Sicherheit

Sind Sie gegen Masern geimpft?

Schutzgesetz

Das neue Masernschutzgesetz ist zum 1. März 2020 in Kraft getreten. Im Interview spricht B·A·D-Arbeitsmediziner Dr. Claus Goth darüber, für welche Personenkreise die Impfpflicht besteht und wie er impfmüde Personen motiviert, sich vor den fatalen Folgen von Masern zu schützen.

Bei unserer Facebook-Umfrage haben 93 Prozent angegeben, dass sie das Masernschutzgesetz absolut befürworten.

Masernerkrankungen sind in Deutschland wieder auf dem Vormarsch –  und das trotz gut verträglicher und hochwirksamer Masern-Impfstoffe. Die Gründe dafür sind vielfältig. Die einen sehen in Impfungen einen Angriff auf die Gesundheit ihrer Kinder. Andere versäumen deren Impftermine aus Sorglosigkeit. Und das, obwohl die Krankheit weltweit noch immer mehr als 100.000 Menschen pro Jahr tötet. Mit dem neuen Masernschutzgesetz soll eine höhere Impfrate und ein besserer Infektionsschutz – vor allem bei Kindern – erzielt werden.

Das neue Masernschutzgesetz sieht eine Masern-Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen vor, etwa in medizinischen Einrichtungen oder auch Gemeinschaftseinrichtungen wie Kitas und Schulen. Hier muss der Nachweis darüber bei einer Beschäftigung ab dem 1. März 2020 vor Beginn der Tätigkeit vorliegen. Mitarbeitende, die bereits vor dem 1. März 2020 beschäftigt waren, müssen diesen Nachweis erst zum Ablauf des 31. Juli 2021 vorlegen.  Aber auch alle Kinder, die neu in einer Kita der Schule aufgenommen werden, benötigen einen Nachweis des Impfschutzes.

Dr. Claus Goth ist Facharzt für Arbeitsmedizin bei B·A·D und berät Unternehmen in allen Belangen des medizinischen Arbeitsschutzes, unter anderem auch zum Thema Impfungen. Hier spricht Dr. Goth über den Sinn einer Impfung gegen Masern.

Wie infiziert man sich mit Masern?
Dr. Claus Goth: Die Viren werden von Mensch zu Mensch übertragen, zum Beispiel beim Sprechen, Husten oder Niesen (Tröpfcheninfektionen). Fast jeder Kontakt von ungeschützten Personen mit einem Erkrankten führt zu einer Ansteckung. Sogar auf mehrere Meter Entfernung ist das möglich.

Was passiert eigentlich, wenn ich als Erwachsener Masern bekomme?
Dr. Goth
: Kinder stecken Masern meist recht gut weg, bei Erwachsenen verläuft die Krankheit häufig schwerer, oftmals mit Komplikationen. Das Masern-Virus schwächt das Immunsystem für mindestens sechs Wochen. In dieser Zeit ist der Körper besonders empfänglich für sogenannte Superinfektionen. In der Regel handelt es sich um bakterielle Infektionen, die sich ausgeprägter als sonst ausbreiten wie zum Beispiel Mittelohrentzündung, Entzündung der Atemwege, Lungenentzündung, Durchfall. Besonders gefährlich ist die Gehirnentzündung Enzephalitis. Sie endet in zehn bis 20 Prozent der Fälle tödlich, bei 20 bis 30 Prozent führt sie zu bleibenden Schäden des Zentralen Nervensystems wie Lähmungen oder geistige Behinderungen.

Wie viele Personen steckt ein Masernkranker im Durchschnitt an?
Dr. Goth:
Ein Masernerkrankter steckt bis zu 18 weitere Personen, die nicht geschützt sind, an. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, bis zu 95 Prozent der Menschen zu immunisieren, um die Ansteckung einer Person durch eine andere zu verhindern.

Was ist mit Personen, die vor 1970 geboren sind und keine Impfung nachweisen können?
Dr. Goth:
Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut empfiehlt Personen, die nach dem 31.12.1970 geboren sind und nicht gegen Masern geimpft wurden oder ihren Impfstatus nicht kennen, sich impfen zu lassen. Falls in der Kindheit nur einmal geimpft wurde, ist eine weitere nötig. Hintergrund für diese Empfehlung ist, dass die Masernimpfung in den frühen 1970er Jahren Standard wurde. Vor Einführung der Masernimpfung erkrankten  in jedem Jahr weltweit schätzungsweise 30 Millionen Menschen an den Masern, alle zwei bis drei Jahre gab es große Ausbrüche. Im Alter von 15 Jahren hat mit hoher Wahrscheinlichkeit nahezu jeder die Erkrankung durchgemacht und ist daher immun. Das belegen Daten.

Warum schützt man mit der Impfung nicht nur sich, sondern auch andere?
Dr. Goth:
Von der Impfung profitiert nicht nur der Geimpfte selbst, sondern durch die Herdenimmunität wird die Ausbreitung verhindert und Menschen mit dem höchsten Risiko wie zum Beispiel Säuglinge geschützt. Wer sich und seine Kinder impfen lässt, schützt nicht nur die eigene Familie, sondern auch diejenigen, die nicht geimpft werden dürfen. Im Fall von Masern sind das zum Beispiel Menschen mit einem fortgeschrittenen Tumor, einer HIV-Infektion oder solche mit einem starken Immundefekt.

Hat die Masernimpfung Nebenwirkungen?
Dr. Goth:
Klassische Beschwerden nach einer Impfung sind Rötungen, Schwellungen und Schmerzen an der Impfstelle. Darüber hinaus sind allgemeine Reaktionen wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Unwohlsein mögliche Begleitreaktionen. Sie sind jedoch Ausdruck der erwünschten Auseinandersetzung des Immunsystems mit dem Impfstoff. In der Regel klingen sie nach wenigen Tagen wieder ab.


Können sich Masernviren verändern und muss man die Impfung wiederholen?
Dr. Goth:
Kinder sollten im Alter zwischen elf und 14 Lebensmonaten die erste Dosis des Impfstoffes bekommen, die zweite Gabe erfolgt im Alter zwischen 15 und 23 Monaten. Weitere Auffrischimpfungen sind dann nicht notwendig; der Schutz hält ein Leben lang. Wer als Kind gar nicht oder nur einmal geimpft wurde, dem rät die STIKO, das als Erwachsener nachzuholen.

Wie können Sie als Arzt diejenigen motivieren, die sich nicht impfen lassen?  
Dr. Goth:
Ich glaube, dass das Argument, Impfungen seien aufgrund wissenschaftlicher Forschungen sicher, Impfgegner nicht zwingend überzeugt. Aus meiner Erfahrung heraus ist es wirkungsvoller, auf die Gefahren einer Masernerkrankung und deren Folgeerscheinungen hinzuweisen. Viele Menschen wissen beispielsweise nicht, dass ihnen im schlimmsten Fall eine Gehirnentzündung droht.

Was passiert, wenn man keinen Impfpass hat?
Dr. Goth:
Wer seinen Impfpass verloren hat, bekommt beim Hausarzt einen neuen. Erhaltende Impfungen müssen dann nachgetragen werden. Das darf nur der Arzt, der die jeweilige Impfung gemacht und dokumentiert hat. Normalerweise ist das kein Problem, denn Ärzte müssen alle Maßnahmen in der Krankenakte vermerken und mindestens zehn Jahre aufheben. Bei einem Arztwechsel kann ein verlorener Impfpass allerdings ein Problem werden. Damit der neue Arzt Impfungen aus den Unterlagen nachvollziehen kann, muss der vorherige gebeten werden, die Krankenakte oder die nötigen Informationen an die neue Praxis zu schicken.

Eine andere Möglichkeit der Nachweisbarkeit sind Bluttests. Dies muss der Patient jedoch selbst zahlen und oftmals geben diese nicht über den tatsächlichen Impfschutz Auskunft. Impfungen können jedoch beliebig oft wiederholt werden, ohne dass eine große Gefahr besteht. Und es gilt der Grundsatz: Eine nicht dokumentierte Impfung gilt als nicht durchgeführt.

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