Corona Tests

PCR-, Antigen- oder Schnelltest?

Arbeitsschutz nimmt in Coronazeiten eine zentrale Rolle ein. Die Gesundheit von Beschäftigten wird mit neuen, bundesweit verpflichtenden Regeln wirkungsvoll geschützt. Seit dem 20. März 2022 sind die Neufassungen des Infektionsschutzgesetzes sowie der Corona-Arbeitsschutzverordnung in Kraft getreten. Weiterhin gelten die bestehenden Regelungen der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel, SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnungen sowie des SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandards sowie weitere Vorschriften der Länder zum Infektionsschutz.

Die Testpflicht in Unternehmen entfällt mit der Neufassung des Infektionsschutzgesetzes. Im Rahmen einer Gefährdungsbeurteilung haben Unternehmen Folgendes jedoch eigenverantwortlich zu prüfen:

  • Kann Beschäftigten, die nicht ausschließlich im Homeoffice arbeiten, einmal pro Kalenderwoche kostenfrei ein Corona-Test angeboten werden?
  • Welche Maßnahmen können getroffen werden, um eine gleichzeitige Nutzung von Räumen durch mehrere Personen zu reduzieren? Büroarbeiter oder Mitarbeitende mit vergleichbaren Tätigkeiten könnten demnach ihre Arbeit weiterhin in ihrer Wohnung ausüben.
  • Ist das Tragen medizinischer Gesichtsmasken oder Atemschutzmaske (z.B. FFP2) durch die Beschäftigten erforderlich? Der Arbeitgeber hat für diesen Fall die entsprechenden Masken zur Verfügung zu stellen.

Nach der Gefährdungsbeurteilung werden diese Maßnahmen im betrieblichen Hygienekonzept festgeschrieben, welches den Beschäftigten zugänglich gemacht werden muss. Gleichwertige oder strengere Regeln, zum Beispiel aus der Biostoffverordnung oder aus dem Bereich des Infektionsschutzes, müssen jedoch weiterhin beachtet werden. Die Empfehlungen der Berufsgenossenschaften zur Epidemie, werden zusätzlich für branchenspezifische Konkretisierungen empfohlen. Weiterhin gelten die einschlägigen Regelungen zur Gefährdungsbeurteilung gemäß der Biostoffverordnung und den Technischen Regeln für Biologische Arbeitsstoffe, sofern Tätigkeiten mit besonderem Infektionsrisiko (z. B. im Labor oder Gesundheitswesen) durchgeführt werden.

Mit den Corona-Tests können die Infektionszahlen insgesamt reduziert werden. Die Tests stellen einen wirksamen Beitrag zum Gesundheits- und Arbeitsschutz der Beschäftigten in der Pandemie dar. Größere Ausbruchsgeschehen am Arbeitsplatz können so rasch erkannt und durch gezieltes Testen und Isolieren der Betroffenen eingegrenzt werden. Das heißt, je regelmäßiger im Betrieb getestet wird, umso früher können infizierte Personen entdeckt und mögliche Infektionsketten unterbrochen werden.

Die Corona-Testangebote in Unternehmen werfen aber auch praktische arbeitsmedizinische Fragen auf: Welcher Test eignet sich für meinen Betrieb? Wer darf Abstriche durchführen? Welche Pflichten ergeben sich bei positiver Testung?

Wichtige Fragen und Antworten zu den Corona-Tests

Testpflicht: Wie oft muss der Arbeitgeber Corona-Tests anbieten?

Auch wenn keine generelle Testangebotsverpflichtung mehr besteht, ist in jedem Fall zu prüfen, ob betriebliche Testangebote vor Ort weiterhin erforderlich sind. Durch regelmäßige Coronatests können Infektionen von Beschäftigten erkannt und somit Einträge von Infektionen in die Betriebe frühzeitig erkannt und Ausbrüche vermieden oder begrenzt werden. Um einen ausreichenden Schutz zu erzielen, sollte allen Beschäftigten, die nicht ausschließlich in Ihrer Wohnung arbeiten, weiterhin möglichst zweimal pro Woche Coronatests angeboten werden und die Beschäftigten dieses Angebot auch wahrnehmen.

Gesetzliche Regelungen zu regelmäßigen betrieblichen Testungen sind aktuell nur noch in Einrichtungen gemäß § 28a Absatz 7 Nummer 2 des Infektionsschutzgesetzes vorgeschrieben, in denen dies zum Schutz der dort untergebrachten oder betreuten Personen erforderlich ist.

Welche Corona-Tests dürfen Arbeitgeber im Unternehmen einsetzen?

Für Corona-Tests im Unternehmen müssen Tests zum direkten Erregernachweis eingesetzt werden, also PCR-Tests, Antigen-Schnelltests oder Antigen-Schnelltests zur Laienanwendung („Selbsttests). Antikörpertests erfüllen diese Anforderung nicht, da sie nicht direkt auf den Erreger untersuchen. Hinsichtlich Handhabung und gesetzlichen Vorgaben unterscheiden sich die einzelnen Tests sehr.

Wer trägt die Kosten für Beschaffung und Durchführung der Corona-Tests?

Vom Arbeitgeber im betrieblichen Hygienekonzept festgelegte Testangebote an die Beschäftigten sind Maßnahmen des betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutzes im Sinne des Arbeitsschutzgesetzes. Die Kosten für derartigen Maßnahmen hat grundsätzlich der Arbeitgeber zu tragen.

PCR-Tests im Unternehmen: Nur mit Fachpersonal und Labor?

Von den zur Auswahl stehenden Testverfahren stellt die PCR-Testung in der Praxis die größte Herausforderung dar und wird nur für wenige Unternehmen in Frage kommen. Die Abstrichnahme ist Fachpersonal vorbehalten, die Analytik der Probe erfordert - neben der Wartezeit auf das Ergebnis - ein angeschlossenes Labor und ihre Kosten sind am höchsten. Als genauester Test ist er der Goldstandard für die individuelle Diagnostik, was auch bedeutet, dass die vorhandenen Testkapazitäten eine regel- und routinemäßige Testung breiter Schichten an Mitarbeitenden gar nicht zuließen.

Wer darf im Unternehmen Antigen-Schnelltests durchführen?

Antigen-Schnelltests müssen ebenfalls durch Personen durchgeführt werden, die die dafür erforderliche Ausbildung oder Kenntnis und Erfahrung haben und in die anzuwendenden Tests eingewiesen wurden. Dies kann ein externer Dienstleister aus dem Arbeits- und Gesundheitsschutz sein oder bei Vorliegen dieser Voraussetzungen eigene Mitarbeitende aus dem Betrieb. Die eigentliche Durchführung der Tests erfolgt gemäß Herstellerhinweis und Beschluss 6/20 des Ausschusses für Biologische Arbeitsstoffe (ABAS) unter Berücksichtigung bestimmter Arbeitsschutzmaßnahmen. Die Testauswertung erfolgt innerhalb von 15 Minuten direkt vor Ort.

Die Medizinprodukte-Abgabeverordnung (MPAV) sieht grundsätzlich vor, dass Antigen-Schnelltests nur an Ärzte, medizinisches Fachpersonal und Unternehmen der kritischen Infrastruktur abgegeben werden dürfen. Allerdings ist es seit dem 16. März 2021 – solange die epidemische Lage von nationaler Tragweite fortbesteht – zulässig, dass diese auch an Arbeitgeber im Sinne des § 2 Abs. 3 ArbSchG abgegeben werden (§ 3 Abs. 4a Nr. 4 MPAV). Geeignete und zugelassene Antigen-Schnelltests werden auf der Website des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) gelistet.

Wie sicher sind Corona-Selbsttests im Unternehmen?

Antigen-Schnelltests zur Laienanwendung („Selbsttests“) sind, wie der Name sagt, für die Eigenanwendung geeignet. Somit können diese Tests selbstständig abgenommen und direkt vor Ort innerhalb von 15 Minuten ausgewertet werden. Zudem können die Selbsttests über die üblichen Wege in (Groß-)Handel und Apotheken erworben werden. Es sollten lediglich Tests verwendet werden, die beim BfArM als Antigen-Schnelltests zur Laienanwendung gekennzeichnet und gelistet sind.

Die bisherige praktische Erfahrung aus der Anwendung von Antigen-Tests zeigt, dass sie vor allem in der Frühphase der Infektion und auch noch bei allerersten Symptomen das Coronavirus weniger gut nachweisen können. Bei bereits eindeutig symptomatischen Patienten haben sie aber dann eine gute Sicherheit. Diese Beobachtung hat vor allem nachteilige Auswirkungen auf das sogenannte "Freitesten". Hiermit ist gemeint, dass eine im Antigen-Test negativ getestete Person als nicht infektiös angesehen wird. Bekannterweise ist eine Ansteckungsfähigkeit allerdings schon etwa zwei Tage vor Symptombeginn gegeben, in denen Antigen-Schnelltests dann meist noch negativ ausfallen. Diese Lücke fällt dahingegen im Hinblick auf die Erkennung von Clustern und das Unterbrechen von Infektionsketten kaum ins Gewicht. Hier kommt es weniger auf die Genauigkeit der Pinzette "PCR-Test" an, sondern auf die raschen und raumgreifenden Bewegungen einer Harke, also die breite und regelmäßige Anwendung mit schnellen Ergebnissen wie bei den Antigen-Schnelltests. 

Was müssen Arbeitgeber bei positiven Schnelltests tun?

In jedem Fall ist erforderlich, dass ein positives Antigen-Schnelltest-Ergebnis – egal ob die Durchführung von eingewiesenen Personen oder als Selbsttest erfolgte – durch einen PCR-Test kontrolliert wird. Bis zum Ergebnis des PCR-Tests sollte eine häusliche Isolierung eingehalten werden. Ebenso ergibt sich, dass auch bei negativen Testergebnissen die Arbeits- und Infektionsschutzmaßnahmen im Betrieb nicht an Bedeutung verlieren. Hier sind die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung, die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel und der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard sowie die branchenbezogenen Handlungshilfen der Berufsgenossenschaften und Unfallversicherungsträger eine maßgebliche Unterstützung.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zu Corona-Tests mit Dr. Christina Nußbeck, BAD-Arbeitsmedizinerin

Unternehmen und deren Mitarbeitende müssen jetzt vor allem wissen, welche Aussagekraft die verschiedenen Tests haben und wie sie sich nach einem negativen Test verhalten sollten. Antworten von Dr. Christina Nußbeck, BAD-Arbeitsmedizinerin.
 

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