Glossar

Arbeitsschutz, Arbeitsmedizin und Arbeitssicherheit

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Gebäudereinigung

Die zu reinigenden Objekte unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Bauweise und Ausstattung stark voneinander. Neben Problemen, wie dem Umgang mit Reinigungsmitteln, die alle im Reinigungsgewerbe Beschäftigten betreffen, gibt es deshalb eine Reihe von spezifischen Gefahren, denen das Reinigungspersonal je nach Art der Tätigkeit ausgesetzt ist.

 

Bei der Planung eines Gebäudes sind bereits Einrichtungen vorzusehen, die ein gefahrloses Reinigen, z. B. von Fenstern, Türen und Toren, ermöglichen. Diese Forderungen ergeben sich auch aus den Bauordnungen der Bundesländer.

 

Bei der Glas- und Fassadenreinigung arbeiten die Beschäftigten oft in großen Höhen. Der Einsatz von Leitern ist bei diesen Arbeiten nur begrenzt möglich.

 

Im Vordergrund steht bei der Glas- und Fassadenreinigung der Schutz vor Absturz. Absturzsicherungen sind in der Regel bei einer möglichen Absturzhöhe von mehr als 2 m erforderlich, bei Arbeiten an Fenstern bei einer Absturzhöhe von mehr als 5 m. Als Absturzsicherungen kommen in Betracht:

  • Seitenschutz
  • Fenstergeländer (Abbildung)(Fensterseitenschutz)
  • Auffangeinrichtungen (z. B. Auffangnetze und Fanggerüste)
  • Anseilschutz (Sicherheitsgeschirre) (Abbildung).

 

Absturzsicherungen können auch erforderlich sein, obwohl Geländer oder Brüstungen vorhanden sind; dies ist z. B. dann der Fall, wenn die Standplätze durch den Einsatz von Leitern so hoch liegen, dass Geländer oder Brüstungen keinen ausreichenden Schutz bieten. Wenn bei der Reinigung bestimmter Glasflächen regelmäßig Sicherheitsgeschirre eingesetzt werden, sollten Anschlageinrichtungen fest angebracht werden. Empfehlenswert sind Einrichtungen, die das Anschlagen von Sicherheitsgeschirren an mehreren Stellen bzw. mitlaufend ermöglichen, beispielsweise Schienen oder Drahtseilkonstruktionen (Anschlagkonstruktionen).

 

Ein hohes Maß an Sicherheit bieten Reinigungsbalkone; sie können u. U. auch mit Rettungswegen kombiniert werden. Verkehrswege und Standflächen, von denen aus Reinigungsarbeiten vorgenommen werden, müssen mindestens 0,5 m, Standflächen auf ebenen Fensterbänken mindestens 0,25 m breit sein. Auch von Gerüsten bzw. Fahrgerüsten und Hubarbeitsbühnen aus lassen sich solche Reinigungsarbeiten sicher durchführen.

 

Um die Sicherheit des Reinigungspersonals bei der Gebäudeinnenreinigung zu gewährleisten, sind eine Reihe von organisatorischen Maßnahmen zu ergreifen.

 

Dazu gehört, dass die Beschäftigten vor Aufnahme ihrer Arbeit über mögliche Gefahren in ihrem Arbeitsbereich und über solche Gefahren informiert werden, die sie durch ihre Arbeit auslösen können. Außerdem müssen sie über Maßnahmen zur Ersten Hilfe und bei Alleinarbeit Bescheid wissen. Schließlich ist vor Aufnahme der Tätigkeit zu klären, ob die Beleuchtung und - sofern vorhanden - die Fahrstühle sowie die selbsttätig öffnenden und schließenden Türen vorschriftsmäßig funktionieren.

 

Bei der Reinigung von Böden besteht u. U. Rutschgefahr. In diesem Fall sind Warnzeichen ("Warnung vor Rutschgefahr (Abbildung)") aufzustellen. Kommen die Beschäftigten bei Reinigungsarbeiten mit gefährlichen Stoffen in Kontakt, sind die notwendigen Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Bei der Abfallbeseitigung kann es zu Verletzungen durch gefährliche Gegenstände in Papier- und Abfallbehältern kommen. Das Reinigungspersonal sollte daher nicht in diese Behältnisse hineingreifen; außerdem sollen Abfälle nicht von Hand zusammengedrückt werden. Gegebenenfalls sind geeignete Schutzhandschuhe zu tragen.

 

Die genannten Maßnahmen sind auch bei der Reinigung von Industrieobjekten zu ergreifen. Dabei sind Gefahren, die dem Reinigungspersonal durch Maschinen und Anlagen, Transporteinrichtungen oder auf Grund der Exposition gegenüber Gefahrstoffen drohen, in Betracht zu ziehen.

 

Bei der Krankenhausreinigung steht der Schutz vor Infektionen im Vordergrund. Die entsprechenden Schutzmaßnahmen sind mit den im Krankenhaus dafür Verantwortlichen in einem Hygieneplan festzulegen.

 

Bei Arbeiten mit erhöhter Infektionsgefahr ist u. a. zu beachten:

  • Das Reinigungspersonal ist arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen zu unterziehen. Eine Schutzimpfung gegen Hepatitis-Viren wird empfohlen.
  • Beschäftigungsbeschränkungen sind zu beachten.
  • Bei möglichen Kontakten mit Blut, Sekreten und Körpergeweben sind Handschuhe und Schutzkleidung (Abbildung) zu tragen. Der Schutz gegen Schmierinfektion ist durch Unterbrechung der Infektionswege sicherzustellen, z. B. durch Desinfektion und das Tragen Persönlicher Schutzausrüstung. Schleimhäute und offene Wunden dürfen mit infektiösem Material nicht in Berührung kommen.
  • Bei Bedarf ist Schutzkleidung zur Verfügung zu stellen, z. B. flüssigkeitsdichte Handschuhe, Schürzen, Fußbekleidung und Mundschutz.
  • Die Schutzkleidung für das Reinigungspersonal ist zu desinfizieren, zu reinigen, instand zu halten und getrennt aufzubewahren.
  • Die Schutzkleidung ist vor dem Betreten von Aufenthalts- und Speiseräumen abzulegen.
  • Das Essen, Trinken, Rauchen sowie das Tragen von Schmuckstücken (auch Uhren und Eheringen) in den Arbeitsbereichen ist nicht erlaubt.
  • Nach Verletzungen durch Instrumente, z. B. gebrauchte Spritzen, ist umgehend der Krankenhausarzt aufzusuchen.

 

Der Schutz vor Infektionen verlangt darüber hinaus einen vorschriftsmäßigen Umgang mit der Krankenhauswäsche und die Einhaltung aller Schutzmaßnahmen bei der Beseitigung von Krankenhausabfällen (weitere Informationen dazu enthält das Merkheft Gebäudereinigung).

 

Über die genannten Regelungen für spezielle Bereiche hinaus gelten für Reinigungsarbeiten einige allgemeine Regelungen. Dazu gehört, dass den Beschäftigten (ggf. getrennte) Aufbewahrungsmöglichkeiten für Arbeits- und Straßenkleidung sowie Waschgelegenheiten (Waschräume) und die erforderlichen Pausen- bzw. Aufenthaltsräume zur Verfügung stehen. Außerdem müssen sie Reinigungsmittel - wenn nötig, auch Desinfektionsmittel - und Mittel für den Hautschutz (vorbeugend, zur Reinigung und zur Pflege) erhalten.

Literatur

  • Bauordnungen der Bundesländer
  • Verordnung über Arbeitsstätten (Arbeitsstättenverordnung - ArbStättV) (CHV 4)
  • Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz auf Baustellen (Baustellenverordnung - BaustellV)
  • Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Bereitstellung von Arbeitsmitteln und deren Benutzung bei der Arbeit, über Sicherheit beim Betrieb überwachungsbedürftiger Anlagen und über die Organisation des betrieblichen Arbeitsschutzes (Betriebssicherheitsverordnung - BetrSichV) (CHV 16)
  • Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen (Biostoffverordnung - BioStoffV) (CHV 15)
  • Verordnung zum Schutz vor Gefahrstoffen (Gefahrstoffverordnung - GefStoffV) (CHV 5)
  • UVV Bauarbeiten (BGV C 22) / (GUV-V C22)
  • UVV Grundsätze der Prävention (BGV A 1) / (GUV-V A1) / (VSG 1.1 Allgemeine Vorschriften für Sicherheit und Gesundheitsschutz)
  • UVV Leitern und Tritte (BGV D 36) / (GUV-V D36) / (VSG 2.3)
  • Benutzung von persönlichen Schutzausrüstungen zum Retten aus Höhen und Tiefen (BGR 199) / (GUV-R 199)
  • Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege (auch als TRBA 250) (BGR 250)
  • Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege (BGR 250)
  • Einrichtungen zum Reinigen von Werkstücken mit flüssigen Reinigungsmitteln (BGR 180) / (GUV-R 180)
  • Einsatz von persönlichen Schutzausrüstungen gegen Absturz (BGR 198) / (GUV-R 198)
  • Grundsätze der Prävention (BGR A 1) / (GUV-R A1)
  • Reinigungsarbeiten mit Infektionsgefahr in medizinischen Bereichen (BGR 208)
  • Umgang mit Reinigungs- und Pflegemitteln (BGR 209)
  • Technische Regeln für die Verwendung von absturzsichernden Verglasungen (TRAV)
  • TRBA 213 Abfallsammlung: Schutzmaßnahmen
  • TRBA 460 Einstufung von Pilzen in Risikogruppen
  • TRBA 462 Einstufung von Viren in Risikogruppen
  • TRBA 464 Einstufung von Parasiten in Risikogruppen
  • TRBA 466 Einstufung von Bakterien (Bacteria) und Archaebakterien (Archaea) in Risikogruppen
  • TRBA 500 Allgemeine Hygienemaßnahmen: Mindestanforderungen
  • DIN 4426 Einrichtungen zur Instandhaltung baulicher Anlagen; Sicherheitstechnische Anforderungen an Arbeitsplätze und Verkehrswege; Planung und Ausführung
  • Arbeiten an Gebäuden und Anlagen vorbereiten und durchführen (BGI 831)
  • Gebäude effektiv nutzen; Facility Management - Lösungen und Praxishilfen für Betreiber und Nutzer (mit CD-ROM) (BGI 5019)
  • Gebäudereinigungsarbeiten (BGI 659) / (GUV-I 659)
  • Gesundheitsgefährdungen durch Taubenkot - Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung nach Biostoffverordnung (BGI 892)
  • Keimbelastung wassergemischter Kühlschmierstoffe (BGI 762)
  • Seitenschutz, Randsicherungen und Dachschutzwände als Absturzsicherung bei Bauarbeiten (BGI 807)
  • Grundsätze für die Prüfung und Zertifizierung der bedingten Betretbarkeit oder Durchsturzsicherheit von Bauteilen bei Bau- und Instandhaltungsarbeiten -(GS-BAU-18) Grundsätze für die Prüfung und Zertifizierung der bedingten Betretbarkeit oder Durchsturzsicherheit von Bauteilen bei Bau- und Instandhaltungsarbeiten (GS-BAU-18)
  • Spezielle Fassadenbefahranlagen für Instandhaltungs- und Reinigungsarbeiten (GS-BAU-13)
  • Glas- und Fassadenreinigung, Instandhaltung sicher und wirtschaftlich planen, Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft - Medien und Praxishilfen (Link)
  • Leitfaden zur Vorbeugung, Untersuchung, Bewertung und Sanierung von Schimmelpilzwachstum in Innenräumen (Schimmelpilz-Leitfaden), hrsg. v. Umweltbundesamt, Berlin 2002
  • Prävention Kompakt "Gebäudereiniger" Abr. Nr. 705.11 (zu beziehen über die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft) (Link)
  • Umsetzung der Biostoffverordnung im Krankenhaus, hrsg. v. Hessischen Sozialministerium, Wiesbaden 2004
  • CD-ROM: "WINGIS - Gefahrstoff-Informationssystem" (zu beziehen über die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft) (Link)

Quellen

www.arbeit-und-gesundheit.de