Glossar

Arbeitsschutz, Arbeitsmedizin und Arbeitssicherheit

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Asbest

Der lungengängige Feinstaub kann zu Asbestose, Lungen-, Kehlkopfkrebs und Mesotheliomen führen.

 

In Deutschland besteht seit 1993 ein generelles Herstellungs- und Verwendungsverbot für:

  • Asbest
  • Zubereitungen, die einen Massegehalt von mehr als 0,1 % Asbest enthalten
  • Erzeugnisse, die Asbest oder Zubereitungen mit einem Massegehalt von mehr als 0,1 % enthalten.

 

Kein Verwendungsverbot besteht für

  • Abbrucharbeiten
  • Sanierungs- oder Instandhaltungsarbeiten an bestehenden Anlagen, Fahrzeugen, Gebäuden, Einrichtungen oder Geräten mit Ausnahme von: Überdeckungsarbeiten an Asbestzementdächern; Reinigungs- und Beschichtungsarbeiten an unbeschichteten Asbestzementdächern; Arbeiten, die zu einem Abtrag der Oberfläche von Asbestprodukten führen (z. B. Abschleifen, Druckreinigen oder Abbürsten), es sei denn, es handelt sich um emissionsarme Verfahren, die behördlich oder berufsgenossenschaftlich anerkannt sind
  • die Gewinnung, Aufbereitung, Weiterverarbeitung und Wiederverwendung natürlich vorkommender mineralischer Rohstoffe und daraus hergestellter Zubereitungen und Erzeugnisse, die Asbest mit einem Massengehalt von nicht mehr als 0,1 % enthalten
  • Materialien, die als Versatzmittel im Untertage-Bergbau verwendet werden, und in denen Asbest mittels hydraulischer Bindung durch Zement oder andere gleichwertige Stoffe in Formkörpern oder in Gebinden eingeschlossen ist, bei denen eine Freisetzung von Asbestfasern ausgeschlossen ist
  • die Verwendung von vor dem 31. Dezember 1994 hergestellten Acetylenflaschen mit chrysotilhaltigen porösen Massen bis zum Ende ihrer Lebensdauer, wenn eine Exposition der Arbeitnehmer ausgeschlossen ist.

 

Außerdem ist noch eine befristete Ausnahme vom Herstellungs- und Verwendungsverbot für chrysotilhaltige Diaphragmen für die Chloralkalielektrolyse zu nennen, die auch in dem seit 1999 europaweit bestehenden Asbestverbot berücksichtigt ist.

 

Ein entsprechendes Verbot des Inverkehrbrings von Asbest ist in der Chemikalien-Verbotsverordnung enthalten.

 

Nach Anhang III Nr. 2.4 der Gefahrstoffverordnung hat der Arbeitgeber bei der Gefährdungsbeurteilung festzustellen, ob Beschäftigte bei Tätigkeiten Asbeststaub oder Staub von asbesthaltigen Materialien ausgesetzt sind oder ausgesetzt sein können. Solche Tätigkeiten müssen der zuständigen Behörde spätestens 7 Tage vor Beginn der Arbeiten mitgeteilt werden. Abbrucharbeiten, Sanierungs- oder Instandhaltungsarbeiten mit Asbest dürfen nur von Firmen durchgeführt werden, die über eine geeignete sicherheitstechnische und personelle Ausstattung verfügen. Bei den Arbeiten ist dafür zu sorgen, dass mindestens eine weisungsbefugte sachkundige Person vor Ort tätig ist. Der Nachweis der Sachkunde wird durch die erfolgreiche Teilnahme an einem von der zuständigen Behörde anerkannten Sachkundelehrgang erbracht. Abbruch- und Sanierungsarbeiten in Verbindung mit Asbest in schwach gebundener Form dürfen nur von Fachbetrieben durchgeführt werden, die von der zuständigen Behörde zur Durchführung dieser Arbeiten zugelassen worden sind.

 

Asbesthaltige Zubereitungen und Erzeugnisse bzw. ihre Verpackungen müssen mit einer besonderen Kennzeichnung (Abbildung) versehen sein.

 

Weil durch Asbest verursachte Erkrankungen meist erst Jahrzehnte nach der eigentlichen Exposition zu Tage treten, verzeichnen die Berufsgenossenschaften immer noch steigende Erkrankungszahlen. Im Jahr 2006 verstarben (Abbildung) rund 1400 Versicherte im gewerblichen Bereich an durch Asbest verursachten Berufskrankheiten (Quelle: DGUV) . Ein weiteres Ansteigen der Erkrankungszahlen bis zum Jahr 2015 wird befürchtet. Die Internationale Vereinigung für Soziale Sicherheit (IVSS) hat inzwischen die Forderung nach einem weltweiten Asbestverbot erhoben.

Literatur

  • Verordnung über Verbote und Beschränkungen des Inverkehrbringens gefährlicher Stoffe, Zubereitungen und Erzeugnisse nach dem Chemikaliengesetz (Chemikalien-Verbotsverordnung - ChemVerbotsV)
  • Verordnung zum Schutz vor Gefahrstoffen (Gefahrstoffverordnung - GefStoffV) (CHV 5)
  • Arbeitsplatzlüftung - Lufttechnische Maßnahmen (BGR 121)
  • Benutzung von Atemschutzgeräten (BGR 190) / (GUV-R 190)
  • Richtlinie 83/477/EWG des Rates vom 19. September 1983 über den Schutz der Arbeitnehmer gegen Gefährdung durch Asbest am Arbeitsplatz (zweite Einzelrichtlinie im Sinne des Artikels 8 der Richtlinie 80/1107/EWG)
  • TRGS 517 Tätigkeiten mit potenziell asbesthaltigen mineralischen Rohstoffen und daraus hergestellten Zubereitungen und Erzeugnissen
  • TRGS 519 Asbest: Abbruch-, Sanierungs- oder Instandhaltungsarbeiten
  • TRGS 560 Luftrückführung beim Umgang mit krebserzeugenden Gefahrstoffen
  • Bestimmung von lungengängigen Fasern - Lichtmikroskopisches Verfahren (BGI 505-31)
  • Gebundene Asbestprodukte in Gebäuden (GUV-I 8538)
  • Getrennte Bestimmung der Konzentrationen von anorganischen Fasern in Arbeitsbereichen - Rasterelektronenmikroskopisches Verfahren (BGI 505-46)
  • Verfahren mit geringer Exposition gegenüber Asbest bei Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten (BGI 664)
  • Berufsgenossenschaftlicher Grundsatz für arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen G 1.2 Mineralischer Staub: Teil 2: Asbestfaserhaltiger Staub (BGG 904 / G 1.2)
  • Asbest: Auf dem Weg zu einem weltweiten Verbot, hrsg. v. der Internationalen Vereinigung für soziale Sicherheit (IVSS), Genf 2006
  • BGIA-Fachinformationen: Asbest an Arbeitsplätzen - Online-Informationen
  • Gesundheitsvorsorge (GVS) bei der Berufsgenossenschaft Elektro Textil Feinmechanik (BGETF) (Link)
  • Technische Regeln für Gefahrstoffe (TRGS) im Internet (BAuA)

Quellen

www.arbeit-und-gesundheit.de