene statt. Der betriebliche Gesundheitsbericht ist wesentlicher Bestandteil der Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz.

Zur Beschreibung der gesundheitlichen Situation der Beschäftigten werden in der Regel Arbeitsunfähigkeitsdaten, Daten von arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen oder von Unfall- und Berufskrankheitenstatistiken (Berufskrankheiten) verwendet. Ebenso lassen sich wichtige Informationen zur gesundheitlichen Situation der Beschäftigten anhand von Belegschaftsbefragungen erheben. Die gewonnenen Daten werden mit den Arbeitsplatzbelastungen des Betriebs in Beziehung gesetzt und meist auch mit Gesundheitsdaten anderer Gruppen aus demselben Betrieb oder aus der Region bzw. vergleichbaren Branchen verglichen. Zur statistischen Analyse der Zusammenhänge werden epidemiologische Methoden eingesetzt.

Das konkrete Ziel eines betrieblichen Gesundheitsberichts besteht also darin, aus den Gesundheitsdaten auf Problemarbeitsplätze bzw. arbeitsbedingte Risiken rückzuschließen. Ein großer Vorteil dieses Ansatzes ist, dass die Erkenntnisse relativ schnell gewonnen werden können und dass sich daraus Prioritäten für vorbeugendes Handeln ableiten lassen. Bei regelmäßiger Analyse der Gesundheitsdaten in Form von Gesundheitsberichten lassen sich auch Rückschlüsse auf die Effizienz eines betrieblichen "Gesundheitsmanagements" ziehen.

Zur aktuellen und kurzfristigen innerbetrieblichen Umsetzung der Erkenntnisse bietet sich als zweites Instrument der Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz die Einrichtung von betrieblichen Gesundheitszirkeln an. Die Erfahrungen der Beschäftigten bezüglich Arbeitsbelastungen und gesundheitlichen Gefährdungen sollen zur Minderung ungünstiger Arbeitsbelastungen und zur Förderung der Gesundheit genutzt werden.

Literatur

  • Erkennen und Verhüten arbeitsbedingter Gesundheitsgefahren. Ergebnisse aus dem Kooperationsprogramm Arbeit und Gesundheit (KOPAG), hrsg.v. BKK Bundesverband/Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften, 2., überarb. Aufl., Bremerhaven 1999
  • Gesundheit und Produktivität im Unternehmen, hrsg. v. BKK Bundesverband/Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften, Universum Verlag, Wiesbaden 1999 (Link)
  • Bellwinkel, M.: Gesundheitsbericht und Gesundheitszirkel - Ein innovatives Instrumentarium zur gezielten betrieblichen Gesundheitsförderung. In: Arbeitsmedizin - Sozialmedizin - Umweltmedizin 29, 1994, S. 182
  • Dickersbach, M.: Grundvoraussetzungen und Möglichkeiten betrieblicher Gesundheitsberichterstattung. In: Zeitschrift Präventivmedizin und Gesundheitsförderung 9, 1994, S. 31
  • Hauß, F./Schräder, W. F./Witt, K.: Betrieblicher Gesundheitsbericht, Schriftenreihe der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Wirtschaftsverlag NW, Dortmund 1991
  • Hornung, M.: Gesundheitsbericht und Gesundheitszirkel im Betrieb - aus arbeitsmedizinischer Sicht. In: Arbeitsmedizin - Sozialmedizin - Umweltmedizin 29, 1994, S. 298-304
  • Kuhn, J./Wildner, M./Zapf, A.: Gesundheitsberichterstattung - Ziele, Stand und Perspektiven. In: Arbeitsmedizin - Sozialmedizin - Umweltmedizin 40, 2005, S. 28-34
  • Schröer, A./Sochert, R.: Betriebliche Gesundheitsberichterstattung - Erfahrungen und Perspektiven aus Forschung und Praxis. In: Zeitschrift Präventivmedizin und Gesundheitsförderung 6, 1994, S. 39
  • Schröer, A./Sochert, R.: Gesundheitszirkel im Betrieb. Modelle und praktische Durchführung, Universum Verlag, Wiesbaden 1997 (Link)
  • Initiative Gesundheit und Arbeit (IGA) (Link)
  • Sozialnetz Hessen (Link)

Quellen

www.arbeit-und-gesundheit.de