Glossar

Arbeitsschutz, Arbeitsmedizin und Arbeitssicherheit

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Fruchtschädigende Stoffe

Neben der Eigenschaft "fruchtschädigend" kennen das EU-Recht und die Gefahrstoffverordnung die Eigenschaften "fruchtbarkeitsgefährdend" und "erbgutverändernd" (mutagen). Für Tätigkeiten mit fruchtbarkeitsgefährdenden oder erbgutverändernden Gefahrstoffen der Kategorie 1 und 2 sind nach der Gefahrstoffverordnung die gleichen Schutzmaßnahmen wie für Tätigkeiten mit krebserzeugenden Stoffen der Kategorie 1 und 2 zu treffen. Die Gefahrstoffverordnung gebraucht als Oberbegriff für "fruchtschädigend" und "fruchtbarkeitsgefährdend" den Begriff "fortpflanzungsgefährdend (reproduktionstoxisch)".

 

Während die Gefahrstoffverordnung bei fruchtschädigenden Gefahrstoffen eine qualitative Unterteilung von Stoffen und Zubereitungen in die drei Kategorien fruchtschädigend R~E 1 bis R~E 3 aus der Richtlinie 67/548/EWG übernimmt, berücksichtigt die DFG quantitative Aspekte und orientiert sich bei der Bewertung an bestehenden MAK-Werten.

 

Sie unterteilt die fruchtschädigenden Stoffe in vier Gruppen:

 

Gruppe A: Eine fruchtschädigende Wirkung ist beim Menschen sicher nachgewiesen und auch bei Einhaltung des MAK- und BAT-Wertes (Biologischer Arbeitsplatztoleranzwert) zu erwarten.

 

Gruppe B: Mit einer fruchtschädigenden Wirkung muss nach den vorliegenden Informationen auch bei Einhaltung des MAK- und BAT-Wertes gerechnet werden.

 

Gruppe C: Eine fruchtschädigende Wirkung braucht bei Einhaltung des MAK- und BAT-Wertes nicht befürchtet zu werden.

 

Gruppe D: Für die Beurteilung der fruchtschädigenden Wirkung liegen entweder keine Daten vor oder die vorliegenden Daten reichen für eine Einstufung in eine der Gruppen A, B oder C nicht aus.

 

Unter den vielen Stoffen, die einen MAK-Wert (Maximale Arbeitsplatzkonzentration) haben, gibt es nur wenige, die nachweislich oder auch vermutlich zu Fruchtschädigungen geführt haben. Der bekannteste Arbeitsstoff, der zwar keine Missbildung, aber andere Schädigungen bei Kindern exponierter Mütter hervorgerufen hat, ist Blei. Die gefährliche Konzentration dieses Arbeitsstoffes ist nicht mit ausreichender Genauigkeit bekannt. Trotz der geringen Zahl der Stoffe, bei denen eine fruchtschädigende Wirkung sicher nachgewiesen oder vermutet wird, kommt der strengen Einhaltung von Arbeitsschutzmaßnahmen eine besondere Bedeutung zu.

 

Mitarbeiterinnen im gebärfähigen Alter sollten über den Umgang mit fruchtschädigenden Stoffen besonders unterwiesen werden. In den ersten drei Monaten einer Schwangerschaft, d. h. in der Phase, in der die Organe angelegt werden, reagiert der Embryo besonders empfindlich auf äußere Stoffeinflüsse. Deshalb müssen Schutzmaßnahmen sofort nach Feststellung der Schwangerschaft getroffen werden. Nach Mutterschutzrichtlinienverordnung dürfen werdende Mütter nicht mit fruchtschädigenden Stoffen beschäftigt werden, es sei denn, sie sind beim bestimmungsgemäßen Umgang den Stoffen nicht ausgesetzt.

 

Beim Umgang mit fruchtschädigenden Stoffen sind Ordnung und Sauberkeit am Arbeitsplatz sowie Hygienemaßnahmen einzuhalten:

  • Die Arbeitsstoffe dürfen nicht eingeatmet oder verschluckt werden. Kontakt mit Augen und Haut ist zu vermeiden.
  • Vor dem Essen, in Pausen und nach Arbeitsende müssen die Hände gründlich mit Wasser und Seife gewaschen werden. Anschließend ist Hautpflege mit geeigneten Cremes o. Ä. empfehlenswert.
  • In den Arbeitsräumen darf nicht gegessen, getrunken oder geraucht werden; es dürfen keine Lebensmittel hier aufbewahrt werden.

 

Fruchtschädigende Wirkungen gehen auch von einigen Infektionserregern z. B. dem Röteln-Virus aus.

Literatur

  • Gesetz zum Schutze der erwerbstätigen Mutter (Mutterschutzgesetz - MuSchG)
  • Verordnung zum Schutz vor Gefahrstoffen (Gefahrstoffverordnung - GefStoffV) (CHV 5)
  • Verordnung zum Schutze der Mütter am Arbeitsplatz (Mutterschutzrichtlinienverordnung - MuSchRiV)
  • UVV Gefahrstoffe (VSG 4.5)
  • Richtlinie 1999/45/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 31. Mai 1999 zur Angleichung der Rechts- und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten für die Einstufung, Verpackung und Kennzeichnung gefährlicher Zubereitungen
  • Richtlinie 2000/54/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 18. September 2000 über den Schutz der Arbeitnehmer gegen Gefährdung durch biologische Arbeitsstoffe bei der Arbeit (siebte Einzelrichtlinie im Sinne von Artikel 16 Absatz 1 der Richtlinie 89/391/EWG)
  • Richtlinie 67/548/EWG des Rates vom 27. Juni 1967 zur Angleichung der Rechts- und Verwaltungsvorschriften für die Einstufung, Verpackung und Kennzeichnung gefährlicher Stoffe (EG-Grundrichtlinie; in der jeweils gültigen Fassung)
  • TRGS 900 Arbeitsplatzgrenzwerte
  • TRGS 905 Verzeichnis krebserzeugender, erbgutverändernder oder fortpflanzungsgefährdender Stoffe
  • Fruchtschädigungen - Schutz am Arbeitsplatz (BGI 537)
  • MAK- und BAT-Werte-Liste 2007, Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), WILEY-VCH Verlag GmbH, Weinheim (Link)
  • Toxikologisch-arbeitsmedizinische Begründung von MAK-Werten der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) (Link)
  • Begründungen zur Bewertung von Stoffen, Tätigkeiten und Verfahren als krebserzeugend, erbgutverändernd oder fortpflanzungsgefährdend (BAuA)
  • Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) (Link)
  • CMR-Gesamtliste (BAuA): Verzeichnis krebserzeugender, erbgutverändernder oder fortpflanzungsgefährdender Stoffe, Tätigkeiten und Verfahren nach Anhang I der Richtlinie 67/548/EWG, TRGS 905 und TRGS 906

Quellen

www.arbeit-und-gesundheit.de