Glossar

Arbeitsschutz, Arbeitsmedizin und Arbeitssicherheit

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Arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren

Bei der Beurteilung physischer und psychischer Belastungen ist zu beachten, dass sie sich in bestimmter Art und Ausprägung in Abhängigkeit von den individuellen Voraussetzungen auch positiv auf die Gesundheit von Beschäftigten auswirken.

 

Mit dem erweiterten Präventionsauftrag - Verhütung arbeitsbedingter Gesundheitsgefahren - ist ein umfassender Gesundheitsschutz Teil des Arbeitsschutzes geworden.

 

Das erfordert über die betriebliche Gefährdungsbeurteilung hinaus die Nutzung aller geeigneten Informationen und Erkenntnisse über die Beziehungen zwischen Arbeit und Gesundheit.

 

Bei der Ermittlung arbeitsbedingter Gesundheitsgefahren kommen folgende Daten und Informationen in Frage:

  • Daten der Krankenkassen über das Krankheitsgeschehen auf betrieblicher und überbetrieblicher Ebene
  • Daten zum Unfall- und Berufskrankheitengeschehen
  • Daten über Betriebsbegehungen
  • Ergebnisse von Gefährdungsbeurteilungen
  • Daten aus Arbeits- und Gesundheitsschutzprojekten
  • Literaturrecherchen
  • Daten aus der betriebsärztlichen Betreuung einschließlich der arbeitsmedizinischen Vorsorge
  • Daten aus der sicherheitstechnischen Betreuung
  • Erkenntnisse aus Mitarbeiterbefragungen
  • Informationen der Betriebsvertretungen.

 

Nach dem Sozialgesetzbuch (§ 20 SGB V und § 14 SGB VII) sind die Krankenkassen und die Träger der gesetzlichen Unfallversicherung bei der Verhütung arbeitsbedingter Gesundheitsgefahren zur Zusammenarbeit verpflichtet.

 

Die Spitzenverbände der Krankenkassen und die Träger der gesetzlichen Unfallversicherung haben zur Kooperation bei der Verhütung arbeitsbedingter Gesundheitsgefahren eine Rahmenvereinbarung abgeschlossen, in der vor allem die Zielsetzung und der Handlungsrahmen der Kooperationspartner festgelegt wurden.

 

Wesentliche Bedeutung hat die Kooperation auf betrieblicher Ebene. Die Unfallversicherungsträger und die Krankenkassen unterstützen die Betriebe mit einem gemeinsam abgestimmten Vorgehen bei der Planung und Durchführung von Maßnahmen, z. B. bei den Fragestellungen

  • Gefährdungen und Belastungen durch Arbeitsumgebungsfaktoren
  • Optimierung physischer und psychischer Belastungen
  • Arbeitsplatzgestaltung
  • Arbeitszeitorganisation, Schichtsysteme.

 

Ein wesentliches Element ist hierbei die Beteiligung der Mitarbeiter z. B. in betrieblichen Gesundheits- oder Sicherheitszirkeln. In einer moderierten Gruppe von ca. fünf bis zwölf Mitarbeitern eines Arbeitsbereiches werden Belastungen und Gefährdungen und Lösungsmöglichkeiten erörtert. Die Ergebnisse werden von einem vorzugsweise externen Moderator aufbereitet und als Grundlage für die Auswahl von Präventionsmaßnahmen dem Unternehmer präsentiert.

 

Während sich die Verhütung arbeitsbedingter Gesundheitsgefahren in erster Linie an den mit der Arbeit verbundenen Gefährdungen und Belastungen orientiert, können Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung der Krankenkassen über diesen Rahmen hinausgehen. Sie umfassen insbesondere Maßnahmen, die das Gesundheitsverhalten der Beschäftigten verbessern sollen.

 

Gemeinsames Ziel ist es, mit den Maßnahmen zur Verhütung arbeitsbedingter Gesundheitsgefahren neben der Verhütung von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten krankheitsbedingte Ausfallzeiten von Beschäftigten zu vermeiden und sie darüber hinaus in die Lage zu versetzen, mit eigenem Verhalten bei der Arbeit und in der übrigen Lebenssphäre zu ihrer Gesundheit beizutragen.

 

Unfallversicherungsträger und Krankenkassen unterstützen die Betriebe bei der Planung und Durchführung von Maßnahmen zur Verhütung arbeitsbedingter Gesundheitsgefahren, z. B. mit Daten und Informationen, Hilfestellungen bei der Beurteilung der Gefährdungen und Belastungen, Informations- und Fortbildungsmaßnahmen, praxisgerechten Handlungshilfen, Arbeitsblättern und Fragebögen.

Literatur

  • Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit (Arbeitsschutzgesetz - ArbSchG) (CHV 2)
  • Sozialgesetzbuch Fünftes Buch (SGB V): Gesetzliche Krankenversicherung
  • Sozialgesetzbuch Siebtes Buch (SGB VII): Gesetzliche Unfallversicherung
  • UVV Grundsätze der Prävention (BGV A 1) / (GUV-V A1) / (VSG 1.1 Allgemeine Vorschriften für Sicherheit und Gesundheitsschutz)
  • Grundsätze der Prävention (BGR A 1) / (GUV-R A1)
  • Anwendungsbeispiele zum Abbau spezifischer arbeitsbedingter Gesundheitsgefahren (BGI 5009)
  • Erkennen und Verhüten arbeitsbedingter Gesundheitsgefahren. Ergebnisse aus dem Kooperationsprogramm Arbeit und Gesundheit (KOPAG), hrsg.v. BKK Bundesverband/Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften, 2., überarb. Aufl., Bremerhaven 1999
  • Gesundheit und Produktivität im Unternehmen, hrsg. v. BKK Bundesverband/Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften, Universum Verlag, Wiesbaden 1999 (Link)
  • Rahmenvereinbarung der Spitzenverbände der gesetzlichen Krankenkassen und der Träger der gesetzlichen Unfallversicherung zur Zusammenarbeit bei der Verhütung arbeitsbedingter Gesundheitsgefahren. Oktober 1997
  • Bindzius, F./ Hanßen, R.: Gesundheitsgerechte Arbeitsgestaltung auf der Grundlage von Gefährdungsbeurteilungen. In: Die BG 6/98, S. 348-353
  • Bindzius, F./ Sokoll, G.: Arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren - Zusammenarbeit von Unfall- und Krankenversicherung bei der Verhütung arbeitsbedingter Gesundheitsgefahren. In: Die Krankenversicherung 11/98, S. 355-359
  • Leube, K.: Gesetzliche Unfallversicherung - SGB VII. Leitfaden für die Praxis, Universum Verlag, Wiesbaden 1997
  • Nickel, U./Kuch, P./Bauer, W.: Gesundes Arbeiten lernen. Das Arbeitsplatzprogramm, Universum Verlag, Wiesbaden 1998 (Link)
  • Schubert, K./Littinski, R./Ludborzs, B.: Sicherheits-Audits. Effizienzsteigerung im Arbeits- und Gesundheitsschutz, Universum Verlag, Wiesbaden 1997 (Link)
  • Strothotte, G./Ziegenfuß, B. G.: Sicherheit und Gesundheit in Kleinbetrieben, Universum Verlag, Wiesbaden 1997 (Link)
  • Arbeitsschutzausschussbrief (ASA-Brief) 8 "Arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren" der Berufsgenossenschaft Metall Nord Süd

Quellen

www.arbeit-und-gesundheit.de