Glossar

Arbeitsschutz, Arbeitsmedizin und Arbeitssicherheit

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Flüssigkeitsstrahler

Flüssigkeitsstrahler werden eingesetzt zum:

  • Reinigen (Kaltwasser- und Heißwasser-Hochdruckreiniger, Hochdruckreiniger mit Dampfstufe, Selbstbedienungs-Hochdruckreiniger, Behälter-Reinigungsanlagen, Kanal-Reinigungsanlagen, Rohrbündel-Reinigungsanlagen)
  • Behandeln von Oberflächen (z. B. Wassersandstrahlgeräte)
  • Zerteilen von festen Stoffen (z. B. Hochdruckwasserstrahlschneidmaschinen)
  • Beschichten von Oberflächen (z. B. Airless-Farbspritzgeräte, Zweikomponenten-Beschichtungsgerät)
  • Ausbringen von Desinfektions-, Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmitteln (z. B. Drucksprühgeräte).

 

Gefahren entstehen z. B. durch den Rückstoß, die Schneidwirkung des Flüssigkeitsstrahls, bei Arbeiten im Bereich elektrischer Anlagen und Betriebsmittel. Gesundheitsgefahren können sich aus den Eigenschaften der Flüssigkeit (Temperatur, ätzende Wirkung) ergeben.

 

Flüssigkeitsstrahler müssen mit Sicherheitseinrichtungen gegen Drucküberschreitung (Sicherheitsventil, Überströmventil) ausgerüstet sein. Geräte zur Oberflächenbeschichtung müssen zusätzlich eine Einrichtung zur Druckentlastung haben, mit deren Hilfe die Spritzeinrichtung sowie druckseitige Rohr- und Schlauchleitungen drucklos gemacht werden können. Ist der Flüssigkeitsstrahler mit einem Erhitzer ausgerüstet, ist außerdem eine Einrichtung notwendig, die ein Überschreiten der zulässigen Betriebstemperatur verhindert (z. B. Temperaturwächter, Strömungswächter). Regeleinrichtungen dürfen nicht gleichzeitig als Sicherheitseinrichtungen dienen.

 

Mechanisch geführte Spritzeinrichtungen sollten den von Hand geführten vorgezogen werden. Handspritzeinrichtungen dürfen nur unter bestimmten Voraussetzungen eingesetzt werden. Die Person, die mit dem Strahler arbeitet, muss einen sicheren Stand haben; Leitern und lose Bohlen geben keinen Halt. Die Rückstoßkraft darf in der Längsachse der Spritzeinrichtung 250 N nicht überschreiten. Übersteigt die Rückstoßkraft 150 N, muss die Spritzeinrichtung mit einer Körperstütze ausgerüstet sein, durch die die Stoßkraft ganz oder teilweise übertragen wird. Außerdem darf sich die maximale Rückstoßkraft nicht schlagartig aufbauen. Spritzeinrichtungen genügen diesen Anforderungen, wenn sie mit einer Doppelhandsicherung (Zweihandbetätigung) ausgerüstet sind. Der Betrieb ist in diesem Fall nur möglich, wenn beide Betätigungseinrichtungen gleichzeitig bedient werden.

 

Von Hand gehaltene Spritzeinrichtungen müssen außerdem gewährleisten, dass keine Flüssigkeit mehr austritt, sobald die Betätigungseinrichtung losgelassen wird. Gleichzeitig muss automatisch die Zufuhr weiterer Flüssigkeit zur Spritzeinrichtung gestoppt oder der Druckerzeuger abgeschaltet werden.

 

Die Schalteinrichtung muss so gesichert sein, dass sie nicht unbeabsichtigt ausgelöst werden kann. In geschlossener Stellung soll sie verriegelt werden; in der Einschaltstellung darf sie nicht festgesetzt werden. Eine Verriegelung ist dann nicht notwendig, wenn beim Loslassen der Schalteinrichtung der Druckerzeuger abgeschaltet wird.

 

Ist aus betriebstechnischen Gründen eine Handbetätigung des Strahlers nicht möglich, kann die Spritzeinrichtung auch mit einem Fußschalterausgerüstet sein. Betriebstechnische Gründe können z. B. beim Reinigen langer Rohrleitungen vorliegen. Fußschalter müssen eine selbsttätige Rückstellung haben und durch eine Abdeckung - ggf. mit Verriegelung - gesichert sein. Erhöhte Rückstoßkräfte können beim Einsatz von Fußschaltern eine Gefahr sein. Bei mehr als 150 N sollte die Lanze daher z. B. in einer Halterung geführt werden, oder aber es ist eine zweite Schalteinrichtung vorhanden, die im Gefahrfall von einer anderen Person betätigt werden kann.

 

Werden zur Rohrreinigung Schläuche und Lanzen eingesetzt, hat der Betreiber am Schlauch oder an der Lanze eine Markierung anzubringen, die den Austritt der Düse aus dem Rohr rechtzeitig erkennen lässt.

 

Schlauchleitungen müssen mit dem Montagedatum (Jahr und Quartal) und dem zulässigen Betriebsüberdruck gekennzeichnet sein. Sie dürfen nicht eingeklemmt oder über scharfe Kanten geführt werden, die sie beschädigen könnten. Schläuche für zulässige Betriebsüberdrücke von mehr als 10 bar dürfen außer vom Hersteller oder Lieferer nur von einer Befähigten Person bzw. einem Sachkundigen eingebunden werden. Diese Person wird vom Unternehmer bestimmt. Voraussetzung ist, dass im Betrieb die erforderlichen Montage- und Prüfeinrichtungen vorhanden sind. Auf der Armatur der Schlauchleitung muss ein deutlich erkennbares und dauerhaftes Kennzeichen angebracht werden, das den Einbinder erkennen lässt.

 

Flüssigkeitsstrahler müssen vor der ersten Inbetriebnahme, nach sicherheitsrelevanten Reparaturen, nach Betriebsunterbrechungen von mehr als sechs Monaten, mindestens aber einmal pro Jahr von einem Sachkundigen geprüft werden. Die Ergebnisse dieser Prüfung sind schriftlich festzuhalten und als Nachweis am Verwendungsort aufzubewahren.

 

Für den Umgang mit Flüssigkeitsstrahlern müssen, wie für die Arbeitsstoffe, allgemein zugängliche und verständliche

Betriebsanweisungen

vorliegen. In die Betriebsanweisung, die anhand der Betriebsanleitung des Herstellers erstellt wird, gehören z. B. Angaben über:

  • Inbetriebnahme, Handhabung, Schutzmaßnahmen, Stillsetzung, Wartung
  • Arbeitsstoffe
  • Gefahren im Betrieb
  • Besonderheiten beim Einsatz von Robotern
  • Verhalten bei Störungen
  • Persönliche Schutzausrüstungen
  • Hautschutz
  • hygienische Maßnahmen
  • Erste Hilfe
  • sachgerechte Entsorgung
  • bei stationärem Betrieb von Geräten mit öl- oder gasbefeuerten Erhitzern eine Regelung, wie die Verbrennungsgase gefahrlos abgeführt werden können.

 

Mit den Geräten dürfen nur Personen arbeiten, die mit ihnen vertraut sind und über die möglichen Gefahren unterwiesen wurden. Inhalt und Zeitpunkt der

Unterweisung

sind schriftlich festzuhalten und von den Unterwiesenen durch Unterschrift zu bestätigen. Jugendliche unterliegen Beschäftigungsbeschränkungen.

 

Der Arbeitgeber muss den Beschäftigten Hautschutz und Persönliche Schutzausrüstungen bereitstellen; diese müssen benutzt werden, wenn bei der Arbeit Gesundheitsschädigungen eintreten können. Zu den Persönlichen Schutzausrüstungen gehören z. B. griffsichere Schutzhandschuhe und gleitsichere Stiefel, beim Einsatz von Reinigungsgeräten in der Regel wasserdichte Spritzschutzhosen und -jacken sowie Gesichtsschutz.

Literatur

  • 9. Verordnung zum Geräte- und Produktsicherheitsgesetz (Maschinenverordnung - 9. GPSGV)
  • Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Bereitstellung von Arbeitsmitteln und deren Benutzung bei der Arbeit, über Sicherheit beim Betrieb überwachungsbedürftiger Anlagen und über die Organisation des betrieblichen Arbeitsschutzes (Betriebssicherheitsverordnung - BetrSichV) (CHV 16)
  • Verordnung zum Schutz vor Gefahrstoffen (Gefahrstoffverordnung - GefStoffV) (CHV 5)
  • UVV Grundsätze der Prävention (BGV A 1) / (GUV-V A1) / (VSG 1.1 Allgemeine Vorschriften für Sicherheit und Gesundheitsschutz)
  • Arbeiten in umschlossenen Räumen von abwassertechnischen Anlagen (BGR 126) / (GUV-R 126)
  • Betreiben von Arbeitsmitteln (BGR 500)
  • Grundsätze der Prävention (BGR A 1) / (GUV-R A1)
  • Richtlinien für Flüssigkeitsstrahler (Spritzgeräte) (ZH 1/406)
  • TRBS 1203 Befähigte Personen - Allgemeine Anforderungen
  • TRBS 1203 Teil 1 Befähigte Personen - Besondere Anforderungen - Explosionsgefährdungen
  • TRBS 1203 Teil 2 Befähigte Personen - Besondere Anforderungen - Druckgefährdungen
  • TRBS 1203 Teil 3 Befähigte Personen - Besondere Anforderungen - Elektrische Gefährdungen
  • TRGS 507 Oberflächenbehandlung in Räumen und Behältern
  • TRGS 555 Betriebsanweisung und Information der Beschäftigten
  • DIN EN 60335-2-79 Sicherheit elektrischer Geräte für den Hausgebrauch und ähnliche Zwecke; Besondere Anforderungen für Hochdruckreiniger und Dampfreiniger

Quellen

www.arbeit-und-gesundheit.de