PCR-, Antigen- oder Schnelltest?

 

Die Corona-Testpflicht für Unternehmen wirft praktische arbeitsmedizinische Fragen auf: Welcher Test eignet sich für meinen Betrieb? Wer darf Abstriche durchführen? Welche Pflichten ergeben sich bei positiver Testung? 

Nach der 3. Änderung der Corona-Arbeitsschutzverordnung sind Betriebe verpflichtet, zwei Mal in der Woche ihren Mitarbeitenden Corona-Tests anzubieten, sofern ihre Mitarbeitenden nicht im Homeoffice arbeiten. Nur so können die Infektionszahlen insgesamt reduziert werden. Zugleich stellen die Tests einen wirksamen Beitrag zum Gesundheits- und Arbeitsschutz der Beschäftigten in der Pandemie dar. 

Größere Ausbruchsgeschehen am Arbeitsplatz können so rasch erkannt und durch gezieltes Testen und Isolieren der Betroffenen eingegrenzt werden. Das heißt, je regelmäßiger im Betrieb getestet wird, umso früher können infizierte Personen entdeckt und mögliche Infektionsketten unterbrochen werden. 

Der Gesetzgeber hat Ende April 2021 die Corona-Arbeitsschutzverordnung zum dritten Mal geändert. Demnach müssen Arbeitgeber seit dem 22. April 2021 jedem Mitarbeitenden, der nicht ausschließlich von Zuhause arbeitet, mindestens zwei Mal in der Woche einen Corona-Test anbieten.

Nachweise über die Beschaffung der Tests oder entsprechende Vereinbarungen mit Dritten zur Durchführung der Testung müssen für den Fall einer Prüfung durch Aufsichtsorgane des Arbeitsschutzes vom Arbeitgeber bis zum 30. Juni 2021 aufbewahrt werden.

Für Corona-Tests im Unternehmen müssen Tests zum direkten Erregernachweis eingesetzt werden, also PCR-Tests, Antigen-Schnelltests oder Antigen-Schnelltests zur Laienanwendung („Selbsttests). Antikörpertests erfüllen diese Anforderung nicht, da sie nicht direkt auf den Erreger untersuchen. Hinsichtlich Handhabung und gesetzlichen Vorgaben unterscheiden sich die einzelnen Tests sehr.

Von den zur Auswahl stehenden Testverfahren stellt die PCR-Testung in der Praxis die größte Herausforderung dar und wird nur für wenige Unternehmen in Frage kommen. Die Abstrichnahme ist Fachpersonal vorbehalten, die Analytik der Probe erfordert - neben der Wartezeit auf das Ergebnis - ein angeschlossenes Labor und ihre Kosten sind am höchsten. Als genauester Test ist er der Goldstandard für die individuelle Diagnostik, was auch bedeutet, dass die vorhandenen Testkapazitäten eine regel- und routinemäßige Testung breiter Schichten an Mitarbeitenden gar nicht zuließen.

Antigen-Schnelltests müssen ebenfalls durch Personen durchgeführt werden, die die dafür erforderliche Ausbildung oder Kenntnis und Erfahrung haben und in die anzuwendenden Tests eingewiesen wurden. Dies kann ein externer Dienstleister aus dem Arbeits- und Gesundheitsschutz sein oder bei Vorliegen dieser Voraussetzungen eigene Mitarbeitende aus dem Betrieb. Die eigentliche Durchführung der Tests erfolgt gemäß Herstellerhinweis und Beschluss 6/20 des Ausschusses für Biologische Arbeitsstoffe (ABAS) unter Berücksichtigung bestimmter Arbeitsschutzmaßnahmen. Die Testauswertung erfolgt innerhalb von 15 Minuten direkt vor Ort.

Die Medizinprodukte-Abgabeverordnung (MPAV) sieht grundsätzlich vor, dass Antigen-Schnelltests nur an Ärzte, medizinisches Fachpersonal und Unternehmen der kritischen Infrastruktur abgegeben werden dürfen. Allerdings ist es seit dem 16. März 2021 – solange die epidemische Lage von nationaler Tragweite fortbesteht – zulässig, dass diese auch an Arbeitgeber im Sinne des § 2 Abs. 3 ArbSchG abgegeben werden (§ 3 Abs. 4a Nr. 4 MPAV). Geeignete und zugelassene Antigen-Schnelltests werden auf der Website des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) gelistet.

Antigen-Schnelltests zur Laienanwendung („Selbsttests“) sind, wie der Name sagt, für die Eigenanwendung geeignet. Somit können diese Tests selbstständig abgenommen und direkt vor Ort innerhalb von 15 Minuten ausgewertet werden. Zudem können die Selbsttests über die üblichen Wege in (Groß-)Handel und Apotheken erworben werden. Es sollten lediglich Tests verwendet werden, die beim BfArM als Antigen-Schnelltests zur Laienanwendung gekennzeichnet und gelistet sind.

Die bisherige praktische Erfahrung aus der Anwendung von Antigen-Tests zeigt, dass sie vor allem in der Frühphase der Infektion und auch noch bei allerersten Symptomen das Coronavirus weniger gut nachweisen können. Bei bereits eindeutig symptomatischen Patienten haben sie aber dann eine gute Sicherheit. Diese Beobachtung hat vor allem nachteilige Auswirkungen auf das sogenannte "Freitesten". Hiermit ist gemeint, dass eine im Antigen-Test negativ getestete Person als nicht infektiös angesehen wird. Bekannterweise ist eine Ansteckungsfähigkeit allerdings schon etwa zwei Tage vor Symptombeginn gegeben, in denen Antigen-Schnelltests dann meist noch negativ ausfallen. Diese Lücke fällt dahingegen im Hinblick auf die Erkennung von Clustern und das Unterbrechen von Infektionsketten kaum ins Gewicht. Hier kommt es weniger auf die Genauigkeit der Pinzette "PCR-Test" an, sondern auf die raschen und raumgreifenden Bewegungen einer Harke, also die breite und regelmäßige Anwendung mit schnellen Ergebnissen wie bei den Antigen-Schnelltests. 

In jedem Fall ist erforderlich, dass ein positives Antigen-Schnelltest-Ergebnis – egal ob die Durchführung von eingewiesenen Personen oder als Selbsttest erfolgte – durch einen PCR-Test kontrolliert wird. Bis zum Ergebnis des PCR-Tests sollte eine häusliche Isolierung eingehalten werden. Ebenso ergibt sich, dass auch bei negativen Testergebnissen die Arbeits- und Infektionsschutzmaßnahmen im Betrieb nicht an Bedeutung verlieren. Hier sind die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung, die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel und der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard sowie die branchenbezogenen Handlungshilfen der Berufsgenossenschaften und Unfallversicherungsträger eine maßgebliche Unterstützung.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zu Corona-Tests mit Dr. Christina Nußbeck, B·A·D-Arbeitsmedizinerin

Unternehmen und deren Mitarbeitende müssen jetzt vor allem wissen, welche Aussagekraft die verschiedenen Tests haben und wie sie sich nach einem negativen Test verhalten sollten. Antworten von Dr. Christina Nußbeck, B·A·D-Arbeitsmedizinerin.