Glossar

Arbeitsschutz, Arbeitsmedizin und Arbeitssicherheit

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Gefährdungsbeurteilungen

Die Beurteilung der einzelnen Arbeitssysteme ist die Grundlage zur Erfüllung der Forderung gem. § 5 Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG), wonach der Arbeitgeber eine Beurteilung der Arbeitsbedingungen aller Beschäftigten je nach Art ihrer Tätigkeit durchzuführen hat. Die Gefährdungsbeurteilung ist somit ein Handlungsinstrument, mit dem

  • Handlungsschwerpunkte bestimmt,
  • betriebliche Aktivitäten der Verbesserung des Arbeitsschutzes zielorientiert gesteuert und
  • Arbeitsschutzaktivitäten kontrolliert sowie auf ihre Wirksamkeit hin beurteilt werden können.

 

Die Gefährdungsbeurteilung wird nach den folgenden Handlungsschritten durchgeführt:

 

1. Analyse: Systematische Gefährdungsermittlung

 

2. Beurteilung: Gefährdungen beurteilen, Risiken abschätzen und beurteilen. Ergibt die Beurteilung der Analyseergebnisse den Zustand Gefahr (nicht akzeptables Risiko), besteht Handlungsanlass entsprechend der nachfolgenden Schritte:

 

3. Zielsetzung: Der erforderliche Soll-Zustand zur Gestaltung sicherer und gesundheitsgerechter Arbeitssysteme ist zu beschreiben

 

4. Lösungssuche: Auf der Basis der Ziele sind Lösungen zu entwickeln. Für unterschiedliche Ziele sind unterschiedliche Lösungen möglich. Aber auch für ein Ziel sind prinzipiell unterschiedliche Maßnahmen möglich

 

 

5. Lösungsauswahl: Lösungen sind unter Berücksichtigung der Maßnahmenhierarchie zu beurteilen und auszuwählen (Abbildung)

 

 

 

6. Durch- und Umsetzung der Maßnahmen: Maßnahmen müssen im Betrieb von den zuständigen Führungskräften durchgesetzt werden. Die Umsetzung muss entsprechend der Zielvorgabe und der getroffenen Entscheidung erfolgen

 

7. Wirkungskontrolle: Die Wirkungskontrolle bildet den Schluss der systematischen Vorgehensweise. Es ist anhand der Ziele zu beurteilen, ob die durchgeführten Maßnahmen die Gefährdungen wie vorgesehen beseitigt/verringert haben oder ob evtl. neue Gefährdungen entstanden sind.

 

Ist die Wirkungskontrolle nicht erfolgreich bzw. sind neue/andere Gefährdungen entstanden, ist die Gefährdungsermittlung und -beurteilung zu wiederholen.

 

Nach § 6 ArbSchG besteht darüber eine Dokumentationspflicht durch den Arbeitgeber (außer bei Arbeitgebern mit zehn oder weniger Beschäftigten; die zuständige Behörde kann jedoch, wenn besondere Gefährdungssituationen vorliegen, anordnen, dass Unterlagen verfügbar sein müssen). Aus den Unterlagen muss ersichtlich sein:

  • das Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung
  • die festgelegten Arbeitsschutzmaßnahmen
  • das Ergebnis ihrer Überprüfung.

 

Bei gleichartigen Arbeitsbedingungen ist die Beurteilung eines Arbeitsplatzes oder einer Tätigkeit ausreichend (§ 5 ArbSchG).

 

Über die gesetzliche Verpflichtung zur Durchführung von Gefährdungsbeurteilungen nach ArbSchG hinaus sollen Gefährdungsbeurteilungen insbesondere dann durchgeführt werden, wenn

  • bei Planung oder Änderung von Arbeitsplätzen, Anlagen und Verfahren Entscheidungshilfen im Sinne der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes benötigt werden
  • auf Grund von Hinweisen oder bekannt gewordener Beinahe-Unfälle auf besondere Gefährdungssituationen zu schließen ist
  • sich besondere Unfall- oder Gesundheitsbelastungen an bestimmten Arbeitsplätzen, bei bestimmten Arbeitsverfahren oder Tätigkeiten zeigen
  • bei Überprüfungen der Arbeitsplätze festgestellt wird, dass Arbeitsschutzmaßnahmen nicht mehr ausreichend wirksam sind.

Literatur

  • Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit (Arbeitsschutzgesetz - ArbSchG) (CHV 2)
  • TRBS 1111 Gefährdungsbeurteilung und sicherheitstechnische Bewertung
  • TRBS 2210 Gefährdungen durch Wechselwirkungen
  • BG/BGIA-Empfehlungen für die Gefährdungsbeurteilung nach der Gefahrstoffverordnung - Allgemeiner Teil (BGI 790-001)
  • Gefährdungsbeurteilung - Durchführung (BGI 570)
  • Gefährdungsbeurteilung - Gefährdungskatalog (BGI 571)
  • Merkblatt A 016 "Gefährdungsbeurteilung - Durchführung - Wie? Warum? Wer?", BG Chemie (Link)
  • Merkblatt A 017 "Gefährdungsbeurteilung - Gefährdungskatalog", BG Chemie (Link)
  • BG/BGIA-Report: Arbeitsschutzlösungen für ausgewählte Stoffe und Verfahren
  • Einführung in die Gefährdungsbeurteilung für Führungskräfte - Praxisleitfaden für die Erstbeurteilung von Arbeitsbedingungen, hrsg. v. der Unfallkasse Hessen, Frankfurt a. M. 2007
  • Leitfaden zur Gefährdungsbeurteilung nach § 7 Gefahrstoffverordnung, hrsg. v. der Berufsgenossenschaft Elektro Textil Feinmechanik (BGETF), 2. Aufl., Köln 2007
  • Ratgeber zur Ermittlung gefährdungsbezogener Arbeitsschutzmaßnahmen im Betrieb. Handbuch für Arbeitsschutzfachleute, hrsg. v. der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, 4. Aufl., Dortmund/Berlin 2004
  • Cernavin, O., Georg, A.: Praxishandbuch Arbeitsschutz. Instrumente für Unternehmer und Fachkräfte, Universum Verlag, Wiesbaden 2004 (Link)
  • Gruber, H./Mierdel, B./Kittelmann, M.: Leitfaden für die Gefährdungsbeurteilung, 9. überarbeitete Auflage, Verlag Technik & Information e.K., Bochum 2008
  • Stürk, P.: Wegweiser Arbeitsschutzgesetz. Kurzinformation für die Praxis, 4. Aufl., Erich Schmidt Verlag, Bielefeld 2004
  • CD-ROM: Arbeitsschutz Center (regelmäßige Updates), Universum Verlag, Wiesbaden (Link)
  • Arbeitsschutzausschussbrief (ASA-Brief) 12 "Gefährdungsbeurteilung" der Berufsgenossenschaft Metall Nord Süd
  • Einfaches Maßnahmenkonzept Gefahrstoffe - Online-Informationen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA)
  • Einfaches Maßnahmenkonzept Gefahrstoffe der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) - Online-Anwendung (Link)
  • Hilfsmittel/Kontrolle der Arbeitssicherheit - Online-Angebot der Berufsgenossenschaft Elektro Textil Feinmechanik (BGETF)

Quellen

www.arbeit-und-gesundheit.de