Glossar

Arbeitsschutz, Arbeitsmedizin und Arbeitssicherheit

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Drogen am Arbeitsplatz

Drogenkonsum stellt nicht nur ein Phänomen von gesellschaftlichen Randgruppen dar, sondern hat sich auch in breiteren Bevölkerungsschichten immer stärker etabliert. Die Zahl der auffälligen Drogenabhängigen ist im Vergleich zu den alkoholabhängigen Beschäftigten zwar wesentlich geringer (etwa 1:10), es ist jedoch von einer hohen Dunkelziffer an Beschäftigten mit mehr oder weniger regelmäßigem Drogenkonsum auszugehen.

 

Durch die Einnahme von Drogen können die Gesundheit, Arbeitsfähigkeit und Arbeitssicherheit erheblich beeinträchtigt werden. § 15 der Unfallverhütungsvorschrift "Grundsätze der Prävention" legt fest: "Versicherte dürfen sich durch den Konsum von Alkohol, Drogen oder anderen berauschenden Mitteln nicht in einen Zustand versetzen, durch den sie sich selbst oder andere gefährden können." Das gilt auch für die Einnahme von Medikamenten. § 7 bestimmt: "Der Unternehmer darf Versicherte, die erkennbar nicht in der Lage sind, eine Arbeit ohne Gefahr für sich oder andere auszuführen, mit dieser Arbeit nicht beschäftigen."

 

Am Arbeitsplatz fallen Drogenkonsumenten durch vielfältige Erscheinungen auf; diese reichen von erhöhten Fehlzeiten über Leistungsschwankungen, psychische Verhaltensauffälligkeiten (wechselnde Stimmungen, Fahrigkeit, Merkstörungen, Unkonzentriertheit) bis hin zu deutlichen Fehlleistungen. Die wichtigsten Wirkungen von Designerdrogen sind plötzliche Stimmungsaufhellung und Euphorisierung in Kombination mit Konzentrationsstörung, visueller und auditiver Wahrnehmungsstörung, eingeschränktem Urteilsvermögen etc. Als lebensgefährliche Nebenwirkung können z. B. Herz-Kreislauf-Versagen, Nierenversagen, Hirnblutung, Krampfanfälle, Schockzustände, Leberschädigung und Hyperthermie auftreten. Bei Dauerkonsumenten können auch langfristig in etwa 50 % der Fälle anhaltende psychotische Störungen wie Halluzinationen, Personenverkennungen oder Wahnvorstellungen sowie Defizite bei den Lern- und Gedächtnisfunktionen mit eindeutiger Dosis-Wirkungs-Beziehung auftreten.

 

Die Probleme, die sich aus dem Umgang mit Drogenkonsumenten ergeben, sind sowohl für den Arbeitgeber als auch für die Mitarbeiter außerordentlich belastend.

 

Die in der BG-Vorschrift "Grundsätze der Prävention" (BGV A 1) im § 7 Abs. 2 verankerte rechtliche Grundlage bietet nur einen allgemeinen Handlungsrahmen: "Der Unternehmer darf Versicherte, die erkennbar nicht in der Lage sind, eine Arbeit ohne Gefahr für sich oder andere auszuführen, mit dieser Arbeit nicht beschäftigen." Außerdem heißt es in § 15 Abs. 2: "Versicherte dürfen sich durch den Konsum von Alkohol, Drogen oder anderen berauschenden Mitteln nicht in einen Zustand versetzen, durch den sie sich selbst oder andere gefährden können."

 

Der biochemische Nachweis der Einnahme von Drogen ist deutlich verbessert worden. Nach wie vor schwierig gestaltet sich die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit. Die eingenommenen Drogen können chemisch sehr unterschiedlich sein und große Wirkungsunterschiede zeigen; sie können durch Mehrfachkombination völlig unvorhersehbare Wirkungsverläufe mit unerwartet langer Dauer des Rauschzustands aufweisen (z. B. Flash-back-Phänomen durch Stoffwechselabbauprodukte).

 

Angesichts dieser Schwierigkeiten und möglicher gravierender Folgen für die Arbeitssicherheit muss der Arbeitgeber in Zusammenarbeit mit Betriebsarzt und Betriebsrat relativ strenge Regeln für den Umgang mit Drogenkonsumenten aufstellen und auf ihre Einhaltung pochen. Hierzu gehören die Forderung nach Drogenabstinenz am Arbeitsplatz, die Freistellung von der Arbeit bei drogenbedingten Verhaltensauffälligkeiten, die Wiederaufnahme der Arbeit erst bei erwiesener Drogenfreiheit (Urinuntersuchung), Ausschluss von Arbeiten mit hohem Sicherheitsrisiko für einen vereinbarten Zeitraum, ggf. Kündigung bei unbeeinflussbarer Sucht in Verbindung mit der Chance zur Wiedereinstellung nach erfolgreicher Entzugsbehandlung.

Literatur

  • UVV Grundsätze der Prävention (BGV A 1) / (GUV-V A1) / (VSG 1.1 Allgemeine Vorschriften für Sicherheit und Gesundheitsschutz)
  • Grundsätze der Prävention (BGR A 1) / (GUV-R A1)
  • Droge Alkohol, Heft 19 der Reihe Arbeit und Gesundheit Basics, hrsg. v. der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, Universum Verlag, Wiesbaden 2003 (BGI 597-19)
  • Qualitätsstandards in der betrieblichen Suchtprävention und Suchthilfe, hrsg. v. der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS), Hamm 2006
  • Suchtprobleme im Betrieb. Alkohol, Medikamente, illegale Drogen, hrsg. v. Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR), 2005 (Link)
  • Heinz, T.: Synthetische Drogen am Beispiel des MDMA - Auswirkungen des Konsums von "Designerdrogen". In: Deutsches Ärzteblatt 93, 1996, S. A446-448
  • Kleinsorge, H./ Zober, M. A.: Drogen: Probleme bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit. In: Arbeitsmedizin - Sozialmedizin - Umweltmedizin 29, 1994, S. 486-489
  • Thomasius, R.: Ecstasy - Wirkungen, Risiken, Interventionen. Thieme, Stuttgart 1999
  • Ziegler, H./Brandl, G.: Suchtprävention als Führungsaufgabe. Lösungsorientierte Strategien für den Betrieb, Universum Verlag, Wiesbaden 2004 (Link)
  • Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e. V. (Link)
  • Praxishilfen: Arbeit. Gesundheit. Leben. Informationen und Download-Angebote der Bergbau- und Steinbruchs-Berufsgenossenschaft zu wichtigen Präventions-Themen (Link)

Quellen

www.arbeit-und-gesundheit.de