Deutschland 
 
 
 

Ausgabe 06 / 08

 

Beschlossen: Das Unfallversicherungsmodernisierungsgesetz

Der Bundestag hat Ende Juni das Unfallversicherungsmodernisierungsgesetz (UVMG) beschlossen. Mit diesem wird nach Auskunft des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales die gesetzliche Unfallversicherung neu ausgerichtet und modernisiert. Erfreulich für Unternehmen: Mit der Übertragung des Prüfdienstes von der Unfall- auf die Rentenversicherung wird die Betriebsprüfung zukünftig nur noch von einem Zweig der Sozialversicherung durchgeführt. Allein hierdurch werden Kosten in den Unternehmen in Höhe von ca. 50 Mio. Euro gespart und Bürokratie bei den Meldungen zur Sozialversicherung abgebaut. Außerdem wird mit dem Gesetz die "Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie" umgesetzt. Bund, Länder und Unfallversicherungsträger handeln im Bereich der Prävention künftig in enger Abstimmung auf der Grundlage gemeinsam festgelegter Arbeitsschutzziele. Die Zusammenarbeit der Aufsichtsdienste bei der Beratung und Überwachung der Betriebe wird verbessert, das Vorschriften- und Regelwerk im Arbeitsschutz anwenderfreundlicher und transparenter.

 

Report: Gefährliche und ungefährliche Berufe

Nach der Auswertung von Unfall- und Erkrankungszahlen durch den MAP-Report lassen sich drastische Unterschiede in der Gefährlichkeit von Berufen feststellen. Dabei finden sich unter den 10 gefährlichsten Berufen allein fünf aus dem Baubereich. Der Dachdecker dürfte als der gefährlichste Beruf gewertet werden, denn hier werden die höchsten Anteile an Erwerbsunfähigkeitsrenten und Renten aus Todesfällen festgestellt. Mag dieses Ergebnis einleuchten, ist es überraschend festzustellen, das als Nr. 2 der gefährlichsten Berufe die Krankenpflege und an siebenter Stelle die Sozialarbeit steht. Beide weisen insbesondere einen hohen Anteil an Erwerbsunfähigkeit auf. Damit erscheinen in den gefährlichen Tätigkeiten zwei Berufe, die zunächst nicht mit einer hohen akuten Gefährdung verbunden sind, in denen sich aber die jahrelange Arbeitsbelastung letztendlich doch negativ niederschlägt. Am wenigsten sind dagegen Ärzte, verschiedene Ingenieurzweige, Lehrer oder auch Geschäftsführer gefährdet.

 

Gesundheitsmanagement: Steuervergünstigungen für Betriebe

Investitionen von Unternehmen in die Gesundheit ihrer Mitarbeiter sollen ab dem kommenden Jahr steuerlich begünstigt werden, so sieht es der Entwurf des Jahressteuergesetzes 2009 vor. In einem Kommentar bewertet Detlef Hollmann von der Bertelsmann Stiftung die Vorlage als Schritt in die richtige Richtung, denn viele Faktoren wiesen darauf hin, dass die Rolle des Themas Gesundheit der Mitarbeiter in den nächsten Jahren in den Unternehmen weiter zunehmen wird. Die Krankenstände liegen zwar aktuell auf einem niedrigen Niveau, was allerdings auch daran liegt, dass Arbeitnehmer trotz Krankheiten ihrer Arbeit nachgehen. Psychische Erkrankungen und Produktivitätsverluste durch zunehmende Erschöpfungssymptome der Mitarbeiter nehmen dagegen zu. Dennoch scheint das Thema Gesundheit noch nicht in der Breite der Betriebe angekommen zu sein. Einzelne Unternehmen, oftmals Großunternehmen, haben zwar eine betriebliche Gesundheitspolitik fest in ihrem Management verankert, in einem Großteil der Betriebe werden aber, wenn überhaupt, weiterhin vorwiegend Einzelmaßnahmen durchgeführt. Deshalb ist es richtig, geeignete Anreize für die Unternehmen zu setzen, ein betriebliches Gesundheitsmanagement zu etablieren.

 

Den vollständigen Kommentar finden Sie unter:

 

Prävention: Beruflich in ferne Länder

Drei Tage Moskau, eine Woche Dubai, vierzehn Tage Bangalore. Oder gar ein halbes Jahr Kenia. Wer beruflich viel in die Ferne schweift, riskiert auch viel, denn er setzt sich zahlreichen Gesundheitsrisiken aus. Eine gezielte professionelle Vorsorge ist deshalb unabdingbar: Sie bietet wirksamen Schutz vor übertragbaren Krankheiten, bereitet auf andere mögliche Gesundheitsgefahren vor und hilft Risiken insgesamt zu minimieren. Für Unternehmer ist die reisemedizinische Betreuung ihrer Mitarbeiter, die in ferne Lande entsandt werden, keine freiwillige Leistung, sondern arbeitsmedizinische Pflicht. Letztlich auch zum eigenen Schutz. Zwei Millionen Arbeitnehmer aus deutschen Unternehmen schweifen jährlich aus beruflichen Gründen in die Ferne, gerade einmal 5 Prozent von ihnen schützen jedoch ihre Gesundheit unter arbeitsmedizinischen Bedingungen. Gerade um beruflich Reisende zu schützen, haben die Berufsgenossenschaften vor fast dreißig Jahren einen Grundsatz erlassen, in dem Standards eindeutig festgelegt sind, den G35, "doch von dem haben die Verantwortlichen in vielen Unternehmen offenbar noch nie etwas gehört", berichtet Dr. Eckhard Müller-Sacks, Leiter des B·A·D-Zentrums für Reise- und Flugmedizin am Flughafen Düsseldorf.

 

Konflikt: 41% haben ein unausgeglichenes Verhältnis zwischen Arbeit und Familienleben

Nur etwa die Hälfte der Beschäftigten empfindet ihr Verhältnis zwischen Arbeit und Privatleben als ausgeglichen, das berichtet der BKK Bundesverband unter Berufung auf den Report der "Initiative Gesundheit und Arbeit". 41 Prozent der Arbeitnehmer dagegen opfern sich im Beruf auf und belasten damit ihre Familien. "Move Europe", die 1996 gestartete Kampagne des Europäischen Netzwerks zur betrieblichen Gesundheitsförderung, unterstützt die gute Balance zwischen Berufs- und Privatleben (Work-Life-Balance) und bietet den Beschäftigten von Partnerunternehmen zahlreiche Möglichkeiten, Familie und Beruf in Einklang zu bringen. Allein in Deutschland beteiligen sich inzwischen mehr als 500 namhafte Firmen an dem Projekt, das völlig unterschiedliche Ideen aufgreift. Hierzu gehören z.B. Betriebskindergärten, Mentorenprogramme für werdende Mütter und deren Übergang in die Elternzeit, Netzwerke bezüglich der Organisation von Kinderbetreuung oder die Ausrichtung von Kinder- und Familienfesten. Weitere Faktoren auf dem Weg zu einem besseren Verhältnis zwischen Arbeitsplatz und Familie sind zudem flexible Arbeitszeiten, Pausenregelungen oder die Möglichkeit, von Zuhause aus arbeiten zu können.

 

 

Weitere Informationen zur Studie finden Sie unter:

 

Benachteiligt: Prekär Beschäftigte ziehen fast überall den Kürzeren

Nach Einschätzung der Beschäftigten hat sich die Arbeitsqualität im Durchschnitt leicht verbessert. 2008 werden 13 Prozent der Arbeitsplätze in Deutschland als umfassend positiv beschrieben (2007: 12 Prozent). 55 Prozent der Arbeitsplätze liegen im Mittelfeld (2007: 54 Prozent), 32 Prozent werden schlecht bewertet (2007: 34 Prozent). Zu diesem Ergebnis kommt der DGB-Index Gute Arbeit 2008, den der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) am Donnerstag in Berlin vorgestellt hat. Er beruht auf den Aussagen von rund 6800 Befragten aller Regionen, Einkommensgruppen, Branchen, Betriebsgrößen und Arbeitsverhältnisse und ist damit repräsentativ für die Meinung der Beschäftigten in Deutschland. Der Index besteht aus 15 Kategorien von Qualifizierungs- und Entwicklungsmöglichkeiten bis zum Einkommen und errechnet anhand einer Punkteskala, was Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer unter Guter Arbeit verstehen. Im Jahr 2008 erreicht der Wert 59 von 100 möglichen Punkten und liegt damit 21 Zähler unter dem Wert, ab dem Beschäftigte ihren Arbeitsplatz als "gute Arbeit" einschätzen.

 

Weitere Informationen zum DGB-Index finden Sie unter:

 

Online: Informationen zur Sicherheit und zum Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz

Alle dreieinhalb Minuten stirbt in der EU ein Mensch an Ursachen, die mit seiner Arbeit zusammenhängen. Ziel der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz ist es deshalb, die Arbeitsplätze in Europa sicherer, gesünder und damit produktiver zu machen. Im Rahmen einer europaweiten Kampagne zur Gefährdungsbeurteilung wurden nun im Juni 2008 zwei Informationspapiere veröffentlicht, die sich mit der "Gefährdungsbeurteilung" beschäftigen. Das sogenannte "Factsheet 80" behandelt die Rollen und Pflichten im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung, für die alle Beteiligten ein klares Verständnis des rechtlichen Zusammenhangs, der Konzepte, des Verfahrens zur Gefährdungsbeurteilung und der Rolle haben müssen. "Factsheet 81" befasst sich mit dem Thema: "Der Schlüssel zu gesunden Arbeitsplätzen", denn eine entsprechende Gefährdungsbeurteilung kann die Sicherheit und den Gesundheitsschutz bei der Arbeit und die Leistungsfähigkeit der Unternehmen nicht nur verbessern, sondern auch zu einer Reduzierung von Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten und berufsbedingten Erkrankungen führen.

 

Demografie-Kompass: Eine betriebliche Altersstruktur-Analyse in wenigen Minuten

Die Technologie-Beratungsstelle des DGB Nordrhein-Westfahlen (TBS NRW) bietet auf den Internetseiten www.demobib.de nicht nur zahlreiche Informationen zum Thema Demografiewandel. Ein äußerst hilfreiches Instrument ist der angebotene "Demografie-Kompass": Mit diesem schätzen Sie in wenigen Minuten die Altersstruktur und Qualifikationen der Beschäftigten im Unternehmen ein oder starten eine detaillierte Analyse mit Prognose-Funktion, inwieweit sich Ihr Unternehmen auf die Herausforderungen beim Thema Altersstruktur eingestellt hat. Der Kompass ist sowohl online nutzbar, als auch auf dem PC installierbar; in beiden Fällen ist die Nutzung kostenfrei. Der Demografie-Kompass ist ein Werkzeug zur Analyse betrieblicher Altersstrukturen und richtet sich deshalb in erster Linie an Unternehmer, Personalverantwortliche, Betriebsräte und Personalräte sowie interessierte Beschäftigte. Aber auch Berater und Initiativen können den Demografie-Kompass unter Berücksichtigung der Nutzungsbedingungen einsetzen.

 

Weitere Informationen sowie den Demografie-Kompass finden Sie unter:

 

Rückenleiden: Erkrankung kostet 15,5 Milliarden

Immer mehr Bürger leiden nach Angaben der Barmer Krankenkasse unter Rückenschmerzen und Rückenerkrankungen. Mit einem Anteil von 23,5 Prozent waren Muskel- und Skelett-Erkrankungen (MSE) auch im vergangenen Jahr der häufigste Grund für Krankschreibungen bei den rund 1,4 Millionen Versicherten. Das geht aus dem jüngst vorgestellten "Barmer-Gesundheitsreport 2008" hervor. Die durch diese Erkrankung bedingte Ausfallzeit stieg im Vergleich zum Jahr 2006 um zehn Prozent auf 19,7 Tage je Betroffenem. Dem Bericht zufolge führen die durch Rückenerkrankungen bedingten Ausfallzeiten somit zu jährlichen volkswirtschaftlichen Kosten von 15,5 Milliarden Euro. Laut Prof. Dr. Rainer Wieland, dem Autor des Gesundheitsreports, muss deshalb die Rückengesundheit wesentlich mehr in den Fokus betrieblicher Gesundheitsförderung gestellt werden. Gezielte Maßnahmen zur besseren Arbeitsgestaltung könnten diese Krankheitsgruppe nachweislich positiv beeinflussen. Sozialarbeiter wiesen mit 4,5%, Krankenpfleger mit 4,4% und Verkäuferinnen mit 4,3% die höchsten Krankenstände unter den 10 häufigsten bei der Barmer versicherten Berufsgruppen (insgesamt 124) auf. Die niedrigsten Raten fanden sich bei Bankfachleuten mit 3,0%, Erzieherinnen mit 3,2% und Sprechstundenhelferinnen mit 3,2%. Die Erkrankungsdauer lag für das Jahr 2007 im Schnitt bei 13,5 Tagen.

 

Weitere Informationen zur Expertentagung sowie das komplette Veranstaltungsprogramm finden Sie unter:

 

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