Sicherheit

"Wichtig ist ein Plan in der Schublade!"

Coronakrise

Das Coronavirus nimmt deutlichen Einfluss auf den Arbeitsalltag in Unternehmen. Viele von ihnen sind von der Situation überrascht, weil das Thema Krisenprävention nie eine große Rolle gespielt hat. Was Betriebe jetzt tun sollten, erklärt unser BAD-Experte Dr. med. Eckhard Müller-Sacks.

Ein Gastbeitrag von Dr. med. Eckhard Müller-Sacks, Facharzt für Arbeitsmedizin, Reise- und Flugmedizin, Fachkraft für Arbeitssicherheit; Leiter des BAD-Clusters Westfalen-Lippe

Was bedeutet eine Epidemie mit Blick auf die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers? Was passiert, wenn Beschäftigte infiziert sind? Gibt es Regelungen für den Ersatz kranker Mitarbeiter? Mit diesen und weiteren Fragen sehen sich Unternehmen angesichts der Corona-Epidemie konfrontiert.

Fängt die Vorbereitung auf Extremereignisse – wie jetzt die Corona-Epidemie, Influenza oder vergleichbare Infektionskrankheiten - erst an, wenn diese schon eingetreten sind, können die Auswirkungen auf Wirtschaftlichkeit sowie Gesundheitsschutz der Beschäftigten fatal sein.

Wichtig ist es daher, einen Plan in der Schublade zu haben: Dieser regelt, wie man mit derartigen Infektionen umgeht, und wie Arbeitsschutz in Verbindung mit dem Überleben des Unternehmens zu vereinbaren ist.
 

Präventiv handeln

Aufgabe der Geschäftsführung ist es, ein entscheidungsbefugtes Krisenteam mit verschiedenen Experten u.a. aus den Bereichen Medizin und Sicherheitstechnik zusammenzustellen, das genaue Vorgaben macht, wie derartig schwierige und existenzbedrohende Situationen zu managen sind.

Es gibt viele Details zu bedenken und man muss davon ausgehen, dass die meisten Dinge, die im Normalfall selbstverständlich sind, nicht so einfach funktionieren. Beispiel: Atemschutzmasken. Schon zu Beginn des Ausbruchs in Deutschland bestehen Engpässe, weil natürlich alle den Bedarf sehen. Und: Bei großen Epidemien ist irgendwann der Punkt erreicht, an dem man nicht mehr genug Mitarbeitende hat, um den Betrieb aufrecht zu erhalten.

Daher ist es unerlässlich, lange im Vorfeld zu überlegen, welche Abteilungen in diesem Zusammenhang besonders schützenswert sind. Das kann die EDV- oder Rechnungsabteilung sein, woanders die Transportabteilung. Daran schließt sich die Überlegung nach den Prioritäten im Betrieb an. Und damit die Frage: Welche Prozesse müssen auch im Ernstfall funktionieren und wie kann man sie technisch und organisatorisch schützen, damit bei längerem Versagen der Weiterbestand eines Unternehmens nicht gefährdet ist?

Es ist wie eine Gefährdungsbeurteilung, mit deren Hilfe Gefährdungen und die zu treffenden notwendigen Maßnahmen dargestellt werden, um die Arbeitsplätze sicher zu gestalten. Vorsorgemaßnahmen, die bereits getroffen wurden, halten den Entscheidern in Grenzsituationen den Rücken frei, um sich aufs Wesentliche zu konzentrieren.
 

Kommunikation im Krisenplan integrieren

Der Plan sollte ebenfalls ein Kommunikationskonzept enthalten, etwa zur Information von Mitarbeitenden, Kunden und der Öffentlichkeit. Diese Infos müssen zentral gesteuert werden über das Intranet, Infodienste, das Telefon oder über Aushänge. Sinnvoll ist es, feste Ansprechpartner zu benennen oder eine Hotline einzurichten, damit Fragen zur Situation im Betrieb umgehend beantwortet werden.

Damit Vorsorgemaßnahmen greifen, müssen alle Beschäftigten damit vertraut und in hygienischem Verhalten unterwiesen sein. Im Plan wird ebenfalls festgehalten, wie vorgegangen wird, wenn während der Arbeit ein Mitarbeitender Krankheitssymptome aufweist.

Man wird Risiken nie völlig ausschließen können, es geht jedoch darum, sie zu minimieren. Die genannten Kernpunkte sind grundsätzliche Vorschläge; die Maßnahmen sind je nach Standort und Branche individuell auf das jeweilige Unternehmen zuzuschneiden.

Mehr Informationen erhalten Sie in unserem Dossier zum Coronavirus.