Sicherheit

Das ist ein sicherer und gesunder Arbeitsplatz

Pandemie

Mehr Sicherheit und Orientierung für Beschäftigte, mehr Konkretes bietet die neue SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel im Vergleich zum Arbeitsschutzstandard („C-ASS“). Was sind nun die wichtigsten Herausforderungen für viele Branchen?

Anforderungen an die Arbeitsplatzgestaltung

Ein Abstand von mindestens eineinhalb Metern sollte stets eingehalten werden. Dazu kann behelfsmäßig auch das Mobiliar bzw. dessen  Anordnung geändert werden und zudem weitere Flächen und Räume für die Ausübung von Tätigkeiten genutzt werden. Jedoch sollten hierbei weiterhin die Bewegungsflächen gem. Nr. 3.1 des Anhangs der ArbStättV und der ASR A1.2 beachtet werden.

Ist dies nicht einfach möglich, helfen Abtrennungen, die aus transparentem Material (bei erforderlichem Sichtkontakt) bestehen und nicht zusätzlich durch Instabilität, spitze Ecken oder scharfe Kanten gefährden.

Außerdem sollte die Abtrennung ausreichend groß sein: bei Sitzarbeitsplätzen mindestens eineinhalb Meter, bei Steharbeitsplätzen oder Sitzarbeitsplätzen mit stehenden Kunden mindestens zwei Meter über dem Boden. Achten Sie auf die Reinigung: Jeden Arbeitstag von beiden Seiten!

Anforderungen an Sanitärräume, Kantinen und Pausenräume

In Sanitär- und Pausenräumen sowie Kantinen in Betrieben sollten zwecks Handhygiene Waschgelegenheiten und Aushänge zu den Händewaschregeln leicht erreichbar und einsehbar sein. Dies gilt auch für mobile und abgelegene Arbeitsplätze.

In diesen Räumen sollte fließendes Wasser, hautschonende Flüssigseife, ausschließlich Einmalhandtücher aus Papier oder Textil sowie ggf. Hautschutz-/Hautpflegemittel (auf Grundlage der Gefährdungsbeurteilung) vorhanden sein. Die Verwendung von Warmlufttrocknern soll vermieden werden.

Wichtig ist auch genügend Platz für die Menschen in den Räumen, um die Abstandsregel einhalten zu können. Nutzen Sie Abstandsmarkierungen auf Fußböden, eine Begrenzung der Personenzahl oder Pläne zur zeitlich versetzten Nutzung. In Pausenräumen ist das Ziel die Belegungsdichte zu verringern. Anpassungen betreffen zum Beispiel die Bestuhlung, Bodenmarkierungen und die gestaffelte Organisation von Arbeits- und Pausenzeiten. Für das Einrichten / Betreiben von Sanitär- und Pausenräumen gelten die Anforderungen gemäß 4.1 und 4.2 des Anhangs der ArbStättV sowie ASR A4.1 und ASR 4.2.

In Kantinen sollten Sie Tische und Stühle anders anordnen oder reduzieren und auch hier beispielsweise Bodenmarkierungen, Absperrbänder an der Essensausgabe, Geschirrrückgabe und an der Kasse verwenden. Begrenzen Sie die Personenzahl und erweitern Sie die Essenszeiten. Besteck und Geschirr sollte das Kantinenpersonal übergeben.

Anforderungen an die Lüftung in Räumlichkeiten

Allgemein gilt, dass in Arbeitsstätten gemäß Anhang Nummer 3.6 ArbStättV bzw. Arbeitsstättenregel A3.6 ausreichend frische Atemluft vorhanden sein muss, um eine Atemwegserkrankung bzw. eine Infektion durch virenbelastete Aerosole zu vermeiden. Dazu trägt verstärktes Lüften bei. Die ASR A3.6 empfiehlt eine Lüftungsfrequenz von 1 x / Stunde in Büroräumen und 3 x / Stunde in Besprechungsräumen. An dieser Stelle gilt: Viel hilft viel. Eine Stoßlüftung“ sollte drei bis zehn Minuten dauern.

Die übliche Lüftung über Fenster sollte bei Tätigkeitsbeginn und danach regelmäßig erfolgen. Lüften Sie Besprechungsräume bereits vor der Benutzung, vor allem wenn sich zuvor andere Personen darin aufgehalten haben. Die Qualität der Lüftung kann z.B. durch eine CO2-Messung überprüft werden. Eine CO2-Konzentration von 1000 ppm ist (laut ASR A3.6) noch akzeptabel, sollte jedoch soweit möglich unterschritten werden.

Raumlufttechnische Anlagen (RLT) sollten mit einem geeigneten Filter verbaut sein oder eine hohen Außenluftanteil zuführen. Während der Betriebs- oder Arbeitszeiten dürfen die Anlagen nicht abgeschaltet werden. So ist das Übertragungsrisiko von SARS-CoV-2 über raumlufttechnische Anlagen als gering einzustufen. Das Betreiben von Geräten im Umluftbetrieb wie z. B. Ventilatoren oder Heizlüftern, ist aufgrund der Verteilung von Aerosolen nur in Räumen mit Einzelbelegung zulässig.

Anforderungen ans Homeoffice / Mobiles Arbeiten

Homeoffice ist sinnvoll, um die Zahl der gleichzeitig im Betrieb anwesenden Beschäftigten zu reduzieren und die Einhaltung von Abstandsregeln zu unterstützen. Die Regeln gemäß § 2 Absatz 1 Verordnung über Arbeitsstätten und § 2 Absatz 7 ArbStättV im Privatbereich des Beschäftigten gelten fürs Homeoffice nicht. Fürs Homeoffice als Form der mobilen Arbeit (Tätigkeit an jedem beliebigem Ort) gelten dennoch das Arbeitsschutzgesetz und das Arbeitszeitgesetz.

Arbeitgeber sind daher angehalten, Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Dazu gehören u.a. Regelungen zu Arbeitszeiten und Erreichbarkeiten. Beschäftigte sind zudem darin zu unterweisen, die Arbeitszeiten einzuhalten, Arbeitspausen einzulegen und dies zu dokumentieren. Darüber hinaus sind die ergonomische Arbeitsplatzgestaltung und die Nutzung der Arbeitsmittel wichtig für die Unterweisung.
Arbeitgeber müssen durch geeignete Arbeitsorganisation sicherstellen, dass Beschäftigte ihre Arbeitsaufgaben erfüllen können und ausreichend Zugang zu betrieblicher Kommunikation haben.

 

Anforderungen an Dienstreisen und Besprechungen

Begrenzen Sie Dienstreisen oder persönliche Besprechungen auf das für die Erfüllung der Arbeitsaufgabe notwendige Maß. Wertvolle Alternativen sind Telefon- oder Videokonferenzen. Beschäftigte sollten vor einer Abreise die epidemiologische Lage vor Ort prüfen. Nutzen Sie gemeinsam ein Fahrzeug? Dann beachten Sie Abstandsregeln, tragen Sie. eine Mund-Nasen-Bedeckung und installieren Sie ggf. Abtrennungen. Nehmen Sie Wasser und Seife oder Händedesinfektionsmittel für die Handhygiene mit. Besprechungsräume sind entsprechend der Abstandsregeln auszustatten und regelmäßig zu lüften. 

 

Anforderungen an Arbeitsmittel und Werkzeuge

Um das Risiko einer Schmierinfektion zu verringern, sollten Arbeitsmittel nach Möglichkeit nur von einer Person verwendet und somit ggf. zusätzlich bereitgestellt werden. Wenn dies nicht möglich sein sollte, sind diese vor der Weitergabe handelsüblich zu reinigen.
Gemeinsam genutzte Oberflächen müssen nach Kontakt gereinigt werden, beispielsweise gehören dazu Tischplatten, IT-Geräte, Telefonhörer, Lenkräder, Schalthebel sowie Werkzeuge. Eine vorsorgliche Flächendesinfektion wird nicht als notwendig erachtet.


Anforderungen an die Arbeitszeit- und Pausengestaltung

Vermeiden Sie wechselnde Personenkontakte. Das geht, indem möglichst dieselben Personen zu gemeinsamen Schichten bzw. Arbeitsgruppen erscheinen und die Personenanzahl in einer Schicht bzw. Arbeitsgruppe möglichst reduziert werden.

Wichtig ist und bleibt bei allen Schutzmaßnahmen: Vermeiden Sie eine zusätzliche Gefährdung wie beispielsweise zusätzliche Nachtarbeit, eine Verkürzung der Ruhezeiten oder verlängerte Schichten. Ist eine Arbeitserschwernis unvermeidbar, berücksichtigen Sie das bei der Gefährdungsbeurteilung.


Handlungsanweisungen für Verdachtsfälle

Personen mit Symptomen oder dem Verdacht einer Atemwegserkrankung dürfen nicht auf der Arbeit erscheinen. Arbeitgeber müssen sie auffordern, die Arbeitsstätte unverzüglich zu verlassen. Betroffene sollten sich zunächst telefonisch ärztlichen Rat oder den des Gesundheitsamtes holen und sich auch in ärztliche Behandlung begeben. Für die Abklärung des Verdachts sollen sich betroffene Personen wenden. Die häufigsten Symptome von COVID-19 sind Husten, Fieber, Schnupfen sowie Störungen des Geruchs- und Geschmackssinns.

Berücksichtigung psychischer Belastungen

Der Pandemie geschuldet sind tiefgreifende Veränderungen der gesamten Arbeitssituation durch Neu-/Umgestaltungen von Arbeitsplätzen und Arbeitsabläufen. Dadurch nehmen möglicherweise auch psychische Belastungen zu. Die sind ebenfalls in einer Gefährdungsbeurteilung zu berücksichtigen. Beschäftigte verhalten sich womöglich nicht sicherheitsgerecht, sind einer steigenden Unfallgefahr ausgesetzt und weisen damit ein steigendes Gesundheitsrisiko auf.

Führungskräfte sollten die Auswirkungen der Arbeitsprozesse auf Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit beobachten.

Welche Belastungsfaktoren im Einzelnen bei der Gefährdungsbeurteilung zu berücksichtigen sind, ist mit Blick auf die konkreten Tätigkeitsanforderungen und Bedingungen der zu beurteilenden Arbeit zu entscheiden. Orientierung hierzu gibt die GDA-Leitlinie „Beratung und Überwachung bei psychischer Belastung am Arbeitsplatz“, in der die wesentlichen Belastungsfaktoren aufgeführt werden.


Anforderungen an die arbeitsmedizinische Prävention

Die neue Arbeitsschutzregel erklärt auch die arbeitsmedizinische Prävention näher. Die Anforderungen ArbmedVV inkl. der zugehörigen AMR gelten auch weiterhin. Die Regel schafft zum einen mehr Handlungssicherheit für den Umgang mit besonders schutzbedürftigen Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen und mit Rückkehrern an den Arbeitsplatz nach einer Corona-Infektion. Die Betriebsärztin bzw. der Betriebsarzt unterstützt Arbeitgeber bei der Umsetzung ihrer Verpflichtungen im Kontext der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes bei der Arbeit. Zudem hilft der Arzt bzw. die Ärztin bei der Aufstellung entsprechender betrieblicher Handlungsanweisungen und verschafft den Mitarbeitenden Zugang zu Tests auf SARS-CoV-2.


Schützen Sie Mitarbeitende, Kunden und Geschäftsbetrieb mit der Gefährdungsbeurteilung COVID-19. Weitere Informationen erhalten Sie hier:

https://www.bad-gmbh.de/gefaehrdungsbeurteilung-covid19

Haben Sie Fragen zum Thema Gefährdungsbeurteilung COVID-19? Dann melden Sie sich jetzt für den XING Expertendialog Online an:

https://www.xing.com/events/xing-expertendialog-online-gefahrdungsbeurteilung-covid-19-3058911