Glossar

Arbeitsschutz, Arbeitsmedizin und Arbeitssicherheit

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Genomanalysen

Die Gene liegen in linearer Anordnung auf den Chromosomen. Jedes Gen besteht aus Ketten von besonderen organischen Bausteinen, die sich mit Wasserstoffbrücken untereinander verbinden und strangförmig umeinander wickeln. Diese Gebilde werden als DNS (Desoxyribonukleinsäure, englische Abkürzung DNA, desoxyribonucleic acid) bezeichnet.

 

Da sich in jeder Zelle (Ausnahme: Keimzellen) eines Individuums immer der komplette Chromosomensatz befindet, haben auch alle Zellen denselben Genbestand. Jedes Gen entspricht der Information für ein bestimmtes Produkt oder eine Funktion. Mit Methoden der medizinischen Molekularbiologe ist es grundsätzlich möglich, den gesamten Genbestand zu erfassen, den genetischen Code zu analysieren und die Lage einzelner Gene auf bestimmten Abschnitten der Chromosomen zu kartieren (Genkarte). Dies bedeutet auch, dass Gendefekte erkannt (z. B. Mukoviszidose) bzw. Prädispositionen für bestimmte Erkrankungen (z. B. Chorea Huntington, Retinoblastom) vorhergesagt werden können.

 

Wahrscheinlich lassen sich in Zukunft auch Erkrankungen vorhersagen, für die lediglich ein erhöhtes Risiko besteht, die aber nicht unbedingt zum Ausbruch kommen müssen (z. B. Disposition für bestimmte Tumore, Zuckerkrankheit, Bluthochdruck). Für die Arbeitsmedizin ergeben sich daraus hochbrisante Fragen. Da Menschen mit bestimmten genetisch festgelegten Prädispositionen durch bestimmte Einwirkungen am Arbeitsplatz in höherem Maße gefährdet sein können als andere, stellt sich z. B. die Frage, ob auf Grund von Genomanalysen Ersteren der Zugang zu diesen Arbeitsplätzen verwehrt werden muss oder ob derartige Genomanalysen die Menschenwürde verletzen und einen Eingriff in die körperliche Unversehrtheit des Betroffenen darstellen.

 

1990 wurde an verschiedenen Forschungseinrichtungen unter amerikanischer Führung das "human genome"-Projekt gestartet, mit dem Ziel, bis zum Jahr 2005 die Genstruktur sämtlicher menschlicher Chromosomen zu analysieren. Das gleiche Ziel wurde auch von amerikanischen Privatfirmen in Angriff genommen. Obwohl eine gemeinsame Publikation der Ergebnisse angekündigt worden war, haben beide Gruppen dann doch getrennt im Juni 2000 (zwei Jahre früher als erwartet) die vollständige Arbeitsversion (draft sequence) des menschlichen Erbguts vorgestellt. Bis die überprüfte Version (finished high quality sequence) vorliegt, werden vermutlich weitere zwei Jahre vergehen. Allerdings ist mit der endgültigen Sequenzierung der Gene nicht das Ende, sondern erst der Anfang einer gewaltigen Arbeit erreicht, nämlich die Analyse der Funktionen, die durch die Gene gesteuert werden bzw. der durch sie gebildeten Proteine. In der Arbeitsversion wurde jedoch schon erkennbar, dass das menschliche Erbgut wesentlich weniger Gene enthält als ursprünglich vermutet: Während man in den bisherigen Schätzungen von rund 100.000 Genen ausging, lassen die bisherigen Analysen eher eine Größenordnung von unter 40.000 als realistisch erscheinen.

 

Eine heftig kritisierte Variante erhielt die Genforschung durch das isländische Genomprojekt, das von einem privaten Biotechnologie-Unternehmen betrieben wird. Ziel ist die DNA-Typisierung (bei gleichzeitiger Erfassung von medizinischen Daten) der gesamten isländischen Bevölkerung, da diese auf Grund ihrer besonderen geografischen Lage und geschichtlichen Entwicklung eine unvergleichlich hohe genetische Ähnlichkeit aufweist, so dass genetische Veränderungen viel einfacher aufgedeckt werden können.

Literatur

  • Hentze, M. W./Kulozik, A. E./Bartram, C. R.: Einführung in die medizinische Molekularbiologie, Springer Verlag, Berlin, New York 1990
  • Koch, K.: Humangenom-Projekt. Ein Mensch - drei Fliegen. In: Deutsches Ärtzeblatt 98, 2001, S. B303-304
  • Ropers, H.-H.: Die Erforschung des menschlichen Genoms: Ein Zwischenbericht. In: Deutsches Ärzteblatt 95, 1998, S. A663-669
  • Sass, M.: Genomanalyse und Gentherapie. Ethische Herausforderungen in der Humanmedizin, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg 1991
  • Schuckmann, F.: Die Bedeutung der genetischen Disposition für die Arbeitsmedizin. In: Arbeitsmedizin - Sozialmedizin - Präventivmedizin 27, 1992, S.357-358
  • UCSC Genome Bioinformatics (Link)

Quellen

www.arbeit-und-gesundheit.de