Glossar

Arbeitsschutz, Arbeitsmedizin und Arbeitssicherheit

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Gefährdungsermittlung

Je nach Zeitpunkt der Durchführung sind zwei Vorgehensweisen zur Ermittlung von Gefährdungen zu unterscheiden:

 

1. Bei der rückschauenden (retrospektiven), indirekten Analyse werden Gefährdungen durch Auswertung von Gesundheitsschäden (Verletzungen, arbeitsbedingte Erkrankungen) ermittelt. Hier unterscheidet man die Unfalluntersuchung (Einzelunfalluntersuchung, Unfallschwerpunktermittlung) und die Untersuchung arbeitsbedingter Erkrankungen.

 

2. Bei der vorausschauenden (prospektiven), direkten Analyse werden Arbeitssysteme (definierte Bereiche/Abläufe) bezüglich des Vorhandenseins von Gefährdungen untersucht. Hier unterscheidet man die Begehung (z. B. Bereich, Abteilung), die objektorientierte Gefährdungsermittlung (z. B. Maschine, Arbeitsplatz) und die arbeitsablauforientierte Gefährdungsermittlung (z. B. vom Zuschnitt über alle nachfolgenden Arbeitsabläufe bis zur Montage). Dabei empfiehlt sich folgende methodische Vorgehensweise:

 

1. Begehung des Arbeitssystems: Ermittlung von Gefährdungen im Überblick, in Augenscheinnahme, Befragung

 

2. arbeitsablauforientierte Gefährdungsermittlung: Ermittlung von Gefährdungen, die sich aus dem Arbeitsablauf innerhalb des Arbeitssystems unter Berücksichtigung aller Elemente des Arbeitssystems ergeben

 

3. systemelementorientierte Gefährdungsermittlung: Ermitteln von Gefährdungen, die durch Einzelelemente des Arbeitssystems verursacht werden

 

4. vertiefende faktororientierte Gefährdungsermittlung: Untersuchung von einzelnen Gefährdungsfaktoren, z. B. Lärm, Klima, Gefahrstoffe, mechanische Faktoren, psychische/physische Faktoren.

 

Unabhängig vom Verfahren werden Gefährdungen nach folgender genereller Vorgehensweise ermittelt:

 

1. Gefährdungsfaktoren ermitteln

 

2. Gefahrenquellen (Ursachen) der erkannten Gefährdungsfaktoren ermitteln

 

3. Nach möglichen Ursachenketten für das Vorhandensein/Auftreten der Gefährdungsfaktoren forschen (z. B. Nichtberücksichtigung arbeitsschutzrelevanter Forderungen bei Beschaffungen, fehlende Auswahlkriterien beim Vergleich von Angeboten)

 

4. Gefahrbringende Bedingungen und deren Zustandekommen ermitteln. Dadurch ergeben sich Ansatzpunkte für mögliche präventive Maßnahmen, falls die Ausschaltung der Quellen nicht möglich ist.

Literatur

  • TRBS 2210 Gefährdungen durch Wechselwirkungen

Quellen

www.arbeit-und-gesundheit.de