Beizen und Brennen von Oberflächen

Beizen ist das Entfernen von Oxiden und anderen Metallverbindungen von der Oberfläche durch chemische oder elektrolytische Behandlung. (Das Entlacken von Oberflächen findet sich unter dem Stichwort Abbeizmittel, es sind die Anforderungen der TRGS 507 zu beachten.) Brennen ist das Beizen von Kupferwerkstoffen mit salpetersäurehaltigen Lösungen. Als Beizmittel werden verdünnte Säuren mit Zusatzstoffen, z. B. Schwefel-, Salz-, Phosphor-, Fluss- oder Salpetersäure, eingesetzt. Aluminium-Werkstoffe werden in Natronlauge gebeizt.

Sparbeizen greifen das Grundmaterial weniger an, weil sie Hemmstoffe (Inhibitoren) enthalten. Bei den Inhibitoren handelt es sich vorwiegend um Dibenzoylsulfoxid und Hexamethylentetramin. Spezialbeizen für Leichtmetalle können arsen- oder quecksilberhaltig sein. Beim Beizen von Kupfer-, Nickel- und Messingwerkstoffen können außer den genannten Säuren auch Chromsäuren und Chromate eingesetzt werden.

Dekapieren ist ein kurzzeitiges Beizen zum Aktivieren der Oberfläche. Dekapierlösungen bestehen im Allgemeinen aus verdünnten anorganischen Säuren; jedoch können auch cyanidhaltige Zusätze verwendet werden. Aluminium wird alkalisch dekapiert.

Gefährdungen durch Beizmittel sind beim Ansetzen und Betrieb der Bäder durch Hautkontakt, Spritzer und Dämpfe gegeben. Beim Ansetzen der Bäder ist immer Säure in Wasser zu geben, nie umgekehrt, weil der Vorgang mit einer starken Temperaturerhöhung verbunden ist. Eine Kennzeichnung der Bäder ist erforderlich. Das Ausströmen von Säuredämpfen muss verhindert sein.

Ob hierzu eine Randabsaugung erforderlich ist, hängt im Allgemeinen vom benutzten Beizmittel ab:

  • Bei Salpeter- und Flusssäure bilden sich an der Badoberfläche gesundheitsschädliche Gase und Dämpfe, die eine Absaugung zwingend erforderlich machen
  • Bei kalten Salzsäurebeizen ist die Wirkung einer Randabsaugung auf die Chlorwasserstoff-Konzentration in der Atemluft kaum von Bedeutung.

Gelegentlich werden Badoberflächen mit Schwimmkörpern abgedeckt. Die Wirksamkeit dieser Maßnahme ist vom Anwendungsfall abhängig.

Bei Verwendung cyanidhaltiger Lösungen ist darauf zu achten, dass ggf. die Abläufe für säurehaltige Beizen getrennt geführt werden und die Einlauftrichter weit voneinander angeordnet und gut gekennzeichnet sind. Bei Verwechslung besteht Gefahr durch Bildung von Blausäuredämpfen. Entsprechendes gilt für das Ableiten der Abluft aus säure- und cyanidhaltigen Bädern. Für den Betrieb sind Betriebsanweisungen zu erstellen, die auch regeln, durch welche Persönliche Schutzausrüstungen den verbleibenden Gefährdungen begegnet wird.

Bei der Lagerung ist u. a. darauf zu achten,

  • dass giftige und sehr giftige Stoffe unter Verschluss gehalten werden
  • dass Salpetersäure nicht mit oxidierbaren Stoffen in Berührung kommen kann (Bildung nitroser Gase, mit organischen Stoffen besteht Brand-/Explosionsgefahr).

Literatur

  • Verordnung zum Schutz vor Gefahrstoffen (Gefahrstoffverordnung - GefStoffV) (CHV 5)
  • UVV Gefahrstoffe (VSG 4.5)
  • Cyanwasserstoff (Blausäure), Cyanide (BGI 569)
  • Fluorwasserstoff, Flusssäure und anorganische Fluoride (BGI 576)
  • Galvaniseure (BGI 552)
  • Reizende Stoffe - Ätzende Stoffe (BGI 595)
  • Salpetersäure, Stickstoffoxide, Nitrose Gase (zurückgezogen von der BG Chemie) (BGI 591)
  • Deutsche Gesellschaft für Galvano- und Oberflächentechnik (Link)
  • Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (Informationsangebot Deutschlands) (Link)
  • GESTIS-Stoffdatenbank (Link)

Quellen

www.arbeit-und-gesundheit.de