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Coronavirus? „Nur keine Panik!“

 

Neben der Grippesaison hat Dr. Bernhard Häusl, Facharzt für Arbeitsmedizin/Innere Medizin und Reisemedizin bei B·A·D, vor allem seit Anfang des Jahres mit dem neuartigen Coronavirus eine riesige Herausforderung zu stemmen: Dr. Häusl und sämtliche Arbeits- und Reisemediziner bei B·A·D im Bundesgebiet haben bis heute Tausende Kundenanfragen zu der Pandemie zu beantworten. Sie unterstützen in allen medizinischen und logistischen Fragestellungen und helfen mit bei der Erstellung von Pandemieplänen auf Firmenebene. 

Dr. Bernhard Häusl

Dr. Bernhard Häusl

  • Von der Grippewelle mit ihren Erkrankten im sechsstelligen Bereich hat kaum jemand in diesem Jahr gesprochen. Die Stimmung ist schon fast hysterisch und panisch. Wie ist Ihre Stimmung aktuell?

 Dr. Bernhard Häusl: Ich bin relativ entspannt, was die Gefährlichkeit anbelangt. Ich denke, dass wird wie bei der normalen Influenza sein. Ich selber bin gegen Influenza geimpft, aber ansonsten verhalte ich mich ganz normal. Angst ist ein schlechter Berater und ich versuche trotzdem, das Leben zu genießen.

  • Verstehen Sie denn die Reaktionen?

 Dr. Bernhard Häusl: Ja, diese erklären sich aus dem Unbekannten. Neu ist für uns diagnostisch tätige Ärzte, dass die Coronavirus-Symptome denen vieler anderer Virusinfektionen ähnlich sind. Außerdem wissen wir noch zu wenig über die Raten der Infektiosität und Letalität des Virus. Ich erinnere mich noch gut an die Vogelgrippe 2007. Damals wurden auch viele Maßnahmen ergriffen, Masken und Desinfektionsmittel besorgt, Tamiflu eingelagert, auch von der Bundesregierung zum Schutze der Bevölkerung im Falle einer Epidemie. Vieles ist in Vergessenheit geraten, daher stammen die vorhandenen Pandemiepläne des Bundes und der Länder meist noch aus dem Jahr 2007.

  • Was können wir gegen das Vergessen tun?

 Dr. Bernhard Häusl: Wir sollten regelmäßig derartige Situationen üben. Dann wäre die Angst viel geringer. Natürlich müssen wir unsere Intelligenz einsetzen, um dem Virus auf die Schliche zu kommen und möglichst bald einen Impfstoff entwickeln. Wäre nur schade, wenn das Impfangebot so wenig genutzt werden würde, wie es bei der Influenzaimpfung der Fall ist.

  • Sind wir in Deutschland auf das Coronavirus medizinisch als auch logistisch vorbereitet?

 Dr. Bernhard Häusl: Wir haben in Deutschland ein ausgezeichnetes und effektives Gesundheitssystem. Aber wir haben unsere Bettenzahl in den Krankenhäusern in den letzten Jahren deutlich reduziert. Aus Kostengründen dreht sich die Spirale weiter in diese Richtung. Nehmen wir einen Ansturm von einigen hundert schwerkranken Menschen in unseren Städten oder auch auf dem Land an: Dann hätten wir große Probleme, diese Menschen in Kliniken unter zu bringen bzw. in Quarantäne zu stellen und diese bei dem heutigen Mangel an Pflegekräften ausreichend zu versorgen. Sie müssen auch damit rechnen, dass Personal in den Krankenhäusern auch erkranken kann und auch wird. Das sehe ich sehr kritisch.

  • Wie bleiben Unternehmen auch im Fall einer Epidemie oder Pandemie weiterhin handlungsfähig?

 Dr. Bernhard Häusl: Unternehmen sollten – unabhängig von der jetzigen Coronavirus-Krise – lange im Vorfeld planen, wie sich vor so einem Szenario schützen können. Einige Unternehmen haben diesen Krisenplan, der auch Szenarien wie eine Bombendrohung, einen Überfall oder einen Brand beinhalten kann. Die meisten aber nicht. Das merken wir überall bei B·A·D durch die Vielzahl an Fragen: Welche Schutzmaßnahmen sind zu ergreifen? Welche Schutzhandschuhe und Schutzmasken benötigen wir in welcher Anzahl? Welches Desinfektionsmittel ist geeignet? Unsere Aufgabe ist es, dass wir die Sorge und die Angst vor dem Neuen und Unbestimmten durch sachliche Information und überlegte Maßnahmen bei unseren Kunden mindern oder nehmen.

Der Krisenplan sieht organisatorische und personelle Schutzmaßnahmen vor. Dafür muss eine Analyse stattfinden, was wichtig und schützenswert ist, um den Minimalbetrieb aufrecht zu erhalten. Welcher Bereich beispielsweise in jedem Fall aufrechterhalten werden muss, ist von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich.

Ein kurzfristiger Notfallplan denkt mit, wie viele Schutzmasken vorrätig sein sollten und was passiert, wenn ich diesen Vorrat nicht habe. Wichtig: Eine Gefahr lässt sich nur minimieren, nicht aber ausschließen.

Unternehmen sollten immer einen Krisenplan haben.

  • Was können Betriebe tun, um die Infektionsgefahr zu senken und die Gesundheit der Mitarbeitenden zu erhalten?

 Dr. Bernhard Häusl: Unternehmen können ihre Mitarbeitenden informieren, dass sie am besten nicht in ein Risikogebiet reisen und falls sie es doch tun, dass sie – wenn möglich - nach der Reise 14 Tage von zu Hause aus arbeiten und in Absprache mit dem Gesundheitsamt den Mitarbeitenden auf das Virus testen zu lassen, falls sie erkranken und grippeähnliche Symptome zeigen. Generell würde ich Reisen auf ein notwendiges Maß reduzieren. Das empfehle ich insbesondere auch unseren international tätigen Kunden.

Das Gute an der heutigen Zeit: Homeoffice oder auch Besprechungen können allesamt digital ablaufen.

Wir können gegen das Coronavirus nicht viel tun.

  • Welche weiteren Verhaltensweisen sollten wir jetzt anpassen?

 Dr. Bernhard Häusl: Uns bleiben einzig Hygienemaßnahmen: Regelmäßiges, häufigeres Händewaschen mit Wasser und Seife mindestens 20 Sekunden und bis zum Handgelenk, inklusive dem Benutzen von Einweghandtüchern. Womöglich kann man auch Desinfektionsmaßnahmen an kritischen Punkten, wie etwa in den Toiletten oder Türklinken, vorsehen.

Wir sollten Abstand – ein bis zwei Meter – zu Erkrankten halten, Händeschütteln und Umarmungen vermeiden. Hier ist der „Ebola-Händedruck“, eine Art Ellbogenschlag, eine gute Alternative. Man sollte sich möglichst nicht ins Gesicht greifen, Mund, Augen, Nase nicht mit den Fingern berühren und sowieso immer die Husten- und Nießhygiene beachten. Dies bedeutet, nicht in die Hand zu niesen und zu husten, sondern in ein Taschentuch oder in den Ellbogen. Wir sollten Einwegtaschentücher verwenden, und benutzte Taschentücher schnell entsorgen. Auch kann man sich daran gewöhnen, einen Fahrstuhlknopf mit den Knöcheln der Hand zu drücken, einen Türgriff mit dem Ellbogen zu öffnen und vielleicht sogar belebte Orte und Veranstaltungen bis auf weiteres zu meiden.

  • Sollten Unternehmen Atemschutzmasken für alle Mitarbeitenden besorgen?

 Dr. Bernhard Häusl: Davon halte ich generell nichts, sofern keine Gefahr besteht. Gewöhnliche Atemschutzmasken schützen nicht vor Ansteckung mit dem Coronavirus. Sie dienen in erster Linie dem Fremdschutz. Es müssen schon FFP2-Masken sein. Diese werden etwa in der Notaufnahme eines Krankenhauses verwendet, genauso wie Schutzkleidung.

  • Was ist, wenn mein Büronachbar hustet?

 Dr. Bernhard Häusl: Ich finde es immer gut, miteinander zu sprechen. Und nicht direkt panisch zu werden, es könne sich um das Coronavirus handeln. Die normalen Infektionen um die Winterzeit gibt es ja auch noch. Anders könnte man urteilen, wenn jemand hustet, nachdem er zum Skifahren in Südtirol oder beim Karneval in Venedig war. Dann würde ich raten, dass solche Personen zunächst zuhause bleiben und sich beim Gesundheitsamt melden. Wenn jemand erkrankt ist, gelten unverändert die bekannten Regelungen. Sollten längere Quarantänemaßnahmen für einen größeren Teil der Beschäftigten erforderlich werden, so sollten die Ausfallzeiten durch die Agentur für Arbeit für die Unternehmen abgefedert werden.

  • Wann sollte der Arbeitgeber denn seinen Mitarbeitenden nach Hause schicken?

 Dr. Bernhard Häusl: Wenn jemand Fieber hat, sollte er auf jeden Fall zuhause bleiben; oder wenn ein Mitarbeitender ununterbrochen niest oder hustet. Ich streue dann nur meine Viren, ganz unerheblich, ob das jetzt ein Corona-Virus oder ein normaler Infekt ist. Wo allerdings die Grenze liegt, lässt sich schwer sagen.

  • Sollte ein Unternehmen bei Verdacht auf das Corona-Virus sofort geschlossen werden?

 Dr. Bernhard Häusl: Das halte ich für übertrieben. Das sollte man von der Situation abhängig machen, die Risiken sind zu beurteilen, sicherlich auch in Absprache mit den Gesundheitsämtern. Auch bei einer Schließung ist das Unternehmen vorerst zur Lohnfortzahlung verpflichtet. Das wären gewaltige Kosten für einen Betrieb. Eine Lösung in Absprache mit der Agentur für Arbeit halte ich für erstrebenswert.

  • Haben Sie denn schon Lebensmittel für Ihr Zuhause gehamstert?

 Dr. Bernhard Häusl: Nein, ich sehe die Notwendigkeit dafür derzeit nicht. Panikkäufe führen nur zur Verknappung und steigern die Verunsicherung. Generell empfiehlt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz die Bevorratung von Lebensmittel und Wasser für einen Zeitraum von sechs Wochen. Wir vergessen das meist.

Hamsterkäufe halte ich für übertrieben.

  • Was macht Ihnen jetzt Hoffnung?

 Dr. Bernhard Häusl: Hoffnung macht mir die Gelassenheit, mit der auch betroffene Personen mit der Erkrankung umgehen, genauso wie Quarantänemaßnahmen zum Schutz der Allgemeinheit trotz erheblicher Einschränkung der Persönlichkeitsrechte ertragen werden. Dass es bisher gelang, die Infektionsketten aufzudecken und zu durchbrechen. Und dass es eine internationale Solidarität bei der Bekämpfung zu geben scheint, dass Geld und Wirtschaftlichkeit nicht über allem stehen.

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