Glossar

Arbeitsschutz, Arbeitsmedizin und Arbeitssicherheit

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Chemikalienschutzhandschuhe

Vor der Auswahl der Schutzhandschuhe ist die Gefährdung arbeitsplatzbezogen zu analysieren. Den Handschuh, der gegen alle Gefahrstoffe schützt, gibt es nicht. Jeder Handschuh wird nach einer bestimmten Zeit gegenüber fast jedem Stoff und erst recht jedem Produkt - in der Regel ein Gemisch aus mehreren Stoffen - durchlässig.

 

Bei der Frage nach geeigneten Chemikalienschutzhandschuhen sind verschiedene Aspekte zu berücksichtigen. Ein Handschuhmaterial muss neben ausreichenden mechanischen Eigenschaften (Reißfestigkeit und -dehnung, Durchstichwiderstand) sicheren Schutz vor aggressiven Produkten und gesundheitsschädlichen Lösemitteln bieten. Entscheidend sind dabei Aussagen zur Quellbeständigkeit eines Materials, zur Penetration, das heißt zum Durchdringen einer Substanz durch kleine Poren, Risse, Nähte oder Löcher (durch Luft- und Wassertests einfach sichtbar zu machen) und zur Permeation. Unter Permeation wird der Vorgang verstanden, bei dem eine Chemikalie durch das Material diffundiert und auf der Innenseite des Handschuhs wieder austritt. Die charakteristische Größe zur Beschreibung der Permeation ist die Durchbruchs- oder Permeationszeit. Sie beschreibt die Zeitspanne zwischen dem ersten Kontakt mit der Chemikalie auf der Außenseite des Handschuhs und dem Austreten der ersten Moleküle auf der Innenseite.

 

Handschuhe können noch sehr beständig aussehen, aber längst von der Chemikalie durchdrungen sein. Die Durchbruchzeiten von vielen Lösemitteln sind oft sehr kurz. So werden die sechs gängigsten Handschuhmaterialien von Toluol schon nach 6 bis 20 Minuten, von Methylacetat nach 12 bis 30 Minuten durchdrungen. Bei Lösemittelgemischen sind die Durchbruchzeiten oft noch kürzer. Häufig lässt sich für diese Gemische überhaupt kein geeignetes Handschuhmaterial angeben.

 

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Frage der Wiederverwendbarkeit des Handschuhs. Es muss geprüft werden, ob ein am Vortag verwendeter Handschuh auch am nächsten Tag noch benutzt werden kann. Heutige Daten zu Chemikalienschutzhandschuhen machen lediglich Aussagen zur Verwendung der Handschuhe über einen Zeitraum von höchstens 8 Stunden, also in der Regel einem Arbeitstag.

 

Zur richtigen Auswahl von Chemikalienschutzhandschuhen sind grundsätzlich Quellung, Penetration, Permeation und Wiederverwendbarkeit zu prüfen. Einzelheiten bezüglich Anforderungen und Bestimmungsmethoden für Penetration und Permeation enthält die DIN EN 374.

 

Chemikalienschutzhandschuhe dürfen wie alle Persönlichen Schutzausrüstungen seit Mitte 1995 nur noch in Verkehr gebracht werden, wenn sie die CE-Kennzeichnung aufweisen.

Literatur

  • Benutzung von Schutzhandschuhen (BGR 195) / (GUV-R 195)
  • Richtlinie 89/656/EWG des Rates vom 30. November 1989 über Mindestvorschriften für Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Benutzung persönlicher Schutzausrüstungen durch Arbeitnehmer bei der Arbeit (dritte Einzelrichtlinie im Sinne des Artikels 16 Absatz 1 der Richtlinie 89/391/EWG)
  • Richtlinie 89/686/EWG des Rates vom 21. Dezember 1989 zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten für persönliche Schutzausrüstungen
  • DIN EN 374 Schutzhandschuhe gegen Chemikalien und Mikroorganismen
  • DIN EN 420 Schutzhandschuhe - Allgemeine Anforderungen und Prüfverfahren
  • Forschungsbericht Chemikalienschutzhandschuhe - Online-Informationen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung

Quellen

www.arbeit-und-gesundheit.de