Glossar

Arbeitsschutz, Arbeitsmedizin und Arbeitssicherheit

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Augenschutz

Mechanische Schädigungen werden in erster Linie durch Splitter, Späne oder Staub verursacht. Art und Schwere der Augengefährdung hängen von der Form der Späne und Splitter, von deren Temperatur sowie der Geschwindigkeit ab, mit der sie das Auge treffen (Schleif- und Trennarbeiten, Benutzung von Schussapparaten). Staub trifft zwar im Allgemeinen nicht mit großer Geschwindigkeit die Augen, kann aber trotzdem schwerwiegende Reizungen und Entzündungen verursachen.

 

Optische Schädigungen entstehen bei einer örtlichen Erwärmung des Auges durch Strahlungsenergie. Je nach Wellenlänge der Strahlung können unterschiedliche Schäden hervorgerufen werden.

 

UV-Strahlung (z. B. beim Schweißen oder starke Sonnenstrahlung) führt zu Hornhaut- oder Bindehautentzündungen (Verblitzen). Sichtbare Lichtstrahlen (grelles Sonnenlicht, starke künstliche Lichtquellen) können bei übermäßiger Leuchtdichte durch Blendung eine Herabsetzung der Sehschärfe bewirken, die sich nach einiger Zeit zurückbildet. Es können jedoch auch irreversible Schädigungen der Netzhaut zurückbleiben.

 

Infrarotstrahlen (Wärmestrahlung) führen bei hoher Strahlungsintensität auf der Haut zu Verbrennungen, bei starker Konzentration zur Verbrennung der Netzhaut. Die Erwärmung der eiweißhaltigen Flüssigkeit der Augenlinsen führt zu einer Trübung, die sich nicht zurückbildet und zur Erblindung führen kann ("Feuerstar").

 

Ganz besonders gefährlich kann Laserstrahlung wegen ihrer enorm hohen Energiebündelung sein.

 

Chemische Schädigungen können durch feste, flüssige oder gasförmige Stoffe hervorgerufen werden. Während Säurespritzer auf der Hornhaut Geschwüre mit Narbenbildung (Sehtrübung) verursachen, sind Schädigungen durch Laugen wesentlich schwer wiegender. Schon wenige Tropfen können zur Trübung der gesamten Hornhaut führen.

 

Biologische Schädigungen können durch das Eindringen von Krankheitserregern oder Mikroorganismen über das Auge in den Körper erfolgen.

 

Thermische Schädigungen der Augen werden vor allem bei extremen Temperatureinwirkungen hervorgerufen - Hitze (z. B. Strahlungs- oder Berührungswärme) oder Kälte (z. B. in Kühlhäusern). Das Tränen der Augen ist häufig ein erstes Warnsignal, bevor weitere Schädigungen wie z. B. Erfrierungen folgen.

 

Vor der Benutzung persönlichen Augen- oder Gesichtsschutzes muss die Gefährdung durch eine Gefährdungsbeurteilung am Arbeitsplatz festgestellt werden. Gefährdungen sind typischerweise z. B. gegeben bei Schweiß-, Schleif- und Trennarbeiten, Stemm- und Meißelarbeiten, Steinbe- und -verarbeitung, Arbeiten mit Bolzensetzgeräten, an spanabhebenden Maschinen beim Bearbeiten von kurzspanendem Werkstoff, Gesenkschmiedearbeiten, Zerkleinerung und Beseitigung von Scherben, Strahlarbeiten mit körnigem Material, Arbeiten mit Säuren, Laugen, Desinfektionsmitteln und ätzenden Reinigungsmitteln, Arbeiten mit Flüssigkeitsstrahlern oder feuerflüssigen Massen sowie beim Aufenthalt in deren Wirkungsbereich, Arbeiten mit Strahlungshitze, Lasern, Einmann-Motor-Kettensägen und Freischneidern, Arbeiten in chemischen Laboratorien und Produktionsanlagen, in Füllanlagen, Arbeiten mit hydraulischen Rettungsgeräten der Feuerwehr, bei Forst- und Gartenbauarbeiten, Entrostungsarbeiten oder dem Trennen von Verpackungsbändern sowie dem Sägen und Hacken von Knochen. In erster Linie müssen technische oder organisatorische Schutzmaßnahmen ergriffen werden. Wenn diese nicht ausreichen oder nicht realisierbar sind, kann in Betracht gezogen werden, Persönliche Schutzausrüstungen (PSA) für die Augen zur Verfügung zu stellen. Die entsprechenden Gebotszeichen (Abbildung) "Augenschutz benutzen" bzw. "Gesichtsschutz benutzen" weisen auf die vorhandenen Gefährdungen sowie die sich daraus ergebende Tragepflicht von Augen- bzw. Gesichtsschutz hin. Für jeden Beschäftigten, der bei der Arbeit oder auch nur als mithelfende Person Augenschutz tragen muss, soll ein eigener Augenschutz zur Verfügung stehen.

 

Es gibt eine große Auswahl an Augenschutzgeräten, wobei neben der Schutzwirkung auch auf Tragekomfort, Gewicht, Einstellmöglichkeiten und Design geachtet werden soll. Sie bestehen im Allgemeinen aus einem Tragkörper und den Sichtscheiben. Die Tragkörpersind Schutzbrillengestelle oder, wenn zugleich ein Schutz des Gesichts oder der Atemwege erforderlich ist, Schutzschilde, -hauben oder -schirme.

 

Bei Schutzbrillen mit Sichtscheiben wird zwischen Gestell- und Korbbrillen unterschieden. Die Gestellbrille mit Ohrbügeln schützt die Augen vorne gegen Fremdkörper oder Strahlung und kann durch Seitenschutz oder Blendschutz ergänzt werden. Die Korbbrille umschließt den Augenraum und schützt die Augen allseitig; der Augenraum muss belüftet sein.

 

Schutzschilde schützen neben den Augen auch Gesicht und Hals, z. B. vor herumfliegenden Splittern oder Spänen, vor Chemikalien oder Strahlung. In dem Schild ist ein genügend großes rechteckiges Fenster, in das die auswechselbaren Sichtscheiben eingesetzt werden. Der Schild wird vom Benutzer mit einer Hand gehalten.

 

Schutzhauben umschließen rundherum Kopf und Hals. Sie haben vor dem Gesicht ein Fenster mit der jeweils erforderlichen Sichtscheibe (z. B. für Schutzgasschweißer).

 

Schutzschirme/Visiere bestehen aus einer das Gesicht bedeckenden Sichtscheibe, die an Stirnreifen oder Industrieschutzhelmen befestigt ist (z. B. Schutzschirme für Ofenarbeiten), oder einem entsprechendem Drahtgewebe.

 

Die Sichtscheiben werden in Abhängigkeit von ihrer Schutzwirkung eingeteilt in Sicherheitsscheiben und Sichtscheiben mit Filterwirkung. Als Werkstoff kommen sowohl Glas als auch Kunststoff zum Einsatz. Sichtscheiben mit Filterwirkung sollen schädliche Strahlen filtern, damit sie für das Auge verträglich sind, ohne dabei die Sichtbedingungen einzuschränken. Die Schutzwirkung von Filtersichtscheiben wird in Schutzstufen unterteilt. Hierbei wird auf ausreichenden Schutz gegen Blendung, UV- und IR-Strahlung geachtet. In Abhängigkeit von der Strahlenart werden unterschieden:

  • Schweißerschutzfilter
  • Sonnenschutzfilter
  • Schutzfilter gegen Ultraviolettstrahlung (UV)
  • Schutzfilter gegen Infrarotstrahlung (IR)
  • Laserschutzfilter.

 

Bei der Auswahl von geeignetem Augen- und Gesichtsschutz ist auf die entsprechende Kennzeichnung der Sichtscheibe zu achten. Diese umfasst:

  • CE-Kennzeichnung
  • Schutzstufennummer (nur bei Filterscheiben)
  • Identifikationszeichen des Herstellers
  • optische Klasse (ausgenommen bei Vorsatzscheiben)
  • Kurzzeichen für:

 

die mechanische Festigkeit

 

die Beständigkeit gegen Beschlagen,

 

(falls zutreffend) die Beständigkeit gegen Lichtbögen, das Nichthaften von Schmelzmetall, die Beständigkeit gegen Beschädigung durch kleine Teilchen, erhöhten Reflexionsgrad, Original- oder Ersatzscheibe.

 

Für alle Filtersichtscheiben sind Schutzstufen (Abbildung) festgelegt, die sich aus dem für den Blendschutz erforderlichen Lichttransmissionsgrad im sichtbaren Spektralgebiet ergeben. Sie beschreibt die Strahlendurchlässigkeit eines Filters. Die Schutzstufe wird beschrieben mit einer Vorzahl und der durch einen Bindestrich abgetrennten Schutzstufennummer des Filters (je höher die Nummer, desto geringer die Durchlässigkeit für optische Strahlen). Die Schutzstufe der Schweißerschutzfilter enthält keine Vorzahl; Sicherheitssichtscheiben ohne Filterwirkung und Vorsatzscheiben haben keine Schutzstufe.

 

Entsprechend den Brechwerten sind Sichtscheiben in drei optische Klassen eingeteilt:

 

Klasse 1: Arbeiten mit besonders hohen Anforderungen an die Sehleistung für den Dauergebrauch

 

Klasse 2: Arbeiten mit durchschnittlichen Anforderungen an die Sehleistung

 

Klasse 3: in Ausnahmefällen für grobe Arbeiten ohne größere Anforderungen an die Sehleistung.

 

Vorsatzscheiben müssen stets die optische Klasse 1 erfüllen.

 

Mechanische Festigkeit:

 

ohne = mechanische Grundfestigkeit (kein Zeichen)

 

S = erhöhte mechanische Festigkeit

 

F = Stoß mit niedriger Energie

 

B = Stoß mit mittlerer Energie

 

A = Stoß mit hoher Energie.

 

Ist Nichthaften von Schmelzmetall als Eigenschaft erfüllt, wird die Sichtscheibe mit der Ziffer 9 gekennzeichnet.

 

Tragkörper enthalten als Kennzeichnung

  • CE-Kennzeichnung
  • Identifikationszeichen des Herstellers
  • Kurzzeichen für Verwendungsbereich (Abbildung)
  • Nummer der Norm
  • Kurzzeichen für die Stoßprüfung (Abbildung) (falls zutreffend).

 

Für Fehlsichtige kommen als Augenschutz in Betracht:

  • Schutzbrillen mit Korrekturgläsern (erforderlichenfalls aus Sicherheitsglas)
  • Überbrillen, die über der eigenen Korrekturbrille getragen werden (z. B. Einscheibenbrillen mit Sicherheitsscheiben)
  • Visiere, die über der eigenen Korrekturbrille getragen werden und das gesamte Gesicht schützen.

 

Korrekturschutzbrillen für Fehlsichtige werden vom Optiker optisch auf den Sehfehler hin angepasst.

Literatur

  • Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Benutzung persönlicher Schutzausrüstungen bei der Arbeit (PSA-Benutzungsverordnung - PSA-BV)
  • UVV Grundsätze der Prävention (BGV A 1) / (GUV-V A1) / (VSG 1.1 Allgemeine Vorschriften für Sicherheit und Gesundheitsschutz)
  • UVV Laserstrahlung (BGV B 2) / (GUV-V B2)
  • UVV Forsten (GUV-V C51) / (VSG 4.3)
  • Benutzung von Augen- und Gesichtsschutz (BGR 192) / (GUV-R 192)
  • Grundsätze der Prävention (BGR A 1) / (GUV-R A1)
  • DIN 58214 Augenschutzgeräte - Schutzhauben - Begriffe, Formen und sicherheitstechnische Anforderungen
  • DIN EN 166 Persönlicher Augenschutz - Anforderungen
  • DIN EN 169 Persönlicher Augenschutz - Filter für das Schweißen und verwandte Techniken
  • DIN EN 170 Persönlicher Augenschutz - Ultraviolettschutzfilter
  • DIN EN 171 Persönlicher Augenschutz - Infrarotschutzfilter
  • DIN EN 172 Persönlicher Augenschutz - Sonnenschutzfilter für den betrieblichen Gebrauch
  • DIN EN 175 Geräte für Augen- und Gesichtsschutz beim Schweißen und bei verwandten Verfahren
  • DIN EN 207 Persönlicher Augenschutz - Filter und Augenschutzgeräte gegen Laserstrahlung (Laserschutzbrillen)
  • DIN EN 208 Persönlicher Augenschutz - Augenschutzgeräte für Justierarbeiten an Lasern und Laseraufbauten (Laser-Justierbrillen)
  • Protecting Workers from Ultraviolet Radiation, hrsg. v. der International Commission on Non-Ionizing Radiation Protection, Oberschleißheim 2007

Quellen

www.arbeit-und-gesundheit.de