Glossar

Arbeitsschutz, Arbeitsmedizin und Arbeitssicherheit

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Alkohol am Arbeitsplatz

Nach Angaben der Deutschen Hauptstelle für Suchtgefahren e. V. sind 5 % aller Beschäftigen alkoholkrank, weitere 10 % sind unmittelbar gefährdet. In rund 92.000 Fällen pro Jahr führen Alkoholabhängigkeit oder alkoholbedingte Psychosen zu Arbeitsunfähigkeit oder Invalidität. In ca. 6.500 Fällen pro Jahr erfolgt eine Frühberentung.

 

Rechtlich gesehen gilt nach der BG-Vorschrift BGV A 1 "Grundsätze der Prävention" §7, Abs. 2 folgende Vorschrift:

 

(2) Der Unternehmer darf Versicherte, die erkennbar nicht in der Lage sind, eine Arbeit ohne Gefahr für sich oder andere auszuführen, mit dieser Arbeit nicht beschäftigen.

 

In gleicher Weise trägt auch der Versicherte die Pflicht mitzuwirken (BGV A 1, § 15, Abs. 2 und 3):

 

(2) Versicherte dürfen sich durch den Konsum von Alkohol, Drogen oder anderen berauschenden Mitteln nicht in einen Zustand versetzen, durch den sie sich selbst oder andere gefährden können.

 

(3) Absatz 2 gilt auch für die Einnahme von Medikamenten.

 

Das bedeutet: Jeder Mitarbeiter darf - vorausgesetzt, Alkohol im Betrieb ist nicht durch den Vorgesetzten oder generell durch eine Betriebsvereinbarung untersagt - Alkohol in engen Grenzen trinken, soweit es die Art seiner Tätigkeit zulässt und er nicht sich oder andere gefährdet. Der Vorgesetzte darf nicht dulden, dass ein Mitarbeiter "die zulässige Grenze" überschreitet. Sonst muss er ihn aus dem Arbeitsbereich herausnehmen.

 

Betriebliche Verbote, die jeglichen Konsum von alkoholischen Getränken während der Arbeitszeit und der Arbeitspausen untersagen, können in einer Vereinbarung zwischen Unternehmer und Betriebsvertretung ausgesprochen werden.

 

Gibt es eine Betriebsvereinbarung über ein Alkoholverbot, ist es für den Vorgesetzten etwas einfacher, auf Alkoholprobleme Einfluss zu nehmen. Besteht kein generelles Alkoholverbot, hat es der Vorgesetzte wesentlich schwerer. Die Wirksamkeit aller präventiven und organisatorischen Maßnahmen gegen Alkoholmissbrauch ist davon abhängig, dass Betriebsleitung, Vorgesetzte und Betriebsvertretung mit gutem Beispiel vorangehen.

 

Zur Bekämpfung der Alkohol- bzw. Drogenabhängigkeit können ebenfalls Betriebsvereinbarungen geschlossen werden, in denen der Umgang mit suchtgefährdeten und suchtabhängigen Beschäftigten im Einzelnen vorgegeben wird. Diese umfassen konkrete Hilfsangebote mit der Möglichkeit der Wiedereingliederung, aber auch klare Konsequenzen, z. B. Kündigung, wenn Absprachen nicht eingehalten werden.

 

Ebenso notwendig wie die Abstimmung zwischen Betriebsleitung und Betriebsvertretung ist die frühzeitige Einbeziehung anderer Stellen, z. B. Betriebsarzt, Fachkraft für Arbeitssicherheit, Sozial- und Personalabteilung. In größeren Betrieben hat sich die Einrichtung von ständigen Alkohol-Arbeitskreisen bewährt. Eine wichtige Aufgabe dieser Arbeitskreise kann z. B. sein, eine Arbeitsplatzanalyse in den Abteilungen oder Gruppen durchzuführen, in denen viel Alkohol getrunken wird. Manchmal liegt der Grund für einen erhöhten Alkoholkonsum in Konflikten mit Vorgesetzten, schlechten Arbeitsbedingungen oder Über- und Unterforderungen am Arbeitsplatz.

 

Unter Sicherheitsaspekten ist das Problem der Gelegenheitstrinker quantitativ betrachtet das größere. Demgegenüber ist die Zahl von alkoholkranken Mitarbeitern zwar geringer, beinhaltet aber eine deutlich größere psychosoziale Dimension. Für eine Heilung von der Sucht ist eine medizinische und psychologische Fachberatung erforderlich, die nur mit Unterstützung durch Vorgesetzte, Kollegen, Betriebsarzt, Betriebsvertretung und Angehörige des Betroffenen gelingen kann.

 

Gleichgültig, ob Sucht oder gelegentlicher Umtrunk: Alkoholkonsum kann den gesetzlichen Versicherungsschutz bei Arbeits- und Wegeunfällen in Frage stellen. Wenn wegen hoher Blutalkoholkonzentration keine sachgerechte, dem Betrieb noch dienliche Arbeit geleistet werden kann und der Alkoholkonsum die alleinige wesentliche Ursache eines Unfalls ist, entfällt der Versicherungsschutz der Berufsgenossenschaft.

Literatur

  • UVV Grundsätze der Prävention (BGV A 1) / (GUV-V A1) / (VSG 1.1 Allgemeine Vorschriften für Sicherheit und Gesundheitsschutz)
  • Grundsätze der Prävention (BGR A 1) / (GUV-R A1)
  • Droge Alkohol, Heft 19 der Reihe Arbeit und Gesundheit Basics, hrsg. v. der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, Universum Verlag, Wiesbaden 2003 (BGI 597-19)
  • Alkohol im Betrieb und auf dem Arbeitsweg (Arbeitssicherheitsinformationen - ASI 0.07/07), hrsg. v. der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gaststätten, Mannheim 2007
  • Qualitätsstandards in der betrieblichen Suchtprävention und Suchthilfe, hrsg. v. der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS), Hamm 2006
  • Suchtprobleme im Betrieb. Alkohol, Medikamente, illegale Drogen, hrsg. v. Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR), 2005 (Link)
  • Ziegler, H./Brandl, G.: Suchtprävention als Führungsaufgabe. Lösungsorientierte Strategien für den Betrieb, Universum Verlag, Wiesbaden 2004 (Link)
  • Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e. V. (Link)
  • Deutscher Verkehrssicherheitsrat e. V. (DVR) (Link)
  • Praxishilfen: Arbeit. Gesundheit. Leben. Informationen und Download-Angebote der Bergbau- und Steinbruchs-Berufsgenossenschaft zu wichtigen Präventions-Themen (Link)

Quellen

www.arbeit-und-gesundheit.de