Glossar

Arbeitsschutz, Arbeitsmedizin und Arbeitssicherheit

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Allergie

Allergien können sich im Prinzip in allen Bereichen, die mit Haut oder Schleimhaut bedeckt sind, entwickeln, wie z. B. äußere Haut, Bindehäute der Augen, Nasenschleimhaut, Bronchien, Schleimhäute des Magen-Darm-Traktes. Die Aufnahme der Allergene kann über die Luft, über Nahrungsmittel, über die Haut oder über Injektionen erfolgen. Die Allergie-Symptome sind in vielen Fällen nicht auf die Eintrittspforte beschränkt, sondern können sich auch an anderen Stellen des Körpers, oft sogar in generalisierter Form zeigen. Das typische Merkmal einer Allergie ist die überschießende Auseinandersetzung des Organismus mit einem Reizstoff. Die bei einer Allergie ablaufende Antigen-Antikörper-Reaktion stellt nämlich eine Sonderform dar. Beim ersten Kontakt mit einem Allergen werden Antikörper gebildet (Sensibilisierung), bei erneuten Kontakten kann dann früher oder später eine allergische Reaktion ausgelöst werden. In einigen Fällen kann es sogar zu einer dramatischen Sofortreaktion in Form eines anaphylaktischen Schocks mit oft tödlichem Ausgang kommen. In den meisten Fällen läuft die allergische Reaktion wesentlich moderater als Spätreaktion ab (z. B. als Kontaktekzem nach monatelanger oder jahrelanger Exposition (Chromatekzem der Maurer). Als Allergene kommen alle Antikörperbildung hervorrufenden Stoffe in Frage, also besonders artfremdes Eiweiß tierischer oder pflanzlicher Herkunft, Infektionserreger, aber auch einfach gebaute natürliche und synthetische Stoffe.

 

Heutzutage sind Allergien sehr häufig. Man schätzt, dass etwa jeder vierte Bundesbürger irgendeine Allergie hat. Die bekanntesten allergischen Reaktionen sind: Hausstaub-Allergie (Hausstaubmilbe), Pollenallergie (Heuschnupfen), Arzneimittel-Allergie (z. B. Penicillin), Nahrungsmittel-Allergie (z. B. Zitrusfrüchte, Nüsse, Kuhmilch), allergisches Asthma, Sonnenallergie, Nesselsucht, Kontaktekzem (z. B. Nickel), Chemikalien-Allergie, Insektenstich-Allergie und Tierhaar-Allergie.

 

Das Risiko, am Arbeitsplatz mit potenziell allergenen Arbeitsstoffen in Berührung zu kommen und Allergien zu entwickeln, ist außerordentlich hoch. Die Aufnahme von Allergenen über die Haut kann zum chronisch-allergischen Kontaktekzem führen. Die wichtigsten Allergene der Haut sind 6-wertige Chromverbindungen, Nickelsulfat, Kobaltchlorid, p-Phenylendiamin, Latex, Formaldehyd, Platinsalze und Perubalsam. Besonders gefährdet sind Friseure, Maurer, Beschäftigte in Laboratorien, Pflegepersonal, Beschäftigte in der Gummi-Industrie, Holz verarbeitende Berufe, Kürschner, Gerber, Schuhmacher, Fotografen usw. Die hierdurch hervorgerufenen Hautkrankheiten stellen seit Jahren die am häufigsten gemeldete Berufskrankheit (BK 5101, über 20.000 Meldungen p. a.). Die Aufnahme von Allergenen über die Lunge kann je nach Allergen zur obstruktiven Atemwegserkrankung (z. B. Bäckerasthma) oder zur exogen allergischen Alveolitis (Farmerlunge, Vogelhalterlunge, Befeuchterlunge) führen.

 

Die effizienteste Methode, eine Allergie zu bekämpfen, besteht darin, den Kontakt mit dem Allergen zu meiden (Allergenkarenz). Gute Erfolge lassen sich mit dem Einsatz der verschiedensten Arbeitsschutzmaßnahmen erzielen, wie z. B. Absaugung, Luftreinigung, Handschuhe usw. Von überragender Bedeutung für die Entstehung eines Kontaktekzems ist der Zustand der Haut. Eine intakte Haut wirkt wie eine Barriere gegenüber äußeren Einflüssen. Eine große Rolle spielt dabei die Bildung eines spreitenden Lipoidfilms und die Konstanthaltung des pH-Wertes. Wiederholte oder lang dauernde Einwirkung von Wasser, Säuren, Laugen, Lösemitteln, technischen Ölen oder mechanischer Abrieb zerstören die physiologische Schutzfunktion der Haut. Durch Erosionen und Rhagaden wird das Eindringen von Allergenen begünstigt, so dass Menschen mit ursprünglich geringer Neigung zur Sensibilisierung trotzdem allergisch werden. Mit konsequentem Einsatz von Hautschutzmaßnahmen können Sensibilisierungen vermieden bzw. allergische Reaktionen zurückgedrängt werden.

Literatur

  • Berufskrankheiten-Verordnung (BKV)
  • UVV Gartenbau, Obstbau und Parkanlagen (VSG 4.2)
  • Allergiegefahr durch Latex-Einmalhandschuhe (GUV-I 8584)
  • Europäische Stiftung für Allergieforschung (ECARF) - Online-Informationen zu Nahrungsmitteln, Produkten und Dienstleistungen (Link)

Quellen

www.arbeit-und-gesundheit.de