Glossar

Arbeitsschutz, Arbeitsmedizin und Arbeitssicherheit

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Gesundheit

Streng naturwissenschaftlich-somatische Sichtweisen stützen sich auf eindeutig objektivierbare Fakten und Größen. Sie orientieren sich an physiologischen und biochemischen Prozessen bzw. anatomischen Strukturveränderungen. Abweichungen von der Norm sind Hinweise auf Krankheit (z. B. Laboruntersuchungen zeigen normabweichende Blutzuckerwerte). Unter Krankheit versteht man die Störung einer oder mehrerer physiologischer Funktionen.

 

Psychologisch orientierte Gesundheitsdefinitionen beziehen das subjektive Befinden ausdrücklich mit ein. Aspekte des Erlebens und Verhaltens bzw. psychische Funktionsbeeinträchtigungen rücken bei diesen Ansätzen in den Vordergrund: Gesundheit liegt vor, "wenn das subjektive Empfinden besteht, dass körperliche, geistige und seelische Störungen bzw. Veränderungen fehlen" (Pschyrembel, 2007). Gefühle des Wohlbefindens, Freude am Dasein, Selbstverwirklichung und relativ gute Anpassung sind danach Merkmale von Gesundheit.

 

Soziologisch orientierte Definitionsansätze beziehen die von der Gesellschaft an das Individuum und seine Rolle gestellten Leistungserwartungen ein. Ist jemand nicht in der Lage, die Aufgaben, die von seiner gesellschaftlichen Rolle erwartet werden, zu erfüllen, wird er als krank bezeichnet. "Gesundheit kann definiert werden als der Zustand optimaler Leistungsfähigkeit eines Individuums für die wirksame Erfüllung der Rollen und Aufgaben, für die es sozialisiert worden ist." (Parsons, 1967)

 

Gesundheit und Krankheit lassen sich schließlich auch aus juristischer und sozialversicherungsrechtlicher Sicht betrachten. Als wesentliches Unterscheidungsmerkmal zwischen gesund und krank gilt die Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit. Krankheit bedeutet das Vorhandensein von Störungen, die Krankenpflege und Therapie erfordern und Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit zur Folge haben.

 

Eine sehr weitgehende Definition wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vertreten. Die WHO legt eine ganzheitliche Sichtweise vom Menschen mit allen seinen körperlichen, geistigen, seelischen und sozialen Funktionen, Lebensäußerungen und -aktivitäten zu Grunde. Gesundheit ist nicht bloß Abwesenheit von Krankheit und Gebrechen, "sondern der Zustand völligen körperlichen, geistigen, seelischen und sozialen Wohlbefindens". Gesundheit ist Bestandteil des alltäglichen Lebens und der Lebensqualität und eine Bedingung für die soziale, ökonomische und persönliche Entwicklung.

 

Auf der Basis einer solchen ganzheitlichen Auffassung von Gesundheit steckt die WHO in der Charta von Ottawa den Rahmen für eine umfassende Gesundheitsförderung ab. Gesundheitsförderung umfasst z. B. die Entwicklung einer entsprechenden Politik, die Schaffung gesundheitsdienlicher Lebenswelten (z. B. "gesunde Städte", "gesunde Betriebe", "gesunde Schulen") und die Stärkung persönlicher Kompetenzen. Menschen sollen Veränderungen in ihrem Lebensalltag treffen können, die der Gesundheit förderlich sind.

 

Auch die seit einigen Jahren in den Gesundheitswissenschaften an Bedeutung gewinnende Salutogenese (s. Bengel u. a. 2001) zielt auf eine Stärkung der Kräfte im Menschen, die seine Gesundheit erhalten bzw. wiederherstellen.

Literatur

  • Arbeit und Gesundheit - Jahrbuch 2001. Innovation und Prävention, hrsg. v. W. Eichendorf u. a., Universum Verlag, Wiesbaden 2001 (Link)
  • Gesundheit und Produktivität im Unternehmen, hrsg. v. BKK Bundesverband/Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften, Universum Verlag, Wiesbaden 1999 (Link)
  • Weltgesundheitsorganisation (Hrsg.): Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung. In: Grenzen der Prävention, Argument Sonderband 178, Argument-Verlag, Hamburg 1988 (Link)
  • Bengel, J./Strittmatter, R./Willmann, H.: Was erhält Menschen gesund? Antonovskys Modell der Salutogenese - Diskussionsstand und Stellenwert. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Köln 2001
  • Naidoo, J./Wills, J.: Lehrbuch der Gesundheitsförderung. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Hrsg.), Köln 2003
  • Nickel, U./Kuch, P./Bauer, W.: Gesundes Arbeiten lernen. Das Arbeitsplatzprogramm, Universum Verlag, Wiesbaden 1998 (Link)
  • Otte, R.: Gesundheit im Betrieb. Leistung durch Wohlbefinden, Frankfurt am Main 1994
  • Parsons, T.: Definition von Gesundheit und Krankheit im Lichte der Wertbegriffe und der sozialen Struktur Amerikas. In: A. Mitscherlich u. a.: Der Kranke in der modernen Gesellschaft, Köln 1967, S. 57 - 87
  • Pschyrembel, W.: Klinisches Wörterbuch, de Gruyter, Berlin, New York 2007
  • Schröer, A./Sochert, R.: Gesundheitszirkel im Betrieb. Modelle und praktische Durchführung, Universum Verlag, Wiesbaden 1997 (Link)
  • Arzt-Auskunft (Link)
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) (Link)
  • Gesundheit-EU - Gesundheitsportal der Europäischen Union (Link)
  • Gesundheitsinformation.de (Link)
  • NetDoktor.de - Das unabhängige Gesundheitsweb für Deutschland (Link)
  • Prävention-online. Der unabhängige Marktplatz für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz, Umweltschutz und Qualität (Link)
  • UmweltMedizinischer InformationsDienst - Informationen zu Umwelt, Gesundheit, Verbraucherschutz, hrsg. v. Umweltbundesamt (Link)
  • Weltgesundheitsorganisation (WHO) Regionalbüro für Europa

Quellen

www.arbeit-und-gesundheit.de